Folge 94 „Was tun gegen Gewalt gegen Frauen*, Anne Faltmann?"

Shownotes

Auch in diesem Jahr zum Weltfrauentag ist eines der größten Anliegen: Gewalt gegen Frauen* muss enden. Ob häusliche Gewalt, (digitales) Stalking oder sexualisierte Übergriffe: Geschlechtsspezifische Gewalt kommt in vielen Formen daher und ist weiterhin leider Alltag und nicht Ausnahme, auch in Deutschland. Was Betroffenen dieser Gewalt helfen kann, wie sie einbezogen werden können in diese Maßnahmen aber natürlich auch, wie die Gewalt selbst eingedämmt werden kann, darüber sprechen wir in unserer aktuellen Folge von Friedrichs Flaschenpost mit Anne Faltmann von der Bremer Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen arbeitet sie bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz daran, dass die von Deutschland ratifizierte Istanbul Konvention in Bremen umgesetzt wird. Dafür hat die Koordinierungsstelle auch einen Betroffenenbeirat einberufen, der aus vielfältigen Perspektiven die Maßnahmen begleitet. Im Podcast erzählt Anne Faltmann was den Betroffenenbeirat so wertvoll macht, aber auch, welche Maßnahmen Betroffenen besonders helfen können. Aber vor allem: wo wir alle ansetzen müssen, die Gewalt gegen Frauen* zu beenden. Eine Folge definitiv nicht nur für Frauen* und nicht nur für Bremer*innen!

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00:00:01: Friedrichs Flaschenpost, der Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:00:07: Moin, hallo und herzlich willkommen zur 94.

00:00:10: Folge von Friedrichs Flaschenpost. Ich bin Christine Strotmann,

00:00:13: arbeite für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Norddeutschland und darf durch die heutige Folge führen.

00:00:18: Danke, dass ihr dabei seid, liebe Hörerinnen.

00:00:21: Geografisch geht es heute nach Bremen, aber die Folge ist wirklich für alle

00:00:25: wichtig. Es geht um Gewalt gegen Frauen, wie wir diese stoppen können und wie

00:00:30: wir aber auch den Betroffenen beistehen können, solange uns das mit dem Stoppen

00:00:34: noch nicht gelungen ist.

00:00:35: Das Thema ist nicht nur rings um den Frauentag relevant, sondern leider,

00:00:40: muss ich sagen, wirklich immer.

00:00:42: Die kürzlich erschienene sogenannte

00:00:44: LeSuBiA-Studie, das ist eine Dunkelfeldstudie, zur Lebenssituation,

00:00:49: Sicherheit und Belastung im Alltag, die das Bundesfamilienministerium,

00:00:53: das Bundesinnenministerium und das Bundeskriminalamt gemeinsam herausgegeben haben.

00:00:58: Die ergab beispielsweise, dass 18 Prozent der Frauen in Deutschland in ihrem

00:01:03: Leben bereits Gewalt innerhalb einer Partnerschaft oder durch Ex-PartnerInnen erlebt haben.

00:01:08: Über 60 Prozent der Frauen in Deutschland sind in ihrem Leben schon mal sexuell

00:01:13: belästigt worden und fast jede fünfte Frau in Deutschland hat bereits einen

00:01:17: sexuellen Übergriff erlebt.

00:01:19: Hinzu kommen natürlich leider noch sehr viele andere Formen von Gewalt.

00:01:23: Es gibt psychische Gewalt, Gewalt im digitalen Raum, das sogenannte Stalking

00:01:27: und sexuelle Übergriffe in Verbindung mit sedierenden Drogen und oder sogenannten K.O.-Tropfen.

00:01:34: Die Liste ist leider sehr, sehr lang.

00:01:37: Die einzig gute Nachricht ist, wir müssen dieser Gewalt nicht tatenlos zusehen.

00:01:41: Politisch und gesellschaftlich kann einiges unternommen werden,

00:01:44: um Betroffenen dieser Gewalt beizustehen und die Gewalt immer weiter einzudämmen.

00:01:48: Darüber spreche ich heute mit meinem Gast Anne Faltmann. Herzlich willkommen, liebe Frau Faltmann.

00:01:53: Herzlichen Dank für die Einladung, Frau Strotmann. Ich darf Sie noch einmal

00:01:57: ganz kurz vorstellen für die Gäste und Gästinnen, für die Hörerinnen,

00:02:02: die Sie vielleicht noch nicht kennen.

00:02:03: Anne Faltmann arbeitet in der Landeskoordinierungsstelle der Istanbul-Konvention

00:02:08: bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen- und Verbraucherschutz in Bremen.

00:02:13: Dort ist sie mit ihren Kolleginnen gemeinsam zuständig für den Bremer Landesaktionsplan

00:02:18: zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, über den wir auf jeden Fall sprechen werden.

00:02:22: Aber auch für die Arbeit mit dem Bremer Betroffenenbeirat zur Istanbul-Konvention

00:02:27: und ganz grundsätzlich mit dem Thema Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt betraut.

00:02:33: Frau Faltmann, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen.

00:02:36: Vielleicht steigen wir noch mal ein bisschen niedrigschwelliger ein.

00:02:39: Vielleicht holen Sie uns noch ein bisschen ab mit Ihrer Expertise.

00:02:42: Was ist denn eigentlich genau geschlechtsspezifische Gewalt und wo findet die statt?

00:02:47: Ja, geschlechtsspezifische Gewalt, das ist ein Fachausdruck,

00:02:51: den wir benutzen für Gewalt, die gegen eine Frau gerichtet ist,

00:02:54: weil sie eine Frau ist oder die Frauen unverhältnismäßig stark betrifft.

00:02:59: Das ist eine Gewaltform, die tief in den Strukturen, Normen und sozialen und

00:03:03: kulturellen Werten unserer Gesellschaft, aber auch weltweit beobachten wir das,

00:03:08: verwurzelt ist und ist häufig von einer Kultur des Leugnens und Schweigens aufrechterhalten.

00:03:13: Jede dritte Frau in Europa hat seit dem 15. Lebensjahr mindestens einmal Gewalt erlebt.

00:03:18: Wir haben auch gerade schon andere Zahlen gehört. Es ist also gar kein Randphänomen,

00:03:23: sondern es betrifft Frauen und darüber hinaus, wie die Istanbul-Konvention definiert,

00:03:28: eben auch und ganz insbesondere andere Menschen, Geschlechtsidentitäten,

00:03:33: die sich außerhalb des binären Geschlechtssystems bewegen,

00:03:37: also Transmenschen, Intermenschen, nicht-binäre Agenda, Personen.

00:03:40: Und es ist eine Menschenrechtsverletzung, Gewalt gegen Frauen und sie findet

00:03:46: in der Regel in Partnerschaften oder Ex-Partnerschaften statt.

00:03:50: Meist zu Hause hinter verschlossenen Türen. Daher kommt auch dieser Begriff

00:03:54: häusliche Gewalt, unter dem

00:03:55: wir vielleicht geschlechtsspezifische Gewalt häufig hören oder verstehen.

00:04:00: Also zu Hause ist für viele Frauen in Deutschland tatsächlich schlimmerweise der unsicherste Ort.

00:04:06: Natürlich findet Gewalt auch im öffentlichen Raum statt und Sie erwähnten eben

00:04:11: digitale Gewalt, also Gewalt im Netz, die deutlich zunimmt in den letzten Jahren.

00:04:16: Dort findet auch geschlechtsspezifische Gewalt statt.

00:04:19: Sie haben es jetzt schon gesagt, Partnerschaftsgewalt in Partnerschaften oder

00:04:24: Ex-Partnerschaften ist ein ganz häufiger Fall.

00:04:27: Von wem geht denn sonst noch Gewalt gegen Frauen aus? Wer sind die größten Täterinnengruppen?

00:04:32: Ja, also was wir wissen ist, dass TäterInnen und Betroffene in allen gesellschaftlichen

00:04:37: Schichten zu Hause sind, in allen Altersgruppen, in allen Milieus,

00:04:41: in allen Bildungsschichten und wir können genau sagen, wer besonders gefährdet

00:04:45: ist, Gewalt zu erfahren,

00:04:47: nämlich insbesondere Menschen auf color, auf marginalisierten Gruppen,

00:04:51: nicht binäre Personen, wie eben erwähnt Frauen eben.

00:04:54: Aber wer besonders häufig Gewalt ausübt, dazu ist eigentlich nur ein Merkmal

00:05:00: klar definiert und das ist Männlichkeit tatsächlich.

00:05:03: Während es selbstverständlich auch weibliche Täterinnen gibt.

00:05:06: Ist es aber doch so, dass gesamtgesellschaftliche Strukturen und Rollenbilder

00:05:11: die Gewalt ja begünstigen und gewaltvolle Verhaltensmuster sind, stellen wir fest.

00:05:16: Und das ist in der Kriminologie ja übergreifend bei Straftaten,

00:05:20: aber insbesondere bei geschlechtsspezifischer Gewalt so. Also das sind mehrheitlich

00:05:24: Männer, die solche Verhaltensmuster erlernen.

00:05:27: Laut PKS, also der polizeilichen Kriminalstatistik, die Zahlen erfasst zu Straftaten

00:05:33: in der Kriminologie für Deutschland,

00:05:35: aber auch für die einzelnen Bundesländer liegen konstant diese Werte von männlicher

00:05:41: Gewalt gegen Frauen bei rund 80 Prozent.

00:05:44: Wow. Ja, vielen Dank, dass Sie uns schon mal abgeholt haben,

00:05:47: dass wir schon mal ein bisschen mehr auch über die Täter wissen.

00:05:49: Aber viel wichtiger sind natürlich auch die Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt.

00:05:54: Was würden Sie sagen, brauchen die von der Gesellschaft, von uns?

00:05:59: Ja, Betroffene brauchen unsere

00:06:01: Handlung als Gesellschaft, als Politik in unterschiedlichen Feldern.

00:06:05: Und die sind in der Istanbul-Konvention auch ganz klar wichtig.

00:06:08: Benannt und in einzelne Maßnahmen und Schritte unterteilt.

00:06:13: Betroffene brauchen Prävention, also das Vorbeugen von Gewalt.

00:06:17: Sie brauchen Schutz und Unterstützung.

00:06:19: Sie brauchen eine angemessene Ermittlung und Strafverfolgung und sie brauchen

00:06:24: politisch übergreifende Maßnahmen, die eine koordinierte Strategie zugrunde

00:06:29: legen für alle Handlungen, die unternommen werden gegen geschlechtsspezifische Gewalt.

00:06:34: Also wenn ich das konkret schildern sollte, würde ich sagen,

00:06:39: weil als präventive Maßnahme ist wichtig,

00:06:41: dass die Lage von Betroffenen und die Not von geschlechtsspezifischer Gewalt

00:06:47: erkannt wird, dass sensibilisiert wird für die Folgen von Gewalt und dass Schritte

00:06:51: unternommen werden, um sie zu stoppen.

00:06:53: Dazu gehört Bewusstseinsbildung, aber eben auch umfassende Fortbildung in ganz

00:06:58: verschiedenen Bereichen, Berufsgruppen, die mit Betroffenen zu tun haben.

00:07:03: Dann natürlich Schutz und Unterstützung, also Beratungsmaßnahmen,

00:07:07: nicht nur das Hilfetelefon, sondern auch Beratung vor Ort, Hilfe und Unterstützung,

00:07:11: psychosoziale Angebote, psychosoziale Prozessbegleitung, sollte ein Fall geschlechtsspezifischer

00:07:18: Gewalt vor Gericht verhandelt werden.

00:07:19: Es braucht Ermittlungen und Strafverfolgung, die Gerechtigkeit verspricht,

00:07:25: also den Frauen Glauben schenkt bei Anzeigenerstattung, das Erkennen der Problematik

00:07:30: bei Gerichten und Staatsanwaltschaft fördert.

00:07:33: Sodass verstanden wird, welche Dynamik Gewaltgeschehen zugrunde liegt und in

00:07:39: welcher Situation die Frauen sich befinden.

00:07:40: Und um könnte man sagen, Betroffene brauchen, dass ihre Rechte und Bedarfe in

00:07:45: den Mittelpunkt aller Überlegungen gestellt werden.

00:07:47: Und das fordert die Istanbul-Konvention auch ganz klar.

00:07:51: Dann lassen Sie mich da doch nochmal einsteigen für diejenigen,

00:07:54: die jetzt vielleicht nicht Fachleute sind.

00:07:56: Was ist denn eigentlich die Istanbul-Konvention und was hat die mit uns zu tun?

00:08:00: Die Istanbul-Konvention ist das Europaratsabkommen gegen Gewalt an Frauen zur

00:08:04: Verhütung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt.

00:08:09: Wobei die Istanbul-Konvention, wie sie es benannt, nach Gewalt an Frauen,

00:08:14: legt aber auch ein Geschlechtsverständnis zugrunde, das Inter-Trans-Personen,

00:08:20: nicht-binäre Personen mit meint, also mit versteht.

00:08:25: Sie versteht also unter geschlechtsgesellschaftlich geprägte Rollen und Verhaltensweise,

00:08:29: Tätigkeiten und Merkmale nicht nur ein biologisches Geschlecht.

00:08:32: Und dahingehend ist sie sehr fortgeschritten. Sie bezeichnet.

00:08:36: Sagt auch, dass vulnerable Gruppen und intersektionale Betroffenheiten insbesondere

00:08:41: beachtet werden sollen und das Betroffenenrechte zentral ist.

00:08:45: Dazu sagte ich eben, das muss in den Mittelpunkt aller Überlegungen gestellt werden.

00:08:48: Das ist für uns auch eine ganz wichtige Maßgabe in unserer Arbeit.

00:08:52: Sie besagt, dass die Zivilgesellschaft mit einzubeziehen ist und sie richtet

00:08:55: auch Forderungen an Medienöffentlichkeit und Privatsektor.

00:09:00: Insofern ist sie sehr umfassend und erfordert tatsächlich nicht nur Maßnahmen

00:09:04: von Behörden, sondern von jeder in dieser Gesellschaft.

00:09:08: Und ganz wichtig ist auch noch zu beachten, das klingt ja so ein bisschen nach ausländischem Recht.

00:09:13: Immer wieder hört man es mal, Istanbul-Konvention, sie heißt so,

00:09:16: weil sie in Istanbul zunächst unterschrieben wurde.

00:09:19: Sie ist aber geltendes Recht. Also mit der Ratifizierung verpflichten sich Staaten, sie umzusetzen.

00:09:25: Und in Deutschland ist sie seit 2018 geltendes Recht. Vielen Dank,

00:09:29: dass Sie uns da nochmal abgeholt haben.

00:09:31: Ich habe mich ein bisschen gefragt, also wir haben ja auch wirklich,

00:09:34: das sind ja massive Zahlen, die ich ja auch vorhin schon mal kurz angeschnitten

00:09:38: habe und also sehr, sehr viele Frauen oder Flinter, vielleicht um das ein bisschen

00:09:43: inklusiver zu benennen,

00:09:45: sind betroffen von dieser geschlechtsspezifischen Gewalt.

00:09:49: Das heißt aber ja automatisch auch, dass es ein Thema ist, das weit in die Gesellschaft

00:09:53: reinragt, das eigentlich die ganze Gesellschaft beschäftigt,

00:09:57: beschäftigen sollte, betrifft auf jeden Fall.

00:10:00: Was wissen wir denn über den gesamtgesellschaftlichen Schaden durch diese Art von Übergriffe?

00:10:05: Ja, also zunächst ergibt sich natürlich der Handlungsauftrag in dem Bereich,

00:10:09: ganz klar aus dem Menschenrecht auf ein gewaltfreies Leben.

00:10:12: Aber wir wissen auch, und dazu gibt es Studienlagen, dass wenn man die Kosten

00:10:16: in Betracht zieht, die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt auch wirtschaftlich geboten ist.

00:10:22: Wir wissen etwa, dass direkte und indirekte Kosten in Deutschland etwa 54 Milliarden Euro jährlich sind.

00:10:29: Verursachen. Allein Partnerschaftsgewalt etwa 28 Milliarden Euro jährlich.

00:10:34: Das ist jetzt eine Schätzung des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen.

00:10:38: Es gibt aber auch weitere Studien, etwa die sogenannte Kienbaum-Studie für Deutschland

00:10:42: und die unterteilen eben direkte Kosten in Kosten, die ausgerechnet bei der Polizeiberatungsstelle

00:10:49: medizinischer Behandlung von Betroffenen auftritt.

00:10:51: Aber natürlich auch, und das ist nicht zu unterschätzen aus betroffenen Sicht.

00:10:56: Indirekte Kosten, nämlich langfristige Einkommensverluste, gesundheitliche Spätfolgen,

00:11:01: die durch Gewalterfahrungen auftreten.

00:11:04: Da gibt es Schätzungen, dass Einbußen beim Arbeitseinkommen an die 20 Prozent

00:11:09: liegen im Schnitt bei Gewalterfahrungen und dass ein Anstieg im Bedarf an Sozialleistungen

00:11:15: von über 40 Prozent vorliegt.

00:11:17: Und bei all den Zahlen darf man ja nicht vergessen, dass hinter jeder Zahl ein

00:11:21: Einzelschicksal steht.

00:11:23: Und so gravierend wie Gewalt in den Lebenslauf einschneidet,

00:11:27: sind eben sowohl die wirtschaftlichen Folgekosten wie auch das menschliche

00:11:32: Gebot da sehr hart gegen vorzugehen. Ich verstehe.

00:11:37: Sie arbeiten ja auch schon ein bisschen länger in dem Feld.

00:11:40: Wie entwickeln sich die Fallzahlen? Gibt es sowas wie Trends?

00:11:44: Was wissen wir überhaupt?

00:11:45: Von wem wissen wir überhaupt, wenn diese Gewalterfahrungen stattfinden?

00:11:49: Ich hatte ja am Anfang auch die Dunkelfeldstudie angeführt. Was wissen wir darüber?

00:11:56: Ja, wir wissen ein bisschen über das Hellfeld der Gewalt.

00:12:00: Etwa veröffentlichtes BKA und das Bundesministerium jährliche Bundeslagebilder,

00:12:06: geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichteter Straftaten.

00:12:09: Die steigen eigentlich seit Jahren und für das Jahr 2024 haben die letzten veröffentlichten

00:12:15: Zahlen zusammengefasst, dass Straftaten gegen Frauen und Mädchen weiter zunehmen

00:12:20: und die Partnerschaftsgewalt auf Höchststand steht.

00:12:23: Also im Jahr 2024 zählen die PKS etwa über 53.000 weibliche Opfer von Sexualdelikten

00:12:31: und im Bereich Partnerschaftsgewalt steigen die Zahlen auch kontinuierlich.

00:12:35: Da sind wir bei über 171.000 Fällen pro Jahr und das sind natürlich unfassbare

00:12:41: Zahlen. Nach wie vor, das sagte

00:12:43: ich eben schon mal, betrifft Partnerschaftsgewalt überwiegend Frauen.

00:12:46: Rund 80 Prozent der Opfer sind weiblich.

00:12:49: Und was man auch sagen kann, was rasant zunimmt, ist Gewalt im Netz, im digitalen Bereich.

00:12:55: Denn kaum eine Gewaltform ist inzwischen ausgenommen von einer digitalen Dimension.

00:13:00: Also häufig werden digitale Mittel eingesetzt, auch für stalking oder häusliche

00:13:06: Gewalt, ökonomische Kontrolle. Man denke nur an Ortungssysteme,

00:13:11: die genutzt werden, um Kontrolle und Macht über Frauen auszuüben.

00:13:16: Und insgesamt muss man eben beachten, dass das auf jeden Fall nur das Hellfeld abbildet.

00:13:21: Die Bundesministerin sagte bei der Veröffentlichung der LeSuBiA-Studie,

00:13:26: es ist so ein bisschen wie einmal die Taschenlampe ins Dunkel halten.

00:13:30: Diese Dunkelfeld-Studie hat ja bestätigt, dass besonders Frauen und Personen

00:13:34: mit Migrationshintergrund und Angehörige der LSBTIQ-Community überdurchschnittlich

00:13:40: häufig von Gewalt betroffen sind.

00:13:42: Und sie haben auch gezeigt, dass innerhalb von Ex-Partnerschaften die Anzeigequoten

00:13:47: psychischer und körperlicher Gewalt sogar weit niedriger liegen,

00:13:51: als wir das vorher angenommen hatten. Nämlich bei unter 5 Prozent.

00:13:55: Das heißt, das Dunkelfeld, wenn unter 5 Prozent der Fälle zur Anzeige kommen.

00:14:01: Ist wirklich wahnsinnig groß und betrifft es wirklich deutlich größer als angenommen bisher.

00:14:07: Ja, vielen Dank für diese Bestandsaufnahme.

00:14:10: Die ist natürlich frustrierend. Das hatte ich auch so anmoderiert. Das ist ja klar.

00:14:15: Ich würde gerne einen kleinen Cut machen, bevor wir gleich mal darüber sprechen, was man denn tun kann.

00:14:21: Denn um das zu bereden, vor allem haben wir uns ja heute verabredet.

00:14:25: Wir spielen unser Spiel Friedrich fragt. Ich stelle Ihnen sehr einfache Entweder-oder-Fragen.

00:14:31: Also es ist dasselbe Prinzip wie Kaffee oder Tee und Sie beantworten die auch spontan bitte.

00:14:37: Frau Faltmann, sind Sie lieber am Meer oder in den Bergen?

00:14:40: Am Meer. Mögen Sie lieber Kaffee oder Tee? Guten Kaffee. Und wenn Sie die Wahl

00:14:44: haben, eine Talkshow zu schauen oder einen Podcast zu hören, was wählen Sie?

00:14:47: Ich wähle den Podcast tatsächlich. Sehr schön, dann sind Sie hier richtig.

00:14:51: Wenn Sie abends mal Zeit zum Lesen haben, ich weiß, das haben wir alle nicht

00:14:56: so oft, aber ist das dann eher ein Sachbuch oder ein Roman?

00:14:59: Ja, tatsächlich eher ein Mix, würde ich sagen. Ich lese sehr gerne Romane,

00:15:03: aber häufig hat das dann doch so einen Arbeitsbezug, sage ich mal.

00:15:06: Mara Kefahlwinkel etwa, eines der letzten Bücher.

00:15:11: Und jetzt eine sehr gemeine Fangfrage. Wenn Sie auswählen dürften,

00:15:15: welcher der beiden Tage ein bundesweiter Feiertag wird im Sinne von er wird

00:15:19: frei, arbeitsfrei, wäre das der Weltfrauentag am 8.

00:15:23: März oder der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25.

00:15:29: November? Ich würde den 8. März wählen, weil ich glaube, dass er größer im kollektiven

00:15:34: Bewusstsein ist und auch von dem Thema Gewalt gegen Frauen definitiv mit eingenommen

00:15:40: ist. Okay, herzlichen Dank.

00:15:42: Da bin ich ganz bei Ihnen. Der 8. März immer frei und nicht nur in diesem Jahr.

00:15:45: Das wäre eine gute Sache.

00:15:47: Wir wollen nochmal ein bisschen auf die Arbeit der Landeskoordinierungsstelle schauen.

00:15:51: Sie hatten uns jetzt schon erklärt, was die Istanbul-Konvention ist und natürlich

00:15:55: muss die umgesetzt werden.

00:15:56: Sie haben es gesagt, Deutschland hat die Istanbul-Konvention ratifiziert.

00:15:59: Das heißt, das ist für uns nationales Recht und was darin steht und gemeinsam

00:16:03: ja auch verabredet wurde, das muss ergo auch umgesetzt werden.

00:16:06: Was macht denn dann die Landeskoordinierungsstelle in Bremen dazu?

00:16:09: Ja, unsere Aufgabe in der Landeskoordinierungsstelle für das Land Bremen liegt

00:16:14: in der fachlichen Koordinierung, in der Koordinierung der Umsetzung,

00:16:18: der Beobachtung und der Bewertung der politischen und anderer Maßnahmen in Bezug

00:16:22: auf alle von der Istanbul-Konvention erfassten Formen von Gewalt, die ja eine Reihe sind.

00:16:28: Wir sind zuständig für Datensammlung und Analyse und wir sind in gemeinsamer

00:16:33: Federführung mit der Zentralstelle der Landesbrauenbeauftragten in Bremen

00:16:38: zuständig gewesen für die Erstellung einer Gesamtstrategie zur Umsetzung der

00:16:43: Istanbul-Konvention, dem sogenannten Landesaktionsplan für das Land Bremen.

00:16:48: Und in der Folge ist natürlich wichtig, dass dieser Landesaktionsplan,

00:16:54: dessen Umsetzung in der Hände vieler federführender Ressorts liegt.

00:16:58: Auch koordiniert wird. Dafür sind wir zuständig.

00:17:01: Wir berufen eine übergreifende, ressortübergreifende Arbeitsgruppe ein.

00:17:06: Wir schauen, dass wir alle Ressorts in die Prozesse einbeziehen,

00:17:09: die Ergebnisse gemeinsam bewerten, bündeln.

00:17:11: Wir sind zuständig an die Berichterstattung, an Senat und Bürgerschaft,

00:17:16: die eng verfolgen, wie uns die Umsetzung der Istanbul-Konvention für das Land Bremen gelingt.

00:17:22: Und schließlich und nicht zuletzt sind wir auch für Öffentlichkeitsarbeit und

00:17:26: Transparenz gegenüber der Zivilgesellschaft zuständig.

00:17:29: Wie kam es denn zur Gründung dieser Landeskoordinierungsstelle?

00:17:32: Ist das einmalig in Deutschland? Hat das jedes Bundesland? Und wie stelle ich mir das vor?

00:17:36: Ja, das ist tatsächlich gar nicht mehr einzigartig. Es ist wunderbar,

00:17:40: dass innerhalb von Deutschland in den letzten Jahren in allen Bundesländern

00:17:44: Koordinierungsstellen eingerichtet wurden.

00:17:46: Mit denen sind wir auch im Fachaustausch. Es gibt auch eine Koordinierungsstelle im Bund.

00:17:51: Das ist ein bisschen neuer und auch das ist sehr begrüßenswert.

00:17:55: Und wir hatten hier in Bremen das Glück, dass sehr früh, fraktionsübergreifend,

00:18:00: Und der Beschluss gefasst wurde in der Bremer Bürgerschaft, eine Koordinierungsstelle einzurichten.

00:18:06: Und dass wir somit seit 2020 schon in dem Bereich vorbereiten und unter Einbezug

00:18:12: verschiedener Akteurinnen diesen Landesaktionsplan, den ich eben erwähnte.

00:18:16: Frühzeitig auf den Weg bringen konnten.

00:18:18: Er ist tatsächlich jetzt schon

00:18:19: abgeschlossen, der erste von 2022 bis Ende 2025 lief die Umsetzung vor.

00:18:26: Und ja, sogar in einigen Kommunen gibt es Koordinierungsstellen zur Umsetzung

00:18:31: der Istanbul-Konvention.

00:18:32: Insofern sind wir ein gutes Netzwerk an Menschen, die in diesem Bereich engagiert sind.

00:18:38: Sie haben gesagt, ein Landesaktionsplan, der erste lief von 22 bis 25.

00:18:44: Was ist denn da genau drin? Worum geht es da?

00:18:48: Wir haben diesen Landesaktionsplan sehr eng an der Istanbul-Konvention orientiert

00:18:53: und Maßnahmen in allen Handlungsfeldern, also Prävention, Schutz und Unterstützung.

00:18:58: Übergreifende politische Maßnahmen und Ermittlungen und Strafverfolgung festgelegt

00:19:03: für fast alle in der Istanbul-Konvention benannten Gewaltformen.

00:19:08: Und diese Maßnahmen, es sind 75 insgesamt gewesen,

00:19:12: Wir bilden eine Gesamtstrategie, um Frauen, Intertrans und nicht-binäre Personen

00:19:17: und auch Kinder oder in Haushalten auch mit betroffene Kinder besser vor Gewalt zu schützen.

00:19:23: Ja, dieser Landesaktionsplan kann nur in enger Zusammenarbeit mit der ZGF und

00:19:28: der zivilgesellschaftlichen Akteurin der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten

00:19:32: in Bremerhaven und mit einer Koordinierungsstelle,

00:19:35: die wir auch in Bremerhaven innerhalb des Landesaktionsplans einrichten konnten, umgesetzt werden.

00:19:40: Insofern haben wir da mit ganz vielen Stellen zu tun, die gemeinsam diese Strategie

00:19:45: tragen und zu ihrem Erfolg beitragen.

00:19:48: Ja, dann vielen Dank, dass Sie uns auch da nochmal abgeholt haben.

00:19:52: Ich würde noch ein bisschen über Ihre konkrete Arbeit sprechen.

00:19:55: Also natürlich eine Landeskoordinierungsstelle, die koordiniert.

00:19:58: Aber wie stelle ich mir das vor?

00:19:59: Was machen Sie und Ihre Kolleginnen da den Tag lang?

00:20:04: Also wir sind im Stabsbereich Frauen angedockt bei der Senatorin für Frauen in Bremen.

00:20:10: Und die Landeskoordinierungsstelle ist Teil dieses Stabsbereiches.

00:20:15: Ja, was machen wir genau?

00:20:17: Also wir behalten fachliche Entwicklungen im Blick,

00:20:22: sind da im engen Austausch mit unterschiedlichen Stellen hier in Bremen,

00:20:26: insbesondere natürlich mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren,

00:20:30: mit denen wir auch regelmäßig in Arbeitsgruppen zusammenkommen.

00:20:34: Also es ist eine sehr interdisziplinäre Arbeit.

00:20:36: Wir arbeiten häufig in Arbeitsgruppen gemeinsam.

00:20:40: Haben regelmäßige Jourfixe, die einander

00:20:43: in Kenntnis setzen mit den unterschiedlichen Ressorts und Stellen,

00:20:47: die zuständig sind oder auch in anderen Kontexten geschlechtsspezifischer Gewalt

00:20:53: etwa für mitbetroffene Kinder arbeiten.

00:20:55: Und wir bereiten dann Berichte vor,

00:21:00: Abfragen, Statusabfragen über das, was wir in unserem Landesakzeptionsplan vorgesehen

00:21:06: haben, wie ist uns das gelungen, sodass wir regelmäßig sagen können,

00:21:11: wie wir vorankommen in der Umsetzung.

00:21:15: Wir koordinieren jetzt seit schon einem Jahr langsam den Fortschreibungsprozess

00:21:20: für den Landesaktionsplan.

00:21:21: Also auch das ist ein sehr umfassender Prozess, wo viele Stellen mit einbezogen

00:21:25: sind, um zu schauen, welche Lücken können wir denn im nächsten Schritt füllen.

00:21:31: Wir berichten, also schreiben Berichte für die Webseite. Bremen sagt nein.

00:21:35: Wir verantworten runde Tische und Fachveranstaltungen, die wir fachlich konzipieren,

00:21:40: aber dann natürlich auch organisatorisch umsetzen müssen.

00:21:45: Und nicht zuletzt haben wir auch die Geschäftsführung des Bremer Betroffenenbeirats

00:21:50: zur Umsetzung der Istanbul-Konventionen.

00:21:52: Das ist ja tatsächlich sehr, sehr viel. Was bringt Ihnen denn am meisten Freude

00:21:57: bei der Arbeit oder motiviert Sie am meisten?

00:21:59: Schön an der Arbeit in der Landeskoordinierungsstelle ist die Vielseitigkeit.

00:22:03: Wir wissen, dass wir etwas bewirken können an der Schnittstelle von Politik,

00:22:07: Zivilgesellschaft und Wissenschaft.

00:22:08: Es ist eine Zusammenarbeit, die viel auf gemeinsamen Engagement beruht und was

00:22:14: auch sehr schön ist, finde ich,

00:22:16: dass sie verschiedene Ebenen hat und adressiert auch, also sowohl die kommunale

00:22:22: für Breiv, die Stadt Bremen und die Stadt Bremerhaven, wie aber auch die Landesebene natürlich,

00:22:27: die Bundesebene, aber auch europäische Ebene.

00:22:30: Etwa bekommen wir jetzt im April Besuch von GREVIO, der Expertinnenkommission

00:22:35: des Europarats, zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, den wir dann berichten.

00:22:40: Wir sind mit dem Bund im Austausch und liefern Daten für deren Monitoring zum

00:22:46: Thema geschlechtsspezifische Gewalt.

00:22:48: Wir beziehen wissenschaftliche Erkenntnisse und aktuelle Daten ein in unsere Arbeit.

00:22:54: Wir stimmen uns fachlich ab mit bundesweiten Netzwerken. Das macht alles viel Spaß.

00:22:58: Es ist auch schön, dass wir ressortübergreifend und interdisziplinär arbeiten

00:23:03: können, etwa auch auf Fachtagen aktuelles Wissen und Erkenntnisse aus unterschiedlichen

00:23:08: Bereichen zusammentragen.

00:23:09: Im Herbst haben wir einen Fachtag gehabt zwischen Klicks und Konsens,

00:23:13: digitale Mündigkeit durch sexuelle Bildung.

00:23:15: Da sind etwa Erkenntnisse zur Prävention sexualisierter Gewalt im Netz zusammengeflossen

00:23:21: aus den Bereichen innere Sicherheit, Polizeibildung und unserer Stelle.

00:23:27: Sodass da einfach eine Verzahnung von Maßnahmen und von Erkenntnissen stattfindet.

00:23:34: Und das ist, finde ich, eine sehr lohnenswerte Arbeit.

00:23:38: Und nicht zuletzt ist dieses Pilotprojekt Betroffenenbeirat,

00:23:42: in der wir direkt unsere Arbeit immer wieder auch rückkoppeln mit dem,

00:23:46: was Menschen nicht nur in der fachlichen

00:23:49: Praxis, sondern auch Menschen mit Erfahrungswissen zu berichten haben,

00:23:53: ein sehr freudebringender Aspekt meiner Arbeit.

00:23:57: Vielen Dank. Auf den Betroffenenbeirat müssen wir auf jeden Fall noch ausführlicher

00:24:01: eingehen. Ich will aber kurz nochmal zurückgehen auf vorige Woche.

00:24:04: Da haben Sie ja berichtet sozusagen über den Umsetzungsstand des Landesaktionsplans

00:24:08: zur Umsetzung der Istanbul-Konvention.

00:24:11: Sie hatten es auch gesagt, Sie haben da Projekte, also sehr viele Projekte auch

00:24:14: angelehnt an die Istanbul-Konvention und die Felder, die da genannt sind.

00:24:18: Sie haben jetzt, ich glaube, 71 von insgesamt 75 umgesetzt und dann vorgestellt.

00:24:24: Was heißt denn das konkret und gibt es vielleicht aus diesen enorm vielen Projekten

00:24:28: welche, die Sie auch so als besonders gute Beispiele herausstellen würden?

00:24:32: Ja, es gibt natürlich in diesen 75 Maßnahmen größere und kleinere Maßnahmen.

00:24:38: Nicht alles sind Projekte, die vollständig abgeschlossen wurden.

00:24:42: Manche werden eben fortgeführt oder haben einzelne Aspekte von laufenden Maßnahmen

00:24:48: zugrunde gelegt. Wir haben etwa ein verbindliches, einheitliches Risikomanagement

00:24:54: eingeführt im Rahmen dieses Landesaktionsplans.

00:24:57: In Bremerhaven finden auch Fallkonferenzen statt im Rahmen dieses Risikomanagements,

00:25:02: also in sehr gefährdeten Fallkonstellationen.

00:25:05: Gibt es eine enge Zusammenarbeit von Polizei, Justiz, Fachberatungsstellen und Frauenhaus.

00:25:10: Das ist eine ganz tolle Entwicklung. Wir haben eine Gewaltschutzambulanz eingerichtet,

00:25:15: die seit 2024 rechtsmedizinische Untersuchungen, Spurensicherung und Case Management

00:25:20: bietet und möchten dieses Angebot auch ausbauen.

00:25:24: Aktuell ist in Bremerhaven vor Ort schon ein ähnliches Angebot aufgebaut worden.

00:25:29: Wir haben Qualitätsstandards für Gewaltschutzkonzepte entwickelt für unterschiedliche

00:25:34: Bereiche, Menschen in Einrichtungen mit Behinderungen,

00:25:37: Menschen in geflüchteten Unterkünften, aber auch in Schulen und Kitas gibt es

00:25:41: Gewaltschutzkonzepte, teils auch mit Überprüfungsmechanismen und Strukturen

00:25:46: für Gewaltschutz- und Frauenbeauftragte verankern können.

00:25:51: Im Bereich Prävention ist zum Beispiel auch die Medienbildung zu nennen,

00:25:56: die Kompetenzen im Netz zur Prävention digitaler Gewalt vermittelt,

00:25:59: wie etwa auch ein Projekt zur digitalen Selbstverteidigung in Bremerhaven, das aufgebaut wurde.

00:26:05: Wir haben ein Angebot für Täterarbeit geschaffen, das ein an den Standards der

00:26:11: BAG Täterarbeit häusliche gewaltorientiertes Angebot ist.

00:26:14: Das war uns sehr wichtig, um die Qualität der Angebote für Täter im Land zu verbessern.

00:26:21: Es gibt einen Dolemtscherdienst für alle Stellen, die mit betroffenen Tätern

00:26:25: und Angehörigen geschlechtsspezifischer Gewalt arbeiten. Es gibt viele Maßnahmen

00:26:29: zur Stärkung der intersektionalen Perspektive.

00:26:32: Es gibt eine neue Broschüre, die Handlungssicherheit vermittelt in Fällen von

00:26:36: Female Genital Mutilation und Cutting.

00:26:38: Und nicht zuletzt gibt es eben übergreifende Maßnahmen wie die Einrichtung der

00:26:42: Landeskoordinierungsstelle,

00:26:44: die gesichert werden konnte, wie auch der Betroffenenbeirat,

00:26:48: der ursprünglich ein Pilotprojekt war mit Mitteln aus dem Bundesinnovationsprogramm

00:26:54: Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen,

00:26:56: das wir aber hier verstetigen konnten. Dank des Einsatzes unserer.

00:27:00: Frau Senatorin, vielen Dank. Ja, dann erzählen Sie doch noch ein bisschen vom Betroffenenbeirat.

00:27:05: Sie haben gerade gesagt, es war ein Pilotprojekt. Warum haben Sie den in Bremen denn eingesetzt?

00:27:10: Vielleicht auch, was ist einzigartig daran oder was ist oder war neu daran?

00:27:14: Und wie funktioniert diese Zusammenarbeit? Also die betroffenen Perspektive

00:27:20: ist im Prinzip ein fachlich sehr übergreifender Konsens, dass es gilt,

00:27:24: die einzubeziehen in der Umsetzung der Istanbul-Konvention.

00:27:28: Wir haben nur festgestellt, jetzt rückblickend, offenbar ist das gar nicht so einfach.

00:27:33: Und inzwischen wissen wir natürlich auch, warum haben sie unsere Erfahrungen gemacht.

00:27:38: Aber es ist nichtsdestotrotz ein ganz elementarer Bestandteil unserer Arbeit.

00:27:42: Denn, wie schon gesagt, verlangt ja die Istanbul-Konvention.

00:27:46: Dass wir die Bedarfe und die Rechte von Betroffenen in den Mittelpunkt aller Aktivitäten stellen.

00:27:53: Und wie will man das denn messen, wenn man die Betroffenen nicht fragt?

00:27:57: Und insofern ist es für uns sozusagen ein großes Qualitätsmerkmal,

00:28:03: das wir strukturiert eingebunden haben, auf diese Betroffenenperspektive immer wieder zu hören.

00:28:09: Und die Idee ursprünglich, die hat natürlich auch Vorbilder.

00:28:14: Wir haben da das Rad nicht neu erfunden. Es gibt einen Betroffenenrat bei der

00:28:18: unabhängigen Beauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch.

00:28:21: Und wir hatten das Glück, dass in Bremen eine ehemalige Betroffenenrätin uns

00:28:26: begleitet hat und beraten hat bei der Einrichtung unseres Beirats.

00:28:30: Aber es gibt natürlich auch den Einbezug von Expertinnen aus Erfahrung in der

00:28:33: Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention etwa, also auch andere Bereiche,

00:28:37: denen das schon mehr Gang und Gäbe ist.

00:28:40: Tatsächlich sind wir aber bis jetzt noch der einzige Betroffenen oder haben

00:28:44: den einzigen Betroffenenbeirat zur Umsetzung der Istanbul-Konvention,

00:28:48: also Betroffene, Erwachsene, Betroffene von unterschiedlichen Gewaltformen.

00:28:54: Geschlechtsspezifischer Begründung.

00:28:55: Und dieser ist ganz elementar mit eingebunden in alles, was wir tun.

00:29:00: Also jeden Schwerpunkt auf einem runden Tisch kommentiert der Betroffenenbeirat.

00:29:05: Jeden Fortschrittsbericht hat er ausgewertet und Stellung genommen.

00:29:08: Und wir bekommen da ganz unschätzbare Rückmeldungen und die Versicherung,

00:29:12: dass wir an den Bedarfen der Betroffenen uns orientieren. Sie sind ja schon

00:29:16: in der, ich sag mal, zweiten Runde.

00:29:18: Also es gab einen Beirat, der bis zum Herbst letzten Jahres mitgearbeitet hat

00:29:23: und dann wurde neu berufen, also turnusgemäß neu berufen.

00:29:28: Was war denn das, was alle Beteiligten am ehesten aus dem ersten Durchgang vielleicht

00:29:32: mitgenommen haben, beziehungsweise was haben auch die Mitglieder des betroffenen

00:29:36: Beirats Ihnen mitgegeben? Ja, eine ganze Menge natürlich.

00:29:39: In allererster Linie muss ich sagen, das war uns zwar klar. Das zu erleben ist

00:29:44: aber immer noch mal was anderes.

00:29:46: Die Hochachtung einfach vor dem Einsatz jeder einzelnen Person,

00:29:49: die teils unter großen persönlichen Belastungen und natürlich der Gefahr,

00:29:53: sich immer wieder mit dem Erlebten auseinanderzusetzen,

00:29:56: mit ganz großem Engagement und ganz großem Können und wunderbarer Motivation

00:30:01: und Willenskraft sich immer wieder einsetzen für eine bessere Zukunft,

00:30:05: ja im Endeffekt von anderen Menschen.

00:30:07: Denn das sind ja alles Personen, unsere Mitglieder, die haben gewaltvolle Situationen

00:30:12: und Lebensabschnitte hinter sich gelassen und ihre Motivation ist, das nutzbar zu machen.

00:30:18: Und das kann man nicht hoch genug ansetzen und ist eben auch häufig nicht die

00:30:23: einfachste Aufgabe. habe.

00:30:25: Insofern gilt einfach der ganz große Dank an diese sehr engagierten Persönlichkeiten,

00:30:32: die das mit großer Umsicht und dann noch in einer sehr diversen Gruppe,

00:30:35: von der man sich ja vorstellen kann, das ist dann auch mal

00:30:38: Unterschiede gibt. Wir haben da Menschen, die sind von Zwangsprostitutionen

00:30:42: betroffen gewesen, von häuslicher Gewalt, von sexualisierter Gewalt,

00:30:46: von digitaler Gewalt, von FGMC.

00:30:48: Die haben sehr unterschiedliche Hintergründe und Diversität war auch ein großes

00:30:52: Kriterium für die Zusammensetzung der Gruppe.

00:30:55: Nichtsdestotrotz erfordert es natürlich einen sehr umsichtigen Umgang miteinander

00:30:59: und das gelingt ihnen sehr gut.

00:31:00: Wir haben aber auch festgestellt, dass wir da einen großen Rahmen ansetzen müssen,

00:31:05: damit ihnen das gelingt, in der sie den Raum haben, sich als Gruppe auseinanderzusetzen.

00:31:11: Denn wir stellen zum Beispiel fest, es müsste ja viel mehr Beiräte geben.

00:31:14: Das Interesse Betroffener ist sehr groß, viele Länder sind interessiert,

00:31:18: die Öffentlichkeit ist groß.

00:31:19: Sie werden viel angefragt und brauchen aber eigentlich auch den Raum,

00:31:24: um sich als Gruppe zu finden und sich den originären Aufgaben zu widmen,

00:31:28: die ja eben nur Bremen betreffen.

00:31:31: Also sie können nicht immer für die Gruppe Betroffene in ganz Deutschland sprechen

00:31:34: und werden da tatsächlich sehr häufig angefragt, weil es uns als Feinflächenland

00:31:39: eben gelungen ist, diesen Betroffenenratbeirat einzurufen.

00:31:43: Wir stellen zum Beispiel fest, dass das auch eine Krux ist, dass wir ein großes

00:31:48: öffentliches Interesse erfahren und dass die Mitglieder sehr wichtige inhaltliche

00:31:52: Arbeit leisten und die mediale Öffentlichkeit aber sehr häufig auf Einzelschicksale fokussiert ist.

00:31:58: Also genau das, was wir ja mit dem Betroffenenbeirat widerlegen und dagegen

00:32:03: arbeiten wollen, dass es als Einzelschicksal angesehen wird,

00:32:07: ob man es schafft, sich aus Gewalt zu befreien oder nicht.

00:32:10: Denn es ist ein strukturelles Problem und nicht ein privates.

00:32:14: Was sind denn bisher aus Ihrer Sicht, das ist sicherlich auch schwierig herauszugreifen,

00:32:18: aber so die wichtigsten Handlungsempfehlungen, die auch aus dem Betroffenenbeirat

00:32:21: herauskamen? Ja, da gibt es einige.

00:32:24: Also zu allen unseren Schwerpunkten haben die wichtige Aspekte beigetragen,

00:32:30: aber wir haben eben auch gelernt, was aus der Gruppe heraus selbst als Fokus gelegt wurde.

00:32:36: Da ist unter anderem zu benennen die Berücksichtigung von Gewaltfolgen,

00:32:40: also einen umfassenden Blick zu lenken auf gesundheitliche, ökonomische,

00:32:45: soziale und lebenslaufrelevante Folgen von Gewalterfahrungen.

00:32:49: Sie haben immer wieder gefordert, dass der Einbezug von Betroffenen als Expertinnen

00:32:54: auf Augenhöhe stattfindet in sämtliche sie betreffenden politischen Entscheidungen.

00:32:58: Sie fordern, dass es einen traumasensiblen Umgang mit Betroffenen gibt zur Vermeidung

00:33:03: sekundärer Viktimisierung, also dieses Wiedererleben und von außen als Opfer behandelt werden.

00:33:09: Das finden sehr viele Betroffene als stark belastend und ähnlich schlimm wie

00:33:14: die originäre Gewalterfahrung. Insofern wurden wir etwa auch sensibilisiert,

00:33:20: den Begriff Betroffene sehr konsequent zu nutzen und nicht den Opferbegriff.

00:33:25: Wir haben von Ihnen einen Schwerpunkt bekommen, dass es eine große Verschränkung

00:33:30: von Armut und Gewalt gibt, also Gewaltbetroffenheit korreliert immanent mit sozialer Isolation.

00:33:36: Wirtschaftlicher Abhängigkeit und institutionellen Barrieren,

00:33:39: die über die Trennung hinaus häufig bestehen.

00:33:41: Dazu haben die sehr umfassende Stellungnahmen angefertigt und nicht zuletzt

00:33:46: das Thema Intersektionalität war auch ein Schwerpunkt vom Betroffenenbeirat.

00:33:50: Also sie fordern einen achtsamen Umgang mit Betroffenen und bis zur Situation

00:33:55: von Personen insbesondere aus vulnerablen Gruppen.

00:33:58: Denn leider ist es so, dass besonders vulnerable Gruppen in Deutschland oft

00:34:03: auch besonders schlecht geschützt sind.

00:34:05: Ja, vielen Dank für diesen Einblick in die Arbeit auch des Betroffenenbeirats.

00:34:09: Wenn ich Sie jetzt frage, nochmal vielleicht in Bezug auf die Landeskoordinierungsstelle,

00:34:14: wo sehen Sie denn den größten Handlungsbedarf in Bremen aktuell?

00:34:18: Ja, wir hätten gerne ein umfassenderes Präventionspaket, denn da,

00:34:24: wo wir natürlich vorher ansetzen, bevor Gewalt passiert,

00:34:28: ist es besonders lohnenswert, weil wir einfach sehr viele überhaupt vor der

00:34:32: Erfahrung schützen würden.

00:34:34: Und natürlich ist das aber immer die Stelle, wo am wenigsten Mittel zur Verfügung

00:34:39: gestellt werden, denn dann ist ja das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen.

00:34:44: Also wir sehen Handlungsbedarf da deutlich auszubauen. Wir sehen auch den Handlungsbedarf,

00:34:49: Männer konkret zu adressieren.

00:34:51: Das machen wir zurzeit noch nicht in Bremen. Also natürlich auch Jungen,

00:34:55: die Gewaltopfer sind, aber in dem Zusammenhang auch problematische Männlichkeitsbilder

00:35:01: adressieren und Diskussionen über den Wert von Partnerschaften auf Grundlage

00:35:04: von echtem Konsens zu führen und dieses Thema besser zu verankern und definitiv

00:35:10: auch das Thema digitale Gewalt,

00:35:12: das ja einfach massiv größer und wichtiger wird und es gibt da keine zentrale

00:35:17: Kompetenzstelle in Bremen soweit.

00:35:20: Vielleicht noch ein bisschen den Nutzwert unseres Gesprächs auch für die Hörerinnen

00:35:24: und Hörer zu erhöhen und ich sage mal auch noch mehr ins Boot zu holen.

00:35:29: Was, wenn wir beim Thema Prävention sind, was kann denn aus Ihrer Sicht,

00:35:33: was können da Einzelne, was kann die Zivilgesellschaft auch tun,

00:35:36: um Gewalt gegen Frauen, gegen Flinte auch weiter einzudämmen?

00:35:40: Das kann natürlich die Zivilgesellschaft.

00:35:42: Ich finde eine grundlegende Erkenntnis sind eigentlich insbesondere zwei.

00:35:46: Das eine ist, häusliche Gewalt ist keine Privatsache.

00:35:49: Wir gehen in unserer Gesellschaft häufig so vor, dass das angenommen wird, aber das ist sie nicht.

00:35:55: Sie ist es eben an Menschenrecht, keine Gewalt zu Hause zu erfahren.

00:35:59: Daher nicht wegschauen, Geschehen unterbrechen, etwa klingeln nach einem Pfund,

00:36:03: Zuckerfragen, wenn man Lärm hört nebenan in der Nachbarschaft.

00:36:08: Und natürlich gilt auch da, insbesondere wenn Kinder mit im Haushalt leben,

00:36:12: sich gut informieren, um die Situation nicht zu verschärfen,

00:36:15: nicht den Täter ansprechen, sondern eher der Frau signalisieren,

00:36:18: dass man ansprechbar ist und dass man durchaus ihre Notlage wahrnimmt.

00:36:21: Es gibt beim Hilfetelefon unter der Nummer 116 016 24 Stunden am Tag Hilfe auch

00:36:27: für Angehörige, Freundinnen und Freunde.

00:36:30: Ja, also diese Frage, warum trennt sie sich nicht einfach, das ist einfach in

00:36:34: der Realität eine völlig irrelevante, denn es ist einfach keine einfache Aufgabe,

00:36:37: sich zu trennen, also keinen Druck aufbauen, sondern hinschauen.

00:36:41: Und die zweite Tatsache, finde ich, ist auch nochmal dieser Spruch von überlebenden

00:36:48: geschlechtsspezifischer Gewalt.

00:36:49: Die fordern jetzt, hört man es

00:36:51: gerade vermehrt im Zuge der Epstein-Berichterstattung, Believe Survivors.

00:36:56: Es gibt einfach keine Frau, die irgendein Fame von Gewaltvorwürfen davonzieht

00:37:01: und wir sind in unseren Vergewaltigungsmythen häufig so stark verwoben,

00:37:07: dass wir immer eine gewisse Skepsis mittragen und das merken die und das macht

00:37:11: die Gewalt, die sie erfahren und die sekundäre Gewalt, die sie auch empfinden, eben viel schlimmer.

00:37:18: Also Solidarität zeigen, das könnte nämlich jede von uns treffen.

00:37:21: Ja, vielen herzlichen Dank für dieses eindringliche Plädoyer,

00:37:24: wie man Betroffenen helfen kann, wie man ihnen beistehen kann.

00:37:28: Vielleicht dann auch noch die Binse. Letztlich das, was am effektivsten gegen

00:37:32: Gewalt gegen Frauen hilft, ist natürlich sie nicht auszuüben.

00:37:35: Da können wir am ehesten ansetzen.

00:37:37: Sie haben es ja auch vorhin gesagt, die Präventionsarbeit ist unglaublich wichtig

00:37:41: und das ist, glaube ich, auch wirklich ein Feld, bei dem jeder und jede von

00:37:44: uns wirklich aktiv auch unterstützend sein kann. Das stimmt.

00:37:49: Und wenn ich da nochmal ergänzen könnte...

00:37:51: Beim Thema, das Beste ist sie gar nicht auszuführen. Die Gewalt unserer Betroffenenbeiratinnen

00:37:57: hat in einer Stellungnahme auch sehr stark appelliert und gesagt zum Thema Täterarbeit.

00:38:03: Diese Täter, das sind ja nicht Fremde, das sind nicht irgendwelche Menschen,

00:38:06: das sind keine Monster, es sind Brüder, es sind Freunde, es sind Ehemänner,

00:38:10: es sind Söhne und sie mögen Macht besitzen oder sympathisch auftreten oder noch so charismatisch sein.

00:38:15: Man kann den Betroffenen glauben und man kann auch Einfluss auf diese Männer

00:38:19: nehmen und Stellung beziehen.

00:38:21: Das kann jeder. Ein Moderator kann das in einem Interview, in dem er ablehnt,

00:38:25: dass Frauen auf ihr Äußeres reduziert werden.

00:38:28: Das können Jugendfreundinnen, das können Zeuginnen von grenzverletzenden Sprüchen

00:38:31: sein, auf der Straße oder zu Hause.

00:38:33: Jeder kann das tun. Vielen herzlichen Dank. Dann steigen wir doch mit diesem

00:38:36: auch positiven Man-kann-etwas-tun aus.

00:38:40: Und ich bitte Sie jetzt noch, unsere Flaschenpost an die Zukunft auszufüllen.

00:38:44: Und meine Frage an Sie ist, liebe Frau Faltmann, wie sieht Ihre feministische

00:38:48: Utopie für Bremen aus? Meine feministische Utopie für Bremen,

00:38:53: also die der Landeskoordinierungsstelle, wäre auf jeden Fall,

00:38:55: dass wir Stopp-Projekte in allen Bremer Stadtteilen haben.

00:38:59: Stopp, das ist Stopp-Partnergewalt, ein communityzentrierter Präventionsansatz.

00:39:04: Der die Nachbarschaften mit einbezieht und der ganz wunderbar funktionieren kann.

00:39:08: Unsere Vision wäre, dass keine Gewaltbetroffene weiter als 15 Minuten mit dem

00:39:12: Auto zu einer Gewaltschutzambulanz fahren müsste und dass auch alle Gewaltbetroffenen das Vertrauen hätten,

00:39:19: dass das Schutz- und Hilfesystem sie stützt und sie keine Traumatisierung erfahren

00:39:23: müssen, dann würde ich mir wünschen, dass zum 8.

00:39:26: März die Männer die großen Demos

00:39:28: in Solidarität mit allen unterdrückten Geschlechtern auf den Weg bringen.

00:39:32: Und ich würde mir wünschen, dass die Werder-Frauen im Weserstadion spielen und

00:39:35: dass ein Werder-Spieler, ein Botschafter gegen Gewalt an Frauen sehr klar ist,

00:39:42: Ich würde mir wünschen, dass Betroffenen selbstverständlich als solche in Erscheinung treten können.

00:39:48: Also Politikerinnen, prominente CEOs, Wissenschaftlerinnen, alle mit einem klaren

00:39:52: Bewusstsein darüber, dass die Scham auf die andere Seite gehört und auch mit

00:39:56: dem Vertrauen, dass das in der Öffentlichkeit so wahrgenommen wird.

00:39:59: Und überhaupt in meiner feministischen Utopie für Bremen müsste dann der Betroffenenbeirat

00:40:04: demnach um Nachwuchs fürchten. Das wäre schön.

00:40:08: Frau Faltmann, ich freue mich sehr und dann würden wir uns auch im Werder-Stadion

00:40:13: sehen, wenn das alles so gelingen kann. Da würde ich mich freuen.

00:40:17: Leider sind wir aber bei diesem sehr wichtigen Thema nun schon am Ende unserer Folge, der 94.

00:40:22: Folge von Friedrichs Flaschenpost, dem Politik-Podcast aus Norddeutschland von

00:40:27: der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:40:29: Danke euch, liebe HörerInnen und danke Ihnen natürlich auch, liebe Frau Faltmann.

00:40:34: Vielen Dank für das Interesse am Thema. Ja, Dankeschön.

00:40:37: Ich habe nämlich mit Anne Faltmann gesprochen und sie arbeitet in der Landeskoordinierungsstelle

00:40:41: der Istanbul-Konvention bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen- und Verbraucherschutz in Bremen.

00:40:46: Besonders ans Herz legen möchte ich allen HörerInnen die Arbeit des Betroffenenbeirats

00:40:51: in Bremen, dessen Arbeit auch auf der Seite www.bremen-sagt-nein.de zu sehen ist.

00:41:00: Das verlinken wir natürlich auch in den Shownotes. Ich sage erstmal Tschüss

00:41:03: und bis zur nächsten Folge.

00:41:05: Ich bin Christine Strotmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:41:07: Macht es gut und wie immer bleibt politisch.

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