Folge 97 „Wie schafft Bremen den Kurswechsel im Bildungsbereich, Mark Rackles?"

Shownotes

Bessere Bildung, mehr Chancengerechtigkeit und gute Zukunftsperspektiven für alle Kinder und Jugendlichen – wie kann das gelingen? Darüber sprechen wir in der aktuellen Folge mit Mark Rackles, Senator für Kinder und Bildung in Bremen.

Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen und Ziele der Bremer Bildungspolitik: Warum schneidet Bremen im bundesweiten Vergleich seit Jahren so schlecht ab? Welche Maßnahmen sind notwendig, um die Bildungsqualität nachhaltig zu verbessern? Und welche Rolle spielen dabei Sprachförderung, Bildungsgerechtigkeit, digitale Bildung und attraktive Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte?

Außerdem lernen die Hörer*innen den Menschen hinter dem Amt kennen: Was hat Mark Rackles in die Bildungspolitik geführt? Was motiviert ihn in seiner täglichen Arbeit – und was fordert ihn besonders heraus? Und: Welche Bundesländer möchte er mit Bremen im Bildungsranking überholen?

Eine Folge über die Zukunft der Bildung, politische Verantwortung und die Frage, wie ein echter Kurswechsel gelingen kann.

Transkript anzeigen

00:00:01: Friedrichs Flaschenpost, der Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:00:07: Moin Hallo und herzlich Willkommen zur 97. Folge von Friedrichs Flaschenpost.

00:00:11: Ich bin Christine Strotmann, arbeite für die Friedrich-Ebert-Stiftung im Regionalbüro

00:00:15: Nord und darf durch die heutige Folge führen. Danke, dass ihr dabei seid,

00:00:20: liebe Hörerinnen und Hörer.

00:00:21: In unserer heutigen Folge geht es um die Zukunft, und zwar die des Bildungsstandorts Bremen.

00:00:26: Dessen Gegenwart, dass es bundesweit auch, glaube ich, kein Geheimnis ist,

00:00:29: nein, das Naja, vielleicht eher mau.

00:00:32: Im Ende vorigen Jahres veröffentlichten sogenannten IQB-Bildungstrend schnitten

00:00:36: die neuen Klässlerinnen aus Bremen bundesweit am schlechtesten ab und das Thema

00:00:40: ist auch leider nicht neu.

00:00:42: Am Donnerstag geht in Bremen die

00:00:43: Schule wieder los und für manche auch vielleicht ganz neu in diesem Jahr.

00:00:47: Und darüber, was sich dort aktuell und zukünftig verändert, spreche ich jetzt

00:00:51: mit dem Bremer Bildungssenator Mark Rackles.

00:00:53: Vielen Dank, dass du dabei bist. Ich stelle dich noch ganz kurz vor für diejenigen,

00:00:56: die vielleicht noch nicht das Vergnügen hatten.

00:00:59: Du bist Diplompolitologe und Diplomkaufmann und warst von 2011 bis 2019 Staatssekretär

00:01:06: in Berlin in der dortigen Senatsverwaltung und zwar auch schon mit dem Thema Bildung.

00:01:11: Seit Oktober 2025 bist du jetzt hier in Bremen, Senator für Kinder und Bildung

00:01:15: der Freien Hansestadt und hast dir, glaube ich, einiges vorgenommen.

00:01:19: So ist mein Eindruck, oder?

00:01:20: Ja, doch. Gibt auch nichts zu tun, egal in welchem Bundesland du tätig bist.

00:01:24: Ich glaube, Bremen sind eine besondere Herausforderung.

00:01:26: Wenn man den Anruf bekommt in Berlin oder ich hatte der Presse entnommen,

00:01:29: in Lateinamerika vielleicht sogar, im Sabbatical und gefragt wird,

00:01:33: ob man Bremer Bildungssenator werden wollen würde, was schießt einem als erstes durch den Kopf?

00:01:39: Es kam ein völlig überraschender Anruf. Es schwoss ein bisschen an meine vorherigen

00:01:42: Tätigkeiten und Expertise. Ich habe ja auch, nachdem ich Staatssekretär war,

00:01:46: einige Jahre publiziert im Bereich Inklusion, die Lehrkräftefortbildung und so weiter.

00:01:51: Aber der erste Moment war natürlich Überraschung. Ich hatte es nicht darauf

00:01:53: angelegt, Senator zu werden.

00:01:55: Aber wenn man so ein Angebot bekommt, dann weiß man auch sehr schnell,

00:01:58: das hinst du an. Also die Möglichkeit, Ideen zu haben, Erfahrung zu haben,

00:02:02: das exekutiv umzusetzen in der Verwaltung, das ist schon ein großes Geschenk.

00:02:07: Ich glaube, du bist sogar der einzige Kindersenator Deutschlands, oder?

00:02:10: Ich bilde mir ein, der eins wie Kindersenator zu sein. Ich kenne niemanden,

00:02:13: der sie sonst so schimpft. Ja, ich finde es ziemlich gut, meine Kinder auch.

00:02:17: Wie waren denn die Startbedingungen hier? Ich habe es gesagt,

00:02:19: Oktober, du bist jetzt also, man würde wahrscheinlich sagen,

00:02:22: inzwischen schon sattelfest, aber vielleicht siehst du das anders.

00:02:24: Wie waren die Bedingungen, als du hier angefangen hast?

00:02:27: Aber die waren ehrlicherweise genau in der Kippe. Also meine Vorgängerin,

00:02:31: Sascha Aulepp, hatte die Situation, dass sie beispielsweise im Kinderbereich,

00:02:34: der Kita, ganz, ganz starken Druck hatte, wahnsinnig Plätze ausbauen musste,

00:02:39: nur die quantitative Spiele.

00:02:40: Das heißt, sie spielt in der Rolle eigentlich im Lehrkräftebereich.

00:02:42: Es war ein jahrzehntelange Unterversorgung mit Lehrkräften.

00:02:47: Das hat sich tatsächlich jetzt sehr gedreht, interessanterweise.

00:02:49: Das hefte ich mir jetzt gar nicht an, sondern auch den Vorgängern der Tätigkeiten.

00:02:53: Wir haben also ausreichende Bildungs- und Ausbildungsplätze in den letzten Jahren

00:02:56: aufbauen können, sodass wir tatsächlich jetzt auch die Nachfrage nach Kita-Plätzen

00:03:00: nimmt etwas ab, sodass wir mehr Luft haben, jetzt an die Qualität zu denken,

00:03:03: sowohl Qualität im Bildungsbereich wie auch Qualität im Kita-Bereich.

00:03:06: Und das ist ein Geschenk und das ist eine sehr gute Ausgangsbedingung.

00:03:08: Schwierig ist, und es überrascht mich dann

00:03:10: auch, man weiß, dass Bremen ein Haushaltsproblem hat, hatte Berlin auch.

00:03:15: In dem Ausmaß, das ist dann schon etwas überraschend. Das erfordert eben eine

00:03:18: ganz starke Priorisierung und auch gelegentlich mal die Überlebung.

00:03:21: Das können wir uns jetzt nicht mehr leisten.

00:03:23: Wir konzentrieren das alles auf Bildung und Qualität.

00:03:26: Das ist unter diesen Haushaltsbedingungen schon eine große Herausforderung.

00:03:29: Was lief denn bereits gut, als du den neuen Job angetreten hast?

00:03:31: Also richtig gut lief dieses Haus, finde ich. Es hatte einen sehr schlechten

00:03:35: Ruf nach außen. Mir wurde gesagt, du war mal, Bildung ist schon an sich schwer

00:03:38: genug. Mit dem Haus ist es fast unmöglich. Das stimmt nicht.

00:03:40: Es sind viele gute Leute im Bereich der SKB, so heißt es hier,

00:03:43: die Senatorische Behörde für Kinder und Bildung.

00:03:46: Von daher ist das ein großes Geschenk gewesen. Es sind gute Leute,

00:03:48: mit denen man arbeiten kann.

00:03:50: Auch die Schulen in Bremen. So schlecht der Ruf manchmal ist,

00:03:53: so gut können einzelne Schulen sein. Das ist auch alles. Es gibt wie in jedem

00:03:57: anderen Land auch. Das kenne ich von Baden-Württemberg, Bayern und Berlin.

00:04:01: Auch Hamburg zum Teil. Es fehlt so ohne, wie man so schön sagt.

00:04:04: Also das sind die Ausgangspitzen, die sind gar nicht so schlecht meines Erachtens.

00:04:07: Wir haben ein Grundproblem.

00:04:09: So bei der Grundhaltung, dass sich viele daran gewöhnt haben,

00:04:12: ja, Bremen ist Schlusswicht, ist eben so, wird immer so sein.

00:04:15: Und das versuche ich ein bisschen aufzubohren, dass man ein bisschen den Anspruch.

00:04:19: An sich selbst auch richtet.

00:04:20: Bevor wir gleich ein bisschen auf die Zukunft schauen, du hast ja sicher auch

00:04:23: ein paar Gedanken darüber gemacht, warum es denn so gekommen ist.

00:04:26: Es ist jetzt auch wirklich schon lange so, also alle haben sich so ein bisschen

00:04:28: dran gewöhnt. In allen oder fast allen Bildungsrankings hat Bremen immer die Schlusslaterne.

00:04:33: Was denkst du über, ja eigentlich schon Jahrzehnte, wie kommt es dazu?

00:04:37: Das eine ist noch ein bisschen objektiv zu sagen, Bremen hat in vielen Bereichen

00:04:41: sehr schwierige Ausgangsbedingungen, jetzt nicht nur was geht,

00:04:43: sondern auch auf die Frage hohe soziale Belastung.

00:04:45: Die Quartiere haben einen ganz hohen Armutdruck und es gibt eine hohe Migrationsquote,

00:04:49: wo ich sie gar nicht so spannend finde, die ist spannend für die Frage Sprachförderbedarfe,

00:04:53: das ist ein großes Thema hier in Bremen, Bremerhaven.

00:04:55: Aber es ist vorhin eine soziale Lage. Wir sind schlusslich, in Anführungsstrichen,

00:04:59: oder man kann es auch ungefähr formulieren, ein bisschen spitzenreiter bei der

00:05:01: Frage der Sozialhilfe und der Familien, die auf Unterstützung angewiesen sind.

00:05:07: Und das macht sich natürlich sehr stark im Mündungssystem bemerkbar.

00:05:10: Das ist aber nicht alles. Ich glaube, das hat jetzt noch für die Hälfte der

00:05:13: Punkte, man kann das ja so ein bisschen schlappig auseinandernehmen,

00:05:16: sodass die andere Hälfte auch ein bisschen eine Frage der Haltung ist und des

00:05:19: Willens und der Leistungsbereitschaft und des Ehrgeizes.

00:05:22: Und diese Front, die kann man so ein bisschen bespielen. Ich kann an der Sozialstruktur,

00:05:25: kann ich kostet nichts ändern.

00:05:27: Aber an den Wunsch zu sagen, egal wie die Kinder sind, in der anderen welchen

00:05:30: Päckchen sie kommen, wir bringen die zu einem Bildungsabschluss und einem vernünftigen

00:05:33: Bildungsabschluss, daran kann man besser arbeiten.

00:05:35: Da ist, glaube ich, viel eingeschliffen im Sinne von, naja, es hat sowieso keinen

00:05:38: Sinn, war schon immer so, da habe ich mir raus. Das geht darum,

00:05:41: indem alle gleichzeitig sagen, ja, wir wollen jetzt.

00:05:44: Wenn man vielleicht ein bisschen die Bundesland-Ebene verlässt,

00:05:46: das ist ja auch immer schwierig, Bundesländer zu vergleichen.

00:05:49: Bremen ist ja auch besonders klein. Aber es gibt ja durchaus auch andere Städte,

00:05:52: ich würde sagen in ähnlicher Größe und die wahrscheinlich auch eine ähnliche Sozialstruktur haben.

00:05:57: Habt ihr da Vergleiche? Könnt ihr da schauen, wo man sich auch noch was abgucken

00:06:01: kann? Oder habt ihr den Eindruck, naja, das läuft ehrlicherweise meistens dann ähnlich?

00:06:05: Nee, so tatsächlich auf Länderebene kann man Bremen eigentlich in Bremen schlecht

00:06:08: vergleichen. Auf kommunaler Ebene, das macht nicht vergleichlich Sinn.

00:06:11: Also beispielsweise Duisburg ist so eine Stadt, mit denen kann man sich,

00:06:13: jetzt sind die Problemlagen gerade dämlich, die Herausforderungen im Kita- und

00:06:17: im Bildungsbereich sind vergleichbar.

00:06:18: Das macht tatsächlich Sinn. Und da sind ja auch die Rezepte und die Pilotansätze,

00:06:22: die Projekte für uns teilweise auch vergleichbar.

00:06:25: Also wir haben ein großes Interesse, um das kommunal auszutauschen,

00:06:28: das machen wir auch mit Kommunen, um eben da zu lernen. Auf Landesebene ist

00:06:32: es tatsächlich so, dass man die Stadtstaaten sowieso ja noch mal besondere Ereignisse

00:06:35: ist, Bremen, Hamburg und Berlin.

00:06:37: Aber ein Land wie Bremen jetzt mal so etwas mit NRW zu vergleichen,

00:06:41: macht dem wir auch keinen Sinn. Das ist jetzt dadurch, dass wir zufällig ein

00:06:44: Bundesland sind, ist es so. Aber an sich sind wir eher eine Kommune,

00:06:47: die städtisch wirklich werden muss.

00:06:49: Was hast du denn hier vorgefunden? Also du hast vorhin schon kurz über das Haus,

00:06:52: also deine Behörde hier oder eure Behörde hier gesprochen, was die aber auch

00:06:56: Personal- und Mittelausstattung angeht.

00:06:58: Denn wer die Presse ausmerksam verfolgt oder auch vielleicht Menschen kennt,

00:07:03: die hier in die Kita oder in die Schule gehen, der hat den Eindruck,

00:07:06: dass es gerade bei der Personalausstattung ganz schön hapert.

00:07:09: Das ist eine Debatte, die wir bundesweit haben, wobei im Osten die Ostländer

00:07:12: haben jetzt die Situation, dass viele Kitas beschlossen werden.

00:07:15: Da ist ein ganz starker Geburtenrückgang. Dadurch hat man deutlich weniger Kinder.

00:07:20: Dadurch entspannt sich die Fachkräftedebatte so ein bisschen.

00:07:22: Das Defizit bei den Lehrkräften ist es Brandenburg-Rollschuss oder so.

00:07:25: Die können kaum den Unterricht organisieren in der Fläche, was wirklich heftig ist.

00:07:28: Das haben wir in Bremen nicht. In Bremen haben wir zum ersten Mal seit 15 Jahren,

00:07:32: das habe ich vorhin angedeutet, Die Situation, dass wir ausreichend sogar überschüssig

00:07:36: Lehrkräfte ausbilden, die wir gar nicht alle einstellen können,

00:07:39: die gehen zum Teil eben dann nach Niedersachsen,

00:07:41: So dass sich das etwas entspannt. Trotzdem haben wir auch innerhalb von Bremen,

00:07:45: Bremerhaven die Situation, dass es regional deutliche Unterschiede gibt.

00:07:49: Allein schon Bremen, Bremerhaven ist ein Unterschied. Deutlich mehr Leute wollen nach Bremen.

00:07:53: Wir versuchen sehr stark zu steuern Richtung Bremerhaven und wir haben die Situation,

00:07:57: dass wir nicht nach Bremen Nord rollen, sondern es ist hier der Bereich der.

00:08:01: Lesum und so weiter, Blumenthal, die erkennen, wer sich hier auskennt,

00:08:04: da ist es schwierig, Leute hinzuvermitteln, obwohl sie dann eine halbe Stunde

00:08:07: fahren müssen. Also die Menschen haben sich da gewöhnt, sehr klein,

00:08:09: kleinfreundlich unterwegs zu sein, sehr inflexibel zu sein.

00:08:12: Auch da muss man so ein bisschen die Situation jetzt nutzen und sagen,

00:08:15: Leute, ihr könnt gerne Vollverbeamtung haben auf Lebenszeit und dann eben in Dreh im Nord.

00:08:19: Das wird jetzt eine Steuerungsherausforderung sein.

00:08:23: Das ist ja also entsprechend sehr weites Feld, das wir jetzt schon mal so umrissen

00:08:27: haben und ich hatte es vorhin gesagt, du hast auch gesagt, du hast echt einiges vor.

00:08:32: Was würdest du sagen, sind denn gerade so deine Schwerpunkte oder eure Schwerpunkte

00:08:35: hier auch in der Behörde? Also was ist der Masterplan?

00:08:39: Also hier heute habe ich keinen Masterplan, sondern eine ganz konkrete Herausforderung.

00:08:44: Das ist die Versorgung des nächsten Schuljahres. Wir haben ja immer den Ganztag,

00:08:47: der jetzt heute noch am 1.08. organisiert ist.

00:08:49: Das hat gut geklappt in Bremen. Allerdings erst mal quantitativ.

00:08:53: Wir haben gute Plätze und alle, die beantragt haben, haben Platz bekommen. Das läuft.

00:08:56: Allerdings die Personalversorgung, ich habe es Ihnen mal gedeutet,

00:08:58: in Bremen Nord zum Beispiel, die soll nicht, obwohl wir auf dem Papier 100 Prozent

00:09:01: Ausstattung haben im Gesamtland, heißt es, dass wir Regionen haben,

00:09:04: die teilweise 70, 80 Prozent Ausstattung haben. Das ist schon ziemlich viel.

00:09:07: Das ist ein hohes Defizit und das heißt, die können teilweise die Klassenleitung nicht organisieren.

00:09:11: Das ist somit die Hauptherausforderung im Opa-Pathetengeschäft.

00:09:13: Und konzeptionell ist es die sogenannte Qualitätsoffensive. Ich versuche eben

00:09:17: sehr stark, das, was wir vorhin hatten, nochmal so ein Bewusstsein ins Land zu tragen.

00:09:21: Qualität ist möglich, auch in Bremen.

00:09:24: Wir werden nicht zaubern, aber wir können ja von fünf Jahren,

00:09:27: können wir deutlich besser werden bei der Frage, Kinder, die keinen Abschluss

00:09:30: haben, Kinder, die keine Grundkompetenzen haben, Kinder, die kein Deutsch sprechen,

00:09:33: da kann man Quoten bilden und sagen, in fünf Jahren wollen wir besser werden.

00:09:36: Das heißt nicht, dass alles ideal ist, aber wir wollen besser werden.

00:09:39: Und diesen Wunsch, eigenen Ehrgeiz zu formulieren, das steckt in dieser Qualitätsoffensive drin.

00:09:44: Und das ist ein der ganz großen, dicken Bretter, die jetzt fünf Jahre gebohrt werden. Vielen Dank.

00:09:49: Dann haben wir schon mal zumindest einen ersten Einblick, wo es hingehen soll.

00:09:52: Bevor wir da auch noch mal tiefer einsteigen, haben wir ja verabredet,

00:09:56: dass auch du mit uns Friedrich Fragt spielst, dass die Hörerinnen und Hörer

00:10:00: also auch die Gelegenheit haben, Mark Rackles noch ein bisschen persönlicher

00:10:04: zumindest kennenzulernen.

00:10:05: Das Prinzip ist bekannt, ganz einfach, Kaffee oder Tee, eine Entweder-oder-Frage.

00:10:10: Ich bin sicher, der Bildungssenator weiß, dass es nicht beides bedeutet.

00:10:14: Einmal eine schnelle Runde. Bist du eher dafür, zuzuhören oder selbst zu sprechen?

00:10:18: Ich höre zu, aber also leider muss ich am Ende Schlussfolgerungen ziehen.

00:10:21: Dann spreche ich das Schlussbauter. In der Schule, was war deins? Mathe oder Deutsch?

00:10:26: Hm, Deutsch. Wenn du die Wahl hättest in einer perfekten Welt,

00:10:30: hättest du eher sehr kleine Klassen oder vielmehr Ganztagsangebote?

00:10:34: Vielmehr Ganztagsangebote. Arbeitest du lieber im Homeoffice oder im Büro?

00:10:38: Im Büro. Johann Wolfgang Goethe oder Cornelia Funke?

00:10:41: Das ist hart. Ich bin journalistisch gebildet, also traditionell.

00:10:44: Goethe, aber Funke war das mit meinen Kindern. Es hat Spaß. Es hat deutlich

00:10:47: mehr Spaß gemacht, als Goethe zu wissen. Verstehe.

00:10:50: Wenn du nicht Bildungssenator geworden wärst, wärst du dann lieber Baumpfleger

00:10:53: oder Buchhändler geworden?

00:10:55: Buchhändler. Gut, das ist einigermaßen naheliegend. Marc, ich habe ja vorhin

00:10:59: kurz angeführt, also ganz kurz deinen Werdegang.

00:11:01: Du hast also Politik und BWL studiert und hast dann eine Weile auch noch was anderes gemacht.

00:11:05: Bist in die Senatsverwaltung in Berlin oder in den öffentlichen Dienst sozusagen.

00:11:09: Dort erst Europa und dann aber auch schon Bildung. Was hat dich in dieses Politikfeld

00:11:14: gezogen? Weil ich bin ja tatsächlich, ich habe erstmal in der Unternehmensberatung

00:11:18: gearbeitet ein paar Jahre und bin dann im öffentlichen Dienst.

00:11:21: Das hat sich ergeben durch meine politische Affinität. Ich habe in der SPD viel

00:11:25: gearbeitet und also die Politik war immer sehr wichtig in meinem Leben und deswegen

00:11:29: war die reine Unternehmensberatung relativ langweilig, muss man ehrlicherweise sagen.

00:11:32: Das war die Senatskanzlei in Berlin, da war ich für Europapolitik zuständig,

00:11:36: zum Schluss auch der Referatsleiter. Das war an sich auch eher die Linie,

00:11:39: die ich verfolgen wollte. Im Kerndienst dann hätte ich rein theoretisch,

00:11:42: wäre ich gern Europaabgeordneter geworden.

00:11:44: Aber dann kamen Wahlen dazwischen, wo ich im Geschäftsführer Landesvorstand

00:11:48: der SPD in Berlin war. Und dadurch war ich in den Koalitionsverhandlungen drin.

00:11:51: Und in den Koalitionsverhandlungen habe ich den Bereich Bildung übernommen.

00:11:53: Ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Das war nie mein Schwerpunkt.

00:11:57: Allerdings war immer klar, Bildung ist für mich die beste Sozialpolitik.

00:12:00: Also es war immer als Linke in der SPD oder immer bildungspolitische Fragestellungen,

00:12:04: Fragestellungen waren wichtige Fragen aus Stuttgart-Dorfbaden.

00:12:06: Und dadurch war ich sehr exponiert. Und als dann die Senatorin damals von uns

00:12:10: ausgegelt wurde und von der Partei der Mannschaft zu mich gefordert,

00:12:12: Staatssekretär werden wollte, und dann bin ich als jemand, der Verwaltung konnte

00:12:16: und sich für Bildung interessierte, ich muss ehrlicherweise sagen,

00:12:19: ich bin kein Pädagoge, auch kein Lehrer.

00:12:21: Ich habe das nicht gelernt, aber als Staatssekretär bist du sehr stark den Verwaltungsbereich

00:12:25: befragt und das war eben dann doch eine große Herausforderung,

00:12:27: weil mir Spaß gemacht hat, das habe ich acht Jahre gemacht.

00:12:30: Du hast es vorhin gesagt, als Linker in der SPD, also ich würde sagen,

00:12:33: Bildungspolitik ist tatsächlich auch eines der Kernpolitikfelder,

00:12:37: die die SPD beackert und das ja auch schon sehr lange und aus gutem Grund.

00:12:40: Das hat ja viel mit der Forschung von Gerechtigkeit auch zu tun.

00:12:43: Wenn du mal das Tagesgeschäft vielleicht so ein bisschen mental beiseite lässt,

00:12:46: was ist für dich wirklich gute sozialdemokratische Bildungspolitik?

00:12:50: Das ist die Gewährleistung von Aufstiegen, das war so die Brand der SPD in den

00:12:54: 60er oder 60ern gelungen ist, das war einfach Aufstieg geöffnet hat, gesellschaftlich.

00:12:58: Menschen waren nicht mehr hierarchisch, stießen nicht mehr an die gläserne

00:13:00: Decke, wie es heute teilweise geschwächtlich im geschwächtlichen Bereich ist.

00:13:03: Das ist eine große Sache und unsere heutige Herausforderung ist eigentlich die

00:13:06: Entkopplung von einfach dem sozialen Hintergrund, dem Familienhintergrund von Bildungserfolgs.

00:13:11: Es kann nicht sein, dass er in der Industrie, die Deutschland,

00:13:14: größter Staat in Deutschland in Europa, es uns nicht gelingt,

00:13:17: anders als in anderen Ländern, dass es immer noch so ist, dass unser Bildungserfolg

00:13:21: der Kinder von der sozialen Herkunft abhängt. Das ist einfach ein Armutszeugnis.

00:13:25: Da müssen wir besser werden und da ist ein bisschen die Frage,

00:13:27: ob das im föderalen System eigentlich leistbar ist.

00:13:29: Ich bin Anhänger des Föderalismus, aber wir Doktorneier seit 40,

00:13:32: 50 Jahren rumkommen nicht weiter.

00:13:34: Da muss irgendwann mal was passieren. Was hat sich denn in der Bildungspolitik

00:13:38: oder besonders stark in der Bildungspolitik verändert, seitdem du dich mit dem

00:13:42: Thema jetzt so ausführlich beschäftigst?

00:13:44: Nicht verändert haben sich die Strukturdebatten, das deutsche Gymnasium,

00:13:47: die Gemeinschaftsschule auf der anderen Seite, die durchgängige Grundschule,

00:13:50: all diese Punkte. Und das sind leider, obwohl jeder weiß, wenige was gemeinsames

00:13:54: Lernen, hat der Professor Maaz gerade in der festgestellten Bildungsbericht, macht Sinn.

00:13:58: Auch später, später Selektion macht Sinn. Da kommen wir nicht weiter.

00:14:01: Wir sind weitergekommen im Ganztagsbereich, im Bereich Digitalisierung,

00:14:05: bei der Frage Grundkompetenzen.

00:14:06: Da sind wir weiter. Auch BNE, also Nachhaltigkeitsfragen, die sind jetzt viel

00:14:10: stärker im Schulsystem als früher.

00:14:11: Da haben wir auch eine sehr gute Lehrkräftebildung, meines Erachtens.

00:14:14: Die wird immer wieder modernisiert, aber das ist alles gut. Wo wir nicht so

00:14:16: richtig weitergekommen sind, wo ich erwünschen würde, dass wir größere Stücke

00:14:19: machen als die Inklusion. Das halte ich immer für die ganz große Herausforderung.

00:14:22: Da wird es immer schwieriger, weil die Fälle nicht abnehmen, sondern eher zunehmen.

00:14:26: Und wir haben unsere Systeme in den letzten Jahren nicht fit gemacht dafür.

00:14:28: Es war im Gegenteil geblockt.

00:14:30: Es sind Strukturfragen ausgewichen. Die Deutschen haben ein sehr passives Verhältnis

00:14:34: zu Strukturveränderungen oder

00:14:36: fast hysterisches Verhältnis zu Strukturveränderungen im Bildungssystem.

00:14:39: Deswegen ist es wahnsinnig schwierig, da innovativ unterwegs zu sein.

00:14:42: Das kann man als jemand einmal machen in einem Punkt, aber die 16 Länder gleichzeitig

00:14:46: ist es fast unmöglich, dass man da strukturell vorankommt.

00:14:48: Deswegen sind solche Sachen wie Ganztag, Kita, frühe Schulpflicht,

00:14:52: Kita-Pflicht, das sind so Debatten, die auch wirklich wertvoll sind,

00:14:55: weil sie übergreifend Standards setzen.

00:14:56: Du hast es gesagt, im Inklusionsbereich, da kommen immer mehr Fälle hinzu oder

00:15:01: also sagen wir mal Kinder und Jugendliche, die einen besonderen Förderbedarf haben.

00:15:04: Wenn man auf die Schulrankings der letzten Jahre schaut oder auf die Leistungsrankings

00:15:09: oder wie auch immer man sie oder abfragen, wie man sie nennen möchte.

00:15:12: Dann entsteht ja schon der Eindruck, dass sich da aber auch insgesamt sehr viel

00:15:15: an der Schülerinnenschaft verändert hat, also an denjenigen,

00:15:18: die durch die Bildungseinrichtungen laufen. Oder denkst du, das ist ein Trugschluss?

00:15:22: Doch, ich glaube, es war ein Trugschluss zu denken, dass vor 50 Jahren alle

00:15:25: Kinder gleich waren. Das deutsche System war ja so ausgerichtet,

00:15:28: alle völlig homogenisiert zu behandeln, immer die gleiche Aufgabe,

00:15:30: zur gleichen Zeit, das gleiche Fach.

00:15:33: Das war ein Trugschluss, aber heute ist es, glaube ich, viel offensichtlicher

00:15:36: und gar nicht mehr negierbar, dass die Kinder sowohl von den kulturellen Hintergründen

00:15:39: wie von den spartlichen Ausgangsbedingungen wie auch den intellektuellen Ausgangsbedingungen

00:15:43: unter den Förderbedarfen extrem unterschiedlich sind.

00:15:46: Das heißt, das, was in einer Klasse zusammensitzt, ist ein heterogener Haufen von Individuen.

00:15:50: Und die zu beschulen und zu einem Bildungserfolg zu bringen,

00:15:53: ist halt eine völlig andere Herausforderung, als wenn da 32,

00:15:56: jetzt mal gymnasial gesehen, 32 identisch ausgerichtete Kinder,

00:16:00: die all den gleichen Bildungshintergrund haben, was eine Fiktion ist.

00:16:03: Aber wenn es dann so wäre, das wäre ein völlig anderer pädagogisch-didaktischer

00:16:06: Ansatz, als es im [unverständlich] ist.

00:16:08: Da spielt die Inklusion, die Differenzierung, differenzierte Ansätze,

00:16:12: auch die Projektarbeit, das Lösen von 45-Minuten-Einheiten, stärkere Freiday-Ansätze,

00:16:19: die eben den Freitag nochmal projektorientiert arbeiten lassen.

00:16:21: Das sind Ansätze, die wirklich zukunftsfähig sind. Mit unseren 45-minütigen

00:16:25: Fächerplanern kommen wir, glaube ich, nicht in die Zukunft.

00:16:28: Was hast du denn mitgebracht aus Berlin, wo du dachtest, ach,

00:16:31: das kann ich hier auch gut anwenden oder einsetzen?

00:16:33: Ich dachte, Inklusion ist was, wo wir teilweise von Bremen schon gelernt hatten

00:16:37: in Berlin. Wir haben da so, was hier die ReBUZ sind, sind die SIBUZ bei

00:16:41: uns, also das Regionalberatungszentrum.

00:16:43: Schwerpunktschulen sind in Berlin gebildet worden, da kann man tatsächlich hier,

00:16:48: in Bremen was lernen, weil wir haben zum Beispiel im Bereich Autismus.

00:16:51: Auf Autismus spezialisierte Schwerpunktschule, oder sowas fehlt in Bremen hier,

00:16:55: obwohl wir keine neuen Förderschulen haben, wir brauchen aber Expertise.

00:16:58: Digitalisierung, die digitale, also die Steuerung von Personal ist so ein Ding,

00:17:03: also Berlin ist das weiter gewesen meines Erachtens in Bremen.

00:17:06: Aber im Kern sind die beiden Systeme, die sind viel größer und klein.

00:17:09: Die Größenunterschiede ist offensichtlich,

00:17:10: aber die sind im Kern schon vergleichbar an einigen Punkten.

00:17:13: Da ist auch der Blick immer wieder hin und zurück. Ganz interessant,

00:17:15: wäre auch die Situation, dass ich den Leuten sage, frag doch mal in Berlin nach,

00:17:18: wie die Sache ist, so wäre in Hamburg, weil tatsächlich vieles vergleichbar ist.

00:17:22: Was macht dir am meisten Spaß bei deiner Arbeit? Die Kinder,

00:17:25: die arbeiten mit Kindern. Ich war mir da in der Kita und habe mit Kindern das

00:17:28: Kühlmatte und Zucchini auszugraben und Kartoffeln auszugraben.

00:17:31: Das ist entspannt. Man merkt einfach, aha, und die geht's.

00:17:34: Und die sind, wenn sie jung sind, sind sie ganz besonders aufnahmefähig und

00:17:37: auch mit offen. Und unser Versuch muss es sein, das in der Schulkarriere weiter

00:17:42: offen zu halten. Aber dass die Arbeit mit den Kindern und den Kollegen vor Ort

00:17:45: macht mir am meisten Spaß. Das bringt mir aber am meisten immer da.

00:17:47: Das Feedback, auch gerade bei den Kolleginnen und Kollegen am stärksten kommt

00:17:51: und auch sachlich und professionell am stärksten unterfüttert ist.

00:17:54: Was macht denn weniger Spaß? Die Finanzierungsfragen, also dann wieder zu klären,

00:17:58: dass alles unterfinanziert ist, immer wieder reinzugehen. Wir hatten kürzliche

00:18:00: Situation, dass wir sehr kurzfristig 20 Millionen Euro brauchten.

00:18:03: Das ist kein Pappenstiel, das ist eine große Nummer in Bremen.

00:18:06: Und artenswerterweise hat sich das durch den Regierenden, durch den Bürgermeister

00:18:10: hier und durch den Finanzsenat der Landarbeit schnell erklären lassen,

00:18:12: dass wir es hinbekommen haben.

00:18:13: Und zwar ein bisschen Zufall, weil in der Nachtragshaushalt sowieso unterwegs war.

00:18:16: Aber diese Haushaltsdebatten sind teilweise sehr, sehr mühselig.

00:18:19: Und da muss man sich immer wieder sagen, es geht um Länder und Kinder.

00:18:22: Es geht nicht um irgendwelche Zahlen, die wir hin und her schieben,

00:18:25: sondern es geht um Kinder, deren Zukunftsfähigkeit. Und da muss ich halt als

00:18:28: Bildungssenator und Kindersenator sagen, da können wir nicht sparen, es geht nicht.

00:18:32: Die Entscheidung ist nicht, kriegt das die Bildung oder nicht,

00:18:33: sondern die Entscheidung muss sein, welche Art von Bildung kriegt das.

00:18:36: Und da ist der Finanzsenator manchmal einsichtiger, manchmal weniger einsichtig.

00:18:41: Das läuft nicht aus der Spaßspur.

00:18:43: Ihr habt euch aufgemacht, du hast vorhin schon kurz angerissen,

00:18:45: die Qualitätsoffensive auf den Weg zu bringen,

00:18:48: das ja auch nicht du als Senator alleine, sondern ich glaube in relativ weit

00:18:51: gefassten, ja quasi sogar öffentlichen Aufruf, also viel eingesammelt auch von

00:18:56: den Fachkräften natürlich vor allem, um zu schauen, okay, wo können wir uns

00:18:59: stärken, wo können wir uns besser aufstellen.

00:19:01: Hast du den Eindruck, dass die Leute darauf wirklich Lust haben?

00:19:06: Weil man kann einerseits sagen, ja, wir sind immer Schlusslicht,

00:19:09: aber man kann ja auch sagen, Mensch, irgendwie so ein kleines Bundesland,

00:19:11: da können wir doch kein Kind zurücklassen.

00:19:13: Genau, das wäre mein Ansatz. Das letzte, dass diese Qualitätsoffensive hat ja

00:19:17: das Ziel, tatsächlich dieses Bewusstsein nochmal zu schaffen.

00:19:20: Leute, es macht Sinn, dass wir selbst aktiv werden und daran arbeiten,

00:19:23: Kinder zum Abschluss zu führen.

00:19:25: Und wir fangen mit den Grundkompetenzen an, Mathematik und Sprache.

00:19:28: Dann sehr früh, ja auch beide Systeme zusammen mit der Kinder,

00:19:31: also die Kita und das Schulsystem, die Schnittstelle zwischen Kita und Grundschule, besonders im Fokus.

00:19:36: Die Kernbotschaft der Qualitätsoffensive ist auch nicht so originell,

00:19:39: aber das in die Breite zu tragen war eben wichtig, deswegen ist dieser Beteiligungsprozess

00:19:43: auch so wichtig gewesen. Es ging ja acht Wochen durch die Stadt,

00:19:45: alle konnten sich äußern, es kam auch wahnsinnig viele Anregungen,

00:19:47: über 800 Seiten und Kommentare gekommen.

00:19:50: Von allen Expertinnen und Experten und Fachgruppen, die es hier in Bremen gibt,

00:19:55: in Bremerhaven, haben es für beide Stadtteile zusammen gedacht und eben daraus

00:19:58: ein Konzertkommand mit 50, also es sind sieben Handlungsbereiche und 50 Maßnahmen.

00:20:04: Und die sind, glaube ich, tatsächlich in meiner Wahrnehmung schon so,

00:20:06: dass die angekommen sind. Also immer, wenn ich in Schulbesuche komme,

00:20:09: hat das Kollegium Vorsicht dann ausgedruckt, dass so eine spezielle Farbkombination,

00:20:12: diese Qualitätsoffensive, das liegt tatsächlich immer da.

00:20:16: Also da denke ich mir, okay, da habe ich es noch gemessen und da steht da,

00:20:18: warum ist bei der Maßnahme 34, warum passiert das und das, was stellen sich

00:20:22: Werte und davor, was heißt das für uns.

00:20:24: Also es ist schon tatsächlich, es wäre in Berlin jetzt nicht so gemessen,

00:20:27: in Berlin wäre so eine Initiative, glaube ich, etwas untergegangen,

00:20:29: weil da täglich auch mal das Haus kommt.

00:20:30: In Bremen gab es auch den Ansatz zu sagen, na, schon wieder so ein Ansatz,

00:20:34: schon wieder so ein neues Papier, aber dieses Papier führt viel zusammen,

00:20:36: was es im Feld schon gibt und versucht es eben auf Ziele und zwar quantifizierte

00:20:40: Ziele in fünf Jahren auszurichten.

00:20:42: Und das ist neu. Und das schätzen die Leute meines Erachtens,

00:20:45: aber da wird man am Ende auch gemessen werden.

00:20:47: Vielleicht gehen wir nochmal einen Schritt zurück für diejenigen,

00:20:49: die jetzt vielleicht nicht so eng am Feld dran sind.

00:20:53: Wie stelle ich mir das vor? Wenn ich mir so ein bisschen kursorisch diese Lernstandserhebungen

00:20:57: anschaue, dann habe ich den Eindruck, jeder Dritte oder Vierte verlässt die

00:21:02: Grundschule und kann nicht lesen.

00:21:03: Ist das richtig? Ja, nicht nur lesen, sondern auch die deutsche Sprache mündlich

00:21:07: ist im Defizit. Also wir haben viele Kinder, die Ende der Grundschulzeit nicht

00:21:12: fit sind, sprachlich, um in der Sek I weiterzumachen.

00:21:16: Und das ist ja schon ganz weit hinten. Wir müssten eigentlich gucken,

00:21:19: dass die Kinder, wenn sie von der Kita in die Grundschule kommen,

00:21:21: also in den ersten Jahrgang, schon den Grundvorschuss drauf haben.

00:21:25: Sich auf den Zahlenstrahlen, Zahlenraum ran und bedecken können.

00:21:28: Das ist was, was wir jetzt schaffen wollen. Also wir haben ein hohes Defizit

00:21:31: in diesem Bereich. Über 50 Prozent, die sprachlich Defizite haben.

00:21:34: Und bei den Grundkompetenzen in Mathematik ist es nicht ganz so dramatisch,

00:21:38: aber es ist im Kern 40 bis 50 Prozent. Und nur noch, um nochmal deutlich zu

00:21:41: machen, das sind ja nicht alles Kinder, die dann während eines laufenden Schuljahres

00:21:44: gekommen sind oder so aus einem anderen Land, sondern die sind häufig schon hier geboren.

00:21:48: Wir haben auch so Sozialhilfefälle, wir haben einfach Deutsche,

00:21:51: also die migrantischen Kinder sind meistens auch in der deutschen Staatsgemeinschaft,

00:21:55: aber wir haben auch Menschen ohne, Familien ohne Migrationshintergrund,

00:21:59: wo das Sprachdefizit auch geprägt ist.

00:22:01: Und das ist der Bereich, der sich jetzt überschreitet mit diesen ganzen Debatten

00:22:03: um sozialen Medien, also wann und wie soll man mit sozialen Medien umgehen,

00:22:07: wann ist es sinnvoll, einem Kind Bildschirmzeit zu können und wann nicht.

00:22:10: Also meine Theses sind zwischen zunehmend, einfach durch die Erfahrungen in

00:22:13: Kita und in Schule, dass die Eltern die Kinder viel zu früh an diese Bildschirme lassen.

00:22:19: Also das war für uns. Und das erklärt nicht alle Probleme, aber es ist ein Teil

00:22:23: des Problems. Das ist eine der ganz großen Herausforderung im Moment,

00:22:26: da vernünftig Medienpädagogik zu betreiben mit den Eltern, die ja nicht in der

00:22:30: Schule sind oder nicht in der Kita sind.

00:22:31: Die müssen wir ergänzend parallel über die Vereine, über Nachbarschaftshilfe

00:22:35: erreichen. Und das ist ausgesprochen.

00:22:38: Wie wollt ihr da jetzt mit der Qualitätsoffensive ganz konkret gegenwirken?

00:22:42: Ein Teil davon ist Elternarbeit, also dass man auch am Anfang einfach mal klärt,

00:22:46: also von richtigen Verträgen im Sinne von, das erwarten wir von den Eltern,

00:22:50: das könnt ihr von uns erwarten als Einrichtung, das liefert der Staat, das liefert die Person.

00:22:55: Also gemeinsame Verantwortung fürs Kind, sowohl in der Kita wie auch in der Grundschule.

00:22:59: Dann sozialräumliche Vernetzung ist ein wesentliches Handlungsfeld innerhalb

00:23:03: der Qualitätsoffensive. dass man den vorhandenen Institutionen,

00:23:06: die sind in Bremen sehr stark ausgeprägt, das ist kleinräumig hier in Bremen

00:23:09: und die Quartiere sind sehr stark durchdrungen von so Nachbarschaftsstrukturen.

00:23:14: Das ist eine Anker-Einrichtung, wo die Menschen, auch die Elterncafés,

00:23:18: Sprachcafés, wo Menschen zusammenkommen, wo sie erreichen kann,

00:23:21: das viel systemischer zu benutzen, also systematisch für Sprachförderung,

00:23:24: Medienbilder und so weiter zu benutzen.

00:23:26: Ganz vorne steht das Handlungsfeld 1, also Sprachbildung. Das heißt,

00:23:29: das haben wir schon umgesetzt. Wir wollen jetzt verpflichtend frühe Sprachtestung

00:23:33: und wenn Bedarfe sind, ein verpflichtender Kita-Besuch für mindestens 20 Stunden. Das ist zwar,

00:23:39: Eine deutliche Änderung in dem Status quo. Und zwar jetzt nicht nur das Feststellen,

00:23:42: dass es Defizite gibt, sondern auch additive Sprachförderung mit einziehen.

00:23:45: Da brauchen wir ein bisschen die Bundesmittel, wo es dann ein bisschen kirscht

00:23:48: gerade. Aber das sind Punkte, die es wirklich neuselnd und die auch ganz gezielt am Kind wirken soll.

00:23:52: Man gibt es hier darüber hinaus auch Medienbildung, eben Digitalbildung.

00:23:55: Die Stärkung der Grundkompetenz in Mathematik. Also es gibt ein Landessprachprogramm

00:23:59: und da gibt es ein Landesprogramm Mathematik und so weiter. Das sind also Punkte,

00:24:02: die da ganz konkret aufgeführt sind.

00:24:04: Was die Basiskompetenzen angeht, du hattest es ja auch schon gesagt,

00:24:08: jetzt kommt ja peu à peu, also in ganz Deutschland gibt es ja jetzt den Rechtsanspruch

00:24:13: eben seit diesem Monat auf die Ganztagsbetreuung ab der ersten Klasse.

00:24:16: Versprichst du dir davon auch nochmal einen großen Schub nach vorne?

00:24:20: Also mittelfristig, ja. Jetzt kurzfristig ist es vor allen Dingen ein riesen,

00:24:23: riesen Schritt für die Länder, das quantitativ umzusetzen. Das sind ja überall

00:24:27: Anbaumaßnahmen, Ausbaumaßnahmen. Die Mensa muss hergerichtet werden.

00:24:30: Personal muss reingeholt werden. Es müssen Verträge für den Nachmittag gemacht

00:24:33: werden mit Dienstleistern, Sportvereinen und so weiter.

00:24:36: Das wird jetzt ein, zwei, drei, vier Jahre, glaube ich, dauern,

00:24:38: bis sich das alles ausgerichtet wird, wenn man ähnlich ist.

00:24:40: Aber dann, wenn das steht und auch durchgewachsen ist durch die vier Jahrgänge,

00:24:45: also man sieht ja der Rechtsanspruch für den ersten Jahrgang und da wächst jedes Jahr auf.

00:24:48: Also ich erwarte, nach spätestens vier Jahren wird man hoffentlich auch eine

00:24:50: Qualitätsdebatte vermutlich zu Ende führen können, wo man sagt,

00:24:53: was machen wir denn eigentlich den ganzen Tag?

00:24:55: Also was bringt der denn jetzt sprachlich, was bringt der denn die Kernkompetenzen,

00:24:58: Grundkompetenzen? Nutzen wir diese zusätzliche Lernzeit, die es ja ist,

00:25:02: für tatsächlich auch zusätzlichen Kompetenzgewinn?

00:25:04: Das ist im Moment, ehrlicherweise steht es nicht im Fokus, weil wir so fokussiert

00:25:08: sind, ähnlich wie bei der Kita vor ein paar Jahren, einfach nur die Plätze auszubauen.

00:25:12: Aber die Plätze müssen tatsächlich jetzt auch pädagogisch für Lust werden.

00:25:15: Das sollte aber in zwei, drei Jahren wirklich sein.

00:25:18: Ich habe manchmal den Eindruck, dass, also du hast ja auch gesagt,

00:25:21: es sind wirklich auch die unterschiedlichsten Familien, wo dann bei den Kindern

00:25:24: im Zweifel eben tatsächlich Defizite auflaufen.

00:25:28: Ich habe den Eindruck, Familien stehen ja schon nochmal unter einem besonderen

00:25:31: Druck, auch in verschiedenste Richtungen. Also auch diejenigen,

00:25:34: bei denen das Einkommen niedrig ist, die stehen einfach unter sehr viel Druck,

00:25:37: sehr viele Stunden Erwerbsarbeit zu leisten.

00:25:39: Wer Erwerbsarbeit leistet, wird gleichzeitig auch kein Kinderbuch vorlesen.

00:25:43: Wie hast du den Eindruck, wie ist die Resonanz bei der Elternschaft?

00:25:47: Also ja, also menschbezogen auf die Kördese.

00:25:50: Oder auf die Maßnahmen, die sie da ganz konkret betreffen. Also sowas wie ein

00:25:54: verpflichtender Kita-Besuch. Ja, das kommt nicht so schlecht an.

00:25:58: Wobei das auch alles im Werden lässt. Bin mal gespannt, ob es da irgendwelche Klagen gibt oder sowas.

00:26:01: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, denn die meisten sind einsichtig und wollen das Beste für ihr Kind.

00:26:05: Oft sind es auch so kulturelle Hemmnisse, dass man, ich kann auch verstehen

00:26:09: bei einer Flüchtlingsfamilie, die möchten jetzt nicht als erstes ihr Kind in

00:26:12: ein freiemes System geben.

00:26:13: Wenn die jetzt hier frisch in Deutschland angekommen sind in Bremen,

00:26:16: da muss man Vertrauen auf.

00:26:17: Das dauert alles Zeit. Aber ich glaube, im Kern, das ist meine Wahrnehmung bei

00:26:20: den Eltern, auch bei den Elternvereinen oder Elternvertretungen,

00:26:23: bei den Elternvertretungen auch, dass die alle sehr einsichtig sind und wissen,

00:26:25: dass es gut fürs Kind ist.

00:26:27: Und wenn es da Einzelfälle gibt, die man lösen muss, dann kann man die lösen.

00:26:30: Aber ein Grundsatz ist, glaube ich, das ist insgesamt ein sehr entgegenkommendes,

00:26:34: also was ich hier sehr bekomme, aber ein Feedback ist eher positiv,

00:26:37: aber eigentlich gar nichts Negatives.

00:26:39: Das Negativ-Service ist ja diese Frage der Ferien, also ob man in die Ferien

00:26:43: fahren darf und drei Wochen vorher sein Kind aus der Schule rausnimmt.

00:26:46: Da gab es ein bisschen Elternproteste, aber die laufen dann auch leer,

00:26:49: weil man ja sagt, Kinder, Leute, es gibt die Schulpflicht, aber das ist was,

00:26:52: das hängt nur mittelbar mit der Qualitätsoffensive zusammen,

00:26:55: auch da reingeschrieben haben, wir wollen die Unterrichtszeit,

00:26:57: die zur Verfügung steht, wollen wir optimieren.

00:26:59: Denn dazu gehört eben auch, dass die Eltern nicht ihr Kind drei Wochen vor oder

00:27:02: nach dem Urlaub aus der Schule nehmen.

00:27:04: Bei euch in der Qualitätsoffensive in dem Papier heißt es auch,

00:27:07: ihr wollt armutssensible Pädagogik stärken. Was versteht man darunter?

00:27:11: War mir auch ein bisschen neu. Als ich anfing, gab es gleich einen Fachtag hier

00:27:15: in Bremen, fand ich ganz spannend.

00:27:16: Das ist ein Gebiet, ein Quartier, wo es schwierig ist in vielen Bereichen auch.

00:27:20: Ein ganz tolles Quartier, wo wahnsinnig viel Engagement ist,

00:27:23: aber eine soziale Herausforderung.

00:27:25: Und die haben eine Tagung zu armutssensibler Pädagogik gemacht.

00:27:29: Und das fand ich dann spannend, war tatsächlich, also man kann,

00:27:31: das habe ich ja vorhin versucht anzudeuten, man kann nicht mit so einem Stiefel

00:27:35: durchs Bildungssystem laufen, sondern man muss tatsächlich gucken,

00:27:37: was für Kinder sitzen in der Klasse, was haben die für Hintergründe,

00:27:39: was haben die für Bedürfnisse.

00:27:41: Und armutssensibel kann vieles heißen, das heißt aber vor allem,

00:27:44: dass ich vom Kind her denke, wenn es morgens erstmal beruhigt werden muss,

00:27:47: also es kommt beispielsweise hungrig in die Schule oder in die Kita,

00:27:50: hat einfach mal nicht gegessen, dann müssen.

00:27:52: Die Küchen an sich inzwischen darauf spezialisiert, am Montag deutlich mehr

00:27:55: und größere Portionen zu machen.

00:27:57: Das wäre in normalen, Anführungsstrichen, bürgerlichen Wohngebieten nach Jurt sowas.

00:28:01: Im Zweifelsfall hätten die doch eher zu viel als zu wenig gegessen.

00:28:03: Und die Bedürfnisse des Kindes sind da anders. Es geht nicht nur um Sprache,

00:28:07: es geht um soziale Zuwendung, es geht um die Frage Mehrsprachigkeit,

00:28:10: es geht um die Frage Klassenfahrten, wie ich organisiere, wie thematisiere ich sowas.

00:28:15: Und da gehört Sensibilität dazu, diese Kinder, ihnen nicht das Gefühl zu geben,

00:28:19: sie sind zweite Klasse, was sie gesellschaftlich wahrscheinlich sogar sind,

00:28:22: wenn man ehrlich ist, aber ihnen in der Schule das Gefühl zu geben,

00:28:25: hier seid ihr alle gleich, hier habt ihr die gleichen Chancen.

00:28:28: Und das hängt viel davon ab, wie deine Lehrkraft mit der Gesamtklasse umgeht

00:28:33: oder es fängt auch schon in der Kita an.

00:28:34: Und das zu lernen ist tatsächlich was, was unter diesem Stichwort armutssensible Pädagogik

00:28:39: läuft, wo es auch vernünftige Programme gibt.

00:28:41: Aber das ist sehr weit verzweigt.

00:28:44: Also das ist tatsächlich ein komplexeres Thema, wo es auch nicht die eine Lösung gibt.

00:28:48: Aber was geht überhaupt mal darum, diese Sensibilisierung, so ähnlich wie diskriminierungssensibel

00:28:52: zu arbeiten, das ist also etwas Ähnliches.

00:28:53: Da wird der Fokus überhaupt erstmal aufgemacht, wenn man sieht,

00:28:55: aha, hier ist ja ein Phänomen bei der Klasse, auf das ich anders reagieren muss,

00:28:59: als wenn es jetzt eine Klasse ist, wo die Armut nicht dominanter Faktor ist.

00:29:04: Für all das braucht ihr ja Fachkräfte, die das auch umsetzen.

00:29:08: Wie hast du den Eindruck, wo steht ihr da? Du gehst ja relativ stark voran,

00:29:11: was zum Beispiel Arbeitszeiterfassung angeht.

00:29:14: Wie könnt ihr die besten Leute gewinnen für diese Stellen im Land,

00:29:17: dass sie sich wirklich in den Bildungsbereich begeben?

00:29:20: Wie seid ihr aufgestellt? Also an sich sind wir ganz gut aufgestellt.

00:29:23: Ich sage mal, also an sich sind wir so aufgestellt, dass wir eine Vollversorgung

00:29:27: haben. Wir haben alle Stellen in Bremen besetzt. An sich sage ich deswegen,

00:29:30: weil das nicht bedeutet, es ist der bunte Durchschnitt.

00:29:33: Alle Stellen sind besetzt, aber ein großer Teil der Schulen hat Vertretungsanlässen

00:29:37: durch Mutterschutz, durch Dauerkrankheit, durch auch Abordnungen in die Behörde

00:29:42: oder in die Hochschulen.

00:29:43: Viele Lehrkräfte machen ja Nebentätigkeiten im Sinne von, die machen didaktische

00:29:46: Entwicklung, Aufgabenentwicklung oder machen Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Behörde.

00:29:51: Die fehlen dann im Unterricht. Das heißt, ich hoffe, 400 Prozent Ausstattung,

00:29:54: aber es fehlen acht bis zehn Prozent der Leute tatsächlich dann in den Schulen

00:29:57: und damit auch im Unterricht.

00:29:58: Damit müsste ich eigentlich 110 Prozent ausstatten. Auf dem Weg sind wir inzwischen

00:30:02: auch nach dem Nachschlag, den wir diesen Sommer bekommen haben.

00:30:04: Wir haben einfach mal fast 200 Stellen bekommen. Das versuchen wir so aufzufangen,

00:30:07: aber die Situation ist ein bisschen absurd. Also ich kann sagen,

00:30:10: wir können nicht mehr alle Leute einstellen, die wir ausbilden.

00:30:14: Ich möchte trotzdem sagen, weiter Lehramt studieren, absolut wichtig,

00:30:17: nur auf die Fächer achten, Sonderpädagogik, Mathematik, Deutsch,

00:30:21: all diese Punkte sind wichtige Fächer, die auf Dauer gebraucht werden.

00:30:24: Aber wir können tatsächlich zum ersten Mal steuern. Wir haben also mehr Leute

00:30:26: in den Bewerbungen, als wir einstellen.

00:30:28: Dadurch können wir auch die Bestenauslese betreiben. Das ist das erste Mal seit 15 Jahren.

00:30:31: Also von daher ist da tatsächlich im Moment eine positive Entwicklung.

00:30:35: Allerdings ist sie noch nicht so richtig euphorisch, weil tatsächlich noch nicht

00:30:38: in allen Schulen alle Stellen besetzt sind. Darauf müssen wir noch ein bisschen

00:30:41: warten. Und daran arbeiten wir eben mit der sogenannten Vertretungspool,

00:30:44: wo wir 200 Stellen zusätzlich ins System geben, um eben diese Vertretungsanlässe zu fördern.

00:30:50: Das wäre auch meine nächste Frage gewesen. Diejenigen, die schon da sind und

00:30:53: jetzt vielleicht auch schon lange das Bremer Bildungssystem begleiten und da

00:30:57: hauptberuflich tätig sind, wie motivierst du die?

00:31:00: Das Hauptproblem ist immer das Kind. Die sollen sich die Kinder angucken, um die Kinder geht's

00:31:04: und dann steigt die Motivation, schon mal was zu tun und dann muss ein Sustainroom

00:31:08: umgebaut werden, wo wir eben mal einen Teil leisten, aber die Schulen leisten

00:31:11: was, die Eltern leisten was, die Nachbarschaftsvereine leisten was und wir als

00:31:14: Bildungsbehörde leisten erheblich was, wo eben ausreichend Ressourcen und Fachkräfte da sind.

00:31:18: Da geht es also um Sozialassistenzen, es geht um Logopädie, es geht um Schulpsychologie,

00:31:22: Sozialarbeit, das muss alles im nächsten Jahr ausgeweitet werden.

00:31:25: Wir haben da schon viel zusätzlich reingesteckt, aber es ist immer zu wenig.

00:31:29: Die Schulen wollen natürlich immer mehr, auch wenn sie merken,

00:31:31: irgendwas funktioniert gut. Beispielsweise Schulsozialarbeit,

00:31:33: sind wir in Bremen und Weite weit.

00:31:35: Dann wollen die dafür mehr haben, völlig zu Recht, weil wir können natürlich

00:31:37: nicht jetzt eins zu eins jedem Lehrkraft und Sozialarbeit an die Seite stellen.

00:31:41: Aber das sind so die Punkte, die in den letzten Jahren im Fokus stehen werden.

00:31:45: Inhaltlich verbunden mit der Frage Inklusion, was wir vorhin hatten,

00:31:48: das gehört zwingend dazu.

00:31:50: Es steht jetzt auch demnächst, ich glaube, 28, die Verlängerung,

00:31:55: Überarbeitung, wie auch immer, des Schulkonsenses an.

00:31:58: Was ist deine Haltung dazu? Was denkst du, ist die beste Schulform für alle?

00:32:02: Oder sind die besten Schulformen im Plural gesprochen? Das sind ja verschiedene

00:32:06: Fragen. Das eine, das gibt es den bremischen Schulkonsens, der ist zwischen

00:32:09: den Parteien abzuschließen worden, 2018 bis 2028, das heißt,

00:32:13: der läuft also noch. Der läuft auch über die Wahl.

00:32:15: Also wir haben jetzt erst am nächsten Mai, 2027, haben wir die Wahl.

00:32:19: Wir haben jetzt den Auftrag gehabt, das war angelegt im Schulkonsens,

00:32:22: eine Evaluation auf den Weg zu bringen. Das haben wir gerade gemacht.

00:32:25: Den Parteien wird nächste Woche die Evaluation übergeben. Die kommt extern von

00:32:29: ProfessorInnen, die nochmal in so sechs, sieben Punkten evaluiert haben.

00:32:33: Inklusion, berufliche Bildung, Schulstruktur, Privatschulen.

00:32:37: Haben sie verschiedene, einfach das letzte, was in den letzten acht Jahren passiert.

00:32:40: Und das werden die Parteien bewerten müssen und dann nach den Wahlen in den

00:32:43: Koalitionsverhandlungen überlegen, ob sie einen Schulkonsens haben wollen oder nicht.

00:32:47: Wir sind der Meinung, der ist sinnvoll, weil er nimmt ein bisschen Druck aus dem System.

00:32:50: Man debattiert nicht die ganze Zeit über Strukturen und kommt nicht dazu,

00:32:53: die irgendwelchen Probleme zu lösen.

00:32:54: Allerdings muss ich auch sagen, die Strukturen hängen natürlich zum Teil mit Problemen zusammen.

00:32:58: Und diese Frage einer Schule für alle oder Gemeinschaftsschule,

00:33:02: wie man es nennen will, das ist schon mal eine spannende Frage,

00:33:04: auch gerade nach dem, was der Deutsche Bildungsbericht wieder publiziert hat.

00:33:08: Also möglichst wenig Brüche in einer Schulkarriere zu haben,

00:33:11: ist für bestimmte Kinder sehr sinnvoll. Manche Kinder wachsen mit diesen Brüchen,

00:33:14: manche Kinder scheitern, aber an der haben wir mindestens zwei Brüche zwischen

00:33:18: eigentlich drei, Kita und Grundschule, Grundschule Sek I und Sek I, Sek II.

00:33:23: Drei große Brüche, wo uns viele Kinder verloren gehen. Und deswegen ist eine

00:33:26: Schule, die von 1 bis 13 alles abdeckt und die Kinder differenziert aufnimmt,

00:33:31: durchaus interessant. Und diese Debatte würde ich gerne führen.

00:33:34: Die wird ideologisch oft gegen das Gymnasium geführt. Das finde ich jetzt Quatsch.

00:33:37: Aber ich finde, eine starke Schule, eine Oberschule, die durchgängig ist von

00:33:41: 1 bis 13, die kann tatsächlich in Bremen auch was leisten und wird wahrscheinlich

00:33:45: den Kindern auch gerecht, weil die hier sind. Mhm, verstehe.

00:33:47: Das führt auch automatisch ein Stück weit zu meiner nächsten Frage.

00:33:51: Ihr habt auch eine relativ hohe Schulabbrecherquote und auch relativ viel Absentismus in Bremen.

00:33:56: Was ist so deine große Vision? Wie schafft man es, dass wirklich alle Kinder

00:34:00: und Jugendlichen im Idealfall mit einem Schulabschluss auch die Schule verlassen?

00:34:03: Also wir alle schaffen, weiß ich nicht, weil wir sind ja ein inklusives System.

00:34:06: Ich glaube sogar, das inklusivste, ich würde deutlich sagen,

00:34:09: das inklusivste in Deutschland.

00:34:10: Das heißt natürlich nicht, dass wir optimal aufgestellt sind, aber von allen schlechten

00:34:13: Systemen sind wir das Beste.

00:34:14: Das heißt, wir haben eine hohe Inklusionsquote, eine niedrige Exklusionsquote.

00:34:18: Das führt natürlich dazu, dass wir wahnsinnig viele Kinder im angewandelnden

00:34:21: System haben, die faktisch kaum zu einem normalen Regelabschluss kommen.

00:34:25: Das ist schon mal statistisch ein bisschen das Problem, dass.

00:34:28: Wenn, es war in Berlin auch schon so, da haben mich Schulleiter angefragt,

00:34:31: ja, Herr Rackles, das entweder, Sie wollen tolle Ergebnisse bei den Abschlüssen

00:34:35: oder Sie wollen ein inklusives System.

00:34:37: Beides zusammen, da ist da, spür mal, irgendein Widerspruch und so ähnlich ist es in Bremen.

00:34:40: Ich bin für das inklusive System und dazu muss man eben auch in Kauf nehmen,

00:34:44: dass nicht jeder, jeder, der

00:34:46: MSA oder Abitur macht, den mittleren Schulabschluss oder Abitur macht.

00:34:48: Das Vorausgesagt ist trotzdem der Anspruch, dass jeder zu dem höchstmöglichen

00:34:52: Bildungsabschluss geführt werden muss.

00:34:53: Insofern müssen wir Abschlüsse generieren, die eben dann auch adäquat sind.

00:34:57: Und wir haben ganz viele Bereiche, ganz viele Kinder, die nicht um den sonderpädagogischen

00:35:01: Förderbedarf laufen, sondern die emotional-sozial Probleme haben,

00:35:04: die nicht mit der Geschwindigkeit im Leistungsdruck zurechtkommen.

00:35:07: Und da muss man teilweise überlegen, wenn man das macht, ohne die Qualitätsansprüche

00:35:11: aufzugeben, kindgerechter arbeitet, also ein Teil in der Qualitätsoffensive

00:35:15: ist auch Wohlbefinden. Wie mache ich die Schule so, dass die Kinder gerne zur

00:35:19: Schule gehen und diese Leistungsdruck?

00:35:21: Also den werden wir nicht rausnehmen können, wenn wir Qualität wollen.

00:35:24: Aber wir müssen ihn kindgerechter gestalten.

00:35:26: Und das sind so Fragen, Noten, wann ist Schulbeginn, müssen alle gleichzeitig

00:35:31: immer das Gleiche, muss ein Test immer alle gleichzeitig abtesten.

00:35:34: Was prüfen wir heute? Ist es nur ein repetitives Wiederholungswissen oder soll

00:35:38: es Strukturwissen sein, soll es Präsentation sein?

00:35:40: Ist die Sportnote ausschließlich davon abhängig, ob jeder in 9,1 Sekunden,

00:35:45: bestimmte Meter läuft oder kann man das anders aufstellen?

00:35:47: Also da ein bisschen kindgerechter zu arbeiten, das halte ich für die spannenden Fragen.

00:35:51: Da wird am Ende natürlich auch möglich werden, diese Abbruchquoten zu senken.

00:35:56: Aber es spielt dabei auch eine strukturelle Frage, was ich eben sagte.

00:35:58: Dieser Bruch speziell zwischen der vierten und der fünften Klasse,

00:36:03: da beginnen ganz viele Schulabbrecherkarrieren. Und da müssen wir höllisch aufpassen,

00:36:07: dass wir das gängiger machen und auch die Kinder besser mitnehmen.

00:36:11: Das klingt alles, also als wäre da Motivation hinter.

00:36:15: Wie soll das denn alle begeistern? Also alle, die im System sind.

00:36:19: Die Kinder ebenso und Jugendlichen ebenso wie die Eltern, die ja auch am Bildungserfolg

00:36:23: maßgeblich beteiligt sind, wie die Fachkräfte.

00:36:26: Ich bin kein Messias. Also von mir hängt es jetzt nicht ab. Aber ich erwarte

00:36:29: von den Menschen, die beruflich für einen Erziehungsberuf entschieden haben.

00:36:34: Und davon gehe ich auch aus. Ich bin ja viel in Schulen unterwegs.

00:36:37: Dem sind nicht doch Messias. Also ich gehe dann in die Schulen und versuche,

00:36:40: uns davon zu überzeugen, dass wir als Behörde sie darin unterstützen wollen,

00:36:44: dass ihre originäre pädagogische Arbeit ist.

00:36:47: Und ich stelle fest, die Leute brennen für ihren Job. Wir müssen aufpassen,

00:36:51: dass sie nicht verbrennen dabei, weil sie sich übernehmen. Also sowohl in der

00:36:53: Kita, die auch in Schule, speziell in der Grundschule.

00:36:56: Aber diese hohe Motivation bei den Fachkräften, die zu entfachen und so ein

00:37:02: bisschen zu einem Gesamt, wenn man wieder weiß, ah, wir richten uns alle wieder auf Qualität aus.

00:37:06: Und da war die Eltern mitnehmen, die teilweise ein schweres Los haben,

00:37:09: die auch teilweise völlig gefordert sind. Das kann man ihnen gar nicht übernehmen.

00:37:12: Aber es gibt auch viele Eltern, die Unterstützung leisten, die sich gegenseitig

00:37:15: helfen, diese Netzwerke zu stärken und auszubauen.

00:37:17: Also daraus sind viele kleine Mosaiksteine, die am Ende ein Bild ergeben.

00:37:21: Da spiele ich in meiner Behörde eine Rolle, aber es spielen viele einfach auch eine Rolle.

00:37:24: Und das zusammenzuholen, das ist so ein bisschen der Auftrag dieser Qualitätsoffensive,

00:37:29: die eben in den Rahmen setzt. Dass alle wissen, dass sie in die gleiche Richtung

00:37:31: laufen, nicht jeder meint links nach rechts, nach hinten nach vorne.

00:37:34: Daraus wird dann nichts. Aber wenn alle in die gleiche Richtung laufen,

00:37:36: wissen, was das Ziel ist, das kann funktionieren.

00:37:39: Ob es funktioniert, ist nur in fünf Jahren. Aber der Anspruch ist auf jeden Fall da.

00:37:41: Und mein bisheriges Gefühl, das Feedback und auch meine Lust daran ist schon

00:37:45: so, dass viele Menschen Lust haben, was den Kindern hier besser gehen zu lassen.

00:37:50: Ausnahmsweise mache ich heute mal zwei Abschlussfragen. Ich habe es ja gesagt,

00:37:53: jetzt geht es ins neue Schuljahr. Vielleicht möchtest du als erstes nochmal

00:37:56: ein paar Wünsche oder Tipps oder was auch immer loswerden an die Kinder,

00:38:00: an die Familien, an die Kinder.

00:38:02: Pädagogischen Fachkräfte. Für das neue Schuljahr, was wünschst du allen?

00:38:05: Naja, also ich wünsche allen viel Spaß, ehrlich gesagt. Bildung und

00:38:09: Lernen soll eigentlich auch Spaß machen, nicht nur eigentlich,

00:38:11: sondern es soll Spaß machen, wenn man nicht ein bisschen Spaß dabei hat,

00:38:14: an der Arbeit, an dem Lernen, an dem Kind in die Schule schicken,

00:38:18: dann wird das nix, also das ist das Wichtigste eigentlich. Dann wünsche ich allen auch viel Erfolg.

00:38:23: Es gibt ja viele Menschen, die gehen jetzt in die Abschlussjahrgänge auch,

00:38:26: die haben ein bisschen härteres Jahr vor sich, aber auch das kann Spaß machen.

00:38:30: Und ja, insgesamt wünsche ich den Schulen in Bremen, Bremerhaven einfach,

00:38:34: dass sie tatsächlich die Herausforderungen [unverständlich].

00:38:36: Die werden ja mehr als weniger, sprich so soziale Medien, Stichwort Krisen,

00:38:40: Stichwort Demokratie, Resilienz.

00:38:42: Das sind ja alles Sachen, die in Schulen aufladen. Damit umzugehen,

00:38:45: ist wahnsinnig schwierig.

00:38:45: Aber ich glaube, wenn eine Gemeinschaft steht und das Gefühl,

00:38:48: dass man gemeinsam irgendwie Interesse hat und eine gemeinsame Gesellschaft

00:38:51: gestaltet, ist ja auch eine ure Idee der Sozialdemokratie, dann kann daraus auch was werden.

00:38:56: Wenn jeder für sich was macht, dann wird das nix oder die gemeinsamen solidarischen

00:39:00: Handel. Das ist einfach Bildung, das ist Schule, das ist ein solidarisches System, soll es zumindest sein.

00:39:04: Das wünsche ich Ihnen ja eigentlich für das nächste Schuljahr und alle anderen

00:39:07: Schuljahrieren nachkommen. Das schließe ich nochmal kurz an mit der Flaschenpost

00:39:11: an die Zukunft. Wenn du der Zukunft eine Flaschenpost schreiben könntest,

00:39:14: was würdest du ihr schreiben, was du vermutest, wie in zehn Jahren die Bremer

00:39:18: Bildungslandschaft aussieht?

00:39:19: Also in zehn Jahren, da sind wir hoffentlich auf Platz 14, also vor Hamburg und Berlin.

00:39:26: Das wünsche ich mir mal, bis die echte Zukunft, das weiß ich nicht.

00:39:28: Aber ich wünsche mir vor allen Dingen,

00:39:30: dass, was ich vorhin sagte, dass diese Entkoppelung ein bisschen weiter gelungen

00:39:34: ist in zehn Jahren als heute, dass wir sagen, es ist egal, wo ein Kind herkommt,

00:39:38: ob es einen bürgerlichen Hintergrund hat, ob die Eltern arm oder reich sind,

00:39:41: wir führen das Kind zu einem Bildungserfolg.

00:39:43: Wenn wir da einen kleinen Schritt weiter wären und ein bisschen mehr Kinder.

00:39:46: In diese Richtung bringen, dann wäre ich schon ein riesiger Erfolg.

00:39:48: Das wünsche ich mir für die Zukunft.

00:39:49: Ganz herzlichen Dank. Danke auch für deine Zeit, Mark Rackles,

00:39:52: Kinder- und Bildungssenator hier in Bremen.

00:39:55: Und das war auch schon unsere 97. Folge von Friedrichs Flaschenpost.

00:39:59: Ich danke allen Hörerinnen und Hörern für ihre Zeit. Wir hören uns beim nächsten

00:40:02: Mal und bis dahin, wie immer, bleibt politisch. Vielen Dank.

00:40:07: Friedrichs Flaschenpost, der Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.