Folge 92: "Was sollten wir über den Widerstandskämpfer Julius Leber wissen, Bettina Greiner?"

Shownotes

Julius-Leber-Forum – so hieß unser Büro bis 2024. Wir als Friedrich-Ebert-Stiftung in Norddeutschland fühlen uns dem sozialdemokratischen Widerstandskämpfer aus Lübeck sehr verbunden. Sein Leben und sein Kampf für die Demokratie, für den er von den Nationalsozialisten ermordet wurde, stehen so eindrücklich für Haltung und Überzeugung, dass wir der Erinnerung an Leber große Bedeutung schenken. Dabei wissen viele Menschen vielleicht gar nicht allzu viel über den Lübecker Sozialdemokraten. Daher haben wir in unserer neusten Folge von Friedrichs Flaschenpost mit Dr. Bettina Greiner gesprochen. Sie leitet das Willy-Brandt-Haus in Lübeck und berichtet im Podcast über das Leben und Wirken von Julius Leber. Auch sprechen wir darüber, was sein Leben und die Vergangenheit uns heute lehren können und warum es an uns allen liegt, auch die Zukunft unserer Demokratie zu gestalten. Zudem hören wir in „Friedrich fragt“ ein für Lübeck angemessenes Votum für Marzipan! Hört gerne rein!

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00:00:02: Friedrichs Flaschenpost, der Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:00:07: Herzlich willkommen zu Friedrichs Flaschenpost, dem Politik-Podcast aus Norddeutschland

00:00:12: von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:00:14: Vielen Dank, dass ihr eingeschaltet habt, sagt am Mikrofon Stine Klapper aus

00:00:19: dem Regionalbüro Nord der FES.

00:00:21: Wenn wir an sozialdemokratische, historische Größen aus Lübeck denken,

00:00:26: fällt uns allen wahrscheinlich als erstes Willy Brandt ein.

00:00:29: Und ja, wir sitzen gerade auch tatsächlich im Willy Brandt Haus in Lübeck.

00:00:32: Aber der ehemalige Bundeskanzler soll heute gar nicht im Mittelpunkt stehen.

00:00:36: Wir wollen über eine andere Person sprechen, auch ein großer Lübecker Sozialdemokrat,

00:00:41: und zwar über den Widerstandskämpfer Julius Leber.

00:00:45: Wir als Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung für Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein

00:00:48: fühlen uns Leber besonders verbunden und hießen auch bis 2024 Julius-Leber-Forum.

00:00:54: Wir wissen, dass sein beeindruckendes Leben und wirken uns unglaublich viel

00:00:58: Überhaltung, Überzeugung und die Bedeutung von Demokratie lehren kann.

00:01:02: Deswegen möchte ich in dieser Folge von Friedrichs Flaschenpost über Julius

00:01:05: Leber sprechen, über sein Leben und das Gedenken an ihn und über Erinnerungsarbeit insgesamt.

00:01:11: Und zwar möchte ich darüber sprechen mit einer Person, die sich damit auskennt.

00:01:15: Und das ist Dr. Bettina Greiner, Leiterin des Willy-Brandt-Hauses in Lübeck.

00:01:19: Moin, Frau Greiner. Hallo.

00:01:21: Frau Greiner, Sie sind Historikerin und seit 2018 Mitarbeiterin der Bundeskanzler-Willi-Brandt-Stiftung

00:01:27: und Leiterin des Willy-Brandt-Hauses hier in Lübeck.

00:01:30: Auch schon vor Ihrer Zeit in Lübeck haben Sie zur deutschen Nachkriegsgeschichte

00:01:34: und zur Geschichte des Kalten Krieges geforscht und dabei besonders auf politische

00:01:37: Haft und Verfolgung geschaut.

00:01:39: Und vor dem Willy-Brandt-Haus hatten sie verschiedene Stationen,

00:01:42: von Gedenkstätten bis zum Hamburger Institut für Sozialforschung.

00:01:46: Sie kennen sich also mit Erinnerungskultur und Public History aus und eben auch

00:01:51: mit großen Lübecker Sozialdemokraten, Willy Brandt natürlich,

00:01:55: aber eben auch Julius Leber.

00:01:56: Und über ihn möchten wir sprechen und ich freue mich sehr, dass ich Sie,

00:01:59: Frau Greiner, dafür im Willy-Brandt-Haus besuchen darf.

00:02:02: Ich freue mich auch, vielen Dank. Frau Greiner, wenn man Julius Leber umfassend

00:02:07: kennenlernen möchte, dann müsste man eigentlich noch weiter zurückgehen.

00:02:10: Aber ich möchte heute in den 1920er Jahren starten.

00:02:15: Nehmen Sie uns doch bitte einmal 100 Jahre in die Vergangenheit mit.

00:02:18: Leber kam ja gar nicht ursprünglich aus Lübeck. Der ist aus dem Elsass hierher

00:02:22: gekommen und dann hat er als Journalist gearbeitet, ist dann aber auch in die

00:02:25: Politik gegangen, war erst in der Lübecker Bürgerschaft und dann ab 1924 auch

00:02:29: im Reichstag. Was war er für ein Politiker?

00:02:32: Was waren seine Positionen? Wofür stand er? Wofür setzt er sich ein in der Weimarer

00:02:36: Republik? Also 100 Jahre zurückzugehen, das ist gar nicht so einfach,

00:02:40: weil ich finde, dass Julius Lebers Biografie schon so interessant ist,

00:02:43: weil er nämlich außerehelich geboren wurde.

00:02:46: Seine Mutter war eine Bauernmarkt und trotzdem hat er es durch Bildung bis zu

00:02:52: einem Doktortitel geschafft in Nationalökonomie, heute Volkswirtschaft und wurde

00:02:57: dann hier in Lübeck 1921, da war er gerade 30.

00:03:01: Chefredakteur des Lübecker Volksboten.

00:03:03: Damals eine SPD-Zeitung, also damals gab es ja Parteizeitungen und er hat sich

00:03:09: sofort in das Herz der Lübecker Arbeiterschaft geschrieben und auch dadurch,

00:03:15: dass er unglaublich viele Vorträge und Reden gehalten hat, eben auch hineingesprochen.

00:03:19: Er muss ein ganz toller Rhetoriker gewesen sein. Also er hat die Zeitung unglaublich

00:03:23: beliebt gemacht, weil er Politik in dieser Zeitung erklärt hat,

00:03:26: nämlich sozialdemokratische Politik.

00:03:29: Für ihn war es in Lübeck und später auch als Reichstagsabgeordneter unglaublich wichtig,

00:03:35: den Staat als solchen, die Republik, also er war Republikaner im Sinne der Weimarer

00:03:40: Republik zu stärken und dafür gehörte für ihn ganz besonders die Arbeiterschaft.

00:03:44: Er wollte erreichen, das hat nicht so richtig geklappt, aber er wollte doch

00:03:50: erreichen, dass Arbeit Teilhabe ermöglicht am Staat und nicht Besitz und Eigentum oder eben,

00:03:57: ich weiß nicht, Erbe oder Familienzugehörigkeit, wie es eben bis mindestens 1919 gewesen ist.

00:04:03: Hier in Lübeck, also von den vielen Dingen, um die er sich politisch bemüht

00:04:07: hat, wenn man Abgeordneter hier in der Bürgerschaft ist oder später auch im

00:04:11: Reichstag, gibt es natürlich eine unglaubliche Breite von Dingen,

00:04:15: mit denen man sich beschäftigt.

00:04:17: Aber zwei Dinge möchte ich hervorheben. Einmal hier für Lübeck.

00:04:20: Dass er nämlich sich sehr, sehr stark dafür gemacht hat, dass die Republik auch

00:04:25: in ihren Symbolen anerkannt wird.

00:04:27: Und das hieß für ihn hier in Lübeck erst einmal dafür Sorge zu tragen,

00:04:31: dass Bilder von Angehörigen der Kaiserfamilie aus öffentlichen Räumen verschwinden.

00:04:37: Also man muss sich vorstellen, die Republik ist zwei, drei, vier,

00:04:40: fünf Jahre alt und es hängen immer noch monarchische Bilder in Amtsstuben,

00:04:44: in Schulen und so weiter und so fort.

00:04:46: Er hat sich um Schulbücher bemüht gemacht.

00:04:49: Er wollte dafür Sorge tragen, dass eben die Republik in den Büchern das große

00:04:54: Thema ist und nicht mehr die Monarchie.

00:04:56: Es gab einen Flaggenstreit, also in welchen Farben repräsentiert sich eigentlich

00:05:02: die Republik und sei es nur in Anführungszeichen in der Handelsflotte,

00:05:08: wollte ich natürlich sagen.

00:05:09: Das war ein unglaublich wichtiges Thema für ihn, um die Republik auch symbolisch erfahrbar zu machen.

00:05:15: Gleichzeitig aber hat er sich damit auch zum Bürgerschreck gemacht.

00:05:19: Und während er versuchte, die Monarchie aus dem öffentlichen Raum herauszunehmen

00:05:25: und in diesem Sinne auch zu bekämpfen, wurde er gleichzeitig schon von rechts bekämpft.

00:05:29: Also die Art oder die Intensität, in der ihm nicht nur Gewalt,

00:05:35: sondern auch das Aufknüpfen am nächsten

00:05:37: Baum hier von den aufsteigenden Nationalsozialisten angedroht wurde,

00:05:41: das kann man seit 23, 25 und dann auch später immer wieder nachlesen, nachvollziehen.

00:05:48: Also er hat eigentlich so ein bisschen zwischen den Stühlen gestanden,

00:05:52: in seinem Bemühen, die Republik zu stärken.

00:05:56: Also das Bürgertum hat ihn nicht richtig anerkannt.

00:05:59: Die ehemaligen Monarchisten fanden seine Arbeit natürlich überhaupt nicht überzeugend

00:06:04: innerhalb der Sozialdemokratie.

00:06:07: War die Position auch nicht ganz einfach, weil Julius Leber eben eher ein politischer

00:06:11: Pragmatiker gewesen ist.

00:06:13: Er war definitiv kein Theoretiker.

00:06:15: Das ist ja interessant, dass es so eine Kombination aus Pragmatismus war und

00:06:20: gleichzeitig ja ihm offensichtlich sehr bewusst war, was Symbole bedeuten,

00:06:24: was Identifikation, was das für eine Bedeutung hat, auch für eine politische Kultur.

00:06:29: Sie hatten schon gesagt, er warst ein bisschen zwischen den Stühlen damit,

00:06:32: vielleicht auch wegen dieser Kombination.

00:06:34: Kam er dann in der Arbeiterschaft damit an? Also war das denn etwas,

00:06:37: was da sozusagen gezogen hat, was die Leute verbunden hat vielleicht da?

00:06:41: Also das muss es. Man kann es so nicht wirklich nachvollziehen.

00:06:44: Das gibt die Quellenlager auch überhaupt nicht her oder auch die Zeitzeugenberichte nicht.

00:06:49: Aber wenn wir dann gleich in die 30er Jahre gehen und über seine Verhaftung

00:06:52: sprechen, da ist es hier zu Streiks gekommen in der Stadt.

00:06:56: Also die Arbeiterschaft hat sich von ihm schon wahrgenommen und auch verstanden gefühlt.

00:07:03: Also die Arbeiterschaft, das kann man glaube ich wirklich so pauschal sagen,

00:07:06: hat verstanden, da ist einer, der tritt für uns ein und für unsere Teilhabe und für unsere Rechte.

00:07:12: Worüber ich aber gerne noch sprechen würde, ist ein großes Thema,

00:07:15: das ihn beschäftigt hat, dann als Abgeordneter des Reichstages.

00:07:20: Und das ist ein Gedanke, den er sehr früh formuliert hat, später unter Bundeskanzler

00:07:26: Helmut Schmidt, also wir reden jetzt über die 1970er Jahre, ist das der Gedanke

00:07:31: des Staatsbürgers in Uniform.

00:07:33: Das heißt also, aus dem Militär, aus der Bundeswehr, aber früher natürlich der

00:07:39: Reichswehr, einen integralen Bestandteil des Staates zu machen.

00:07:43: Julius Leber hat selbst Erfahrungen damit gemacht.

00:07:46: Er ist nämlich 1918 nicht aus dem Kriegsdienst ausgeschieden,

00:07:50: sondern erst 1920 und er hat durch den Kapp-Putsch dann eben auch die Erfahrung

00:07:55: gemacht und die ist nicht weit hergeholt,

00:07:58: dass die damalige Reichswehr nach dem Versailler Vertrag in erster Linie ein Ort der Reaktion war,

00:08:03: der sich also nicht in den Staat integrieren wollte.

00:08:06: Dazu kommen dann eben noch diverse Morde an Politikern.

00:08:10: Also rechts ist sehr gewalttätig unterwegs und deshalb war es für ihn unglaublich

00:08:15: wichtig, ja, die Soldaten.

00:08:18: Also das ist jetzt ein Begriff von August Bebel, das klingt in heutigen Ohren

00:08:21: ein bisschen merkwürdig, aber es ging wirklich darum, die eigene Nation zu lieben.

00:08:25: Und das ist kein Hurra-Patriotismus und das ist kein starker Nationalismus,

00:08:30: sondern es ist eher das Bekenntnis zum eigenen Staat und für diesen Staat auch wehrhaft einzutreten.

00:08:36: Und auch mit dieser Idee und auch mit diesem Ansinnen, das war damals so nicht zu verwirklichen.

00:08:43: Und es war ja in gewisser Weise auch neu, weil es um die neue Republik sozusagen ging.

00:08:49: Es ging ja nicht um Patriotismus zu einem deutschen Reich, sondern tatsächlich

00:08:55: zu einem relativ neuen Konstrukt.

00:08:57: Ganz richtig, ganz richtig, ja. Interessanter war er tatsächlich seiner Zeit

00:09:02: fast ein bisschen voraus.

00:09:03: Sie haben es schon angesprochen, wenn wir auf die 1930er gucken.

00:09:07: Sie haben jetzt schon gesagt, auch schon die 20er waren brutal, waren gewaltsam.

00:09:12: Er wurde viel angegriffen rhetorisch, aber nicht nur rhetorisch,

00:09:16: war voller Polarisierung und Verwerfung,

00:09:19: aber auch immer noch geprägt schon auch von Menschen wie Leber,

00:09:22: die sich für die Republik eingesetzt haben, für die Demokratie und die das vor

00:09:26: allen Dingen auch noch konnten.

00:09:28: Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten hat sich da viel verändert und

00:09:32: auch Leber geriet noch viel mehr unter Druck.

00:09:35: Ein Anschlag wurde auf ihn verübt und er wurde dann schlussendlich verhaftet.

00:09:40: Was geschah in den 1930ern mit ihm? Also er ist eigentlich so ungefähr ab 31,

00:09:46: 32 immer stärker zu einem Antinazisten geworden und ist auch politisch aufgetreten

00:09:50: und hat gegen diese rechte Ideologie argumentiert und Vorträge gehalten, Reden gehalten,

00:10:00: im Lübecker Volksboten publiziert und geschrieben und seine Position war klar.

00:10:06: Und deshalb war auch klar, dass er irgendwie auf der Abschussliste.

00:10:11: Über kurz oder lang und das war dann eher kurz bzw. sehr schnell stehen würde.

00:10:15: Und es ist tatsächlich so, dass am 31. Januar 1933 sind also die Nazis nicht

00:10:22: nur durch Berlin mit Fackeln gezogen, sondern auch hier in Lübeck.

00:10:26: Leber und andere Sozialdemokraten haben, also sie haben jetzt nicht dagegen

00:10:31: demonstriert, aber sie haben das sehr wohl beobachtet und haben sich dann auch

00:10:35: zurückgezogen, weil das einfach eine gewaltgeladene Situation war.

00:10:39: Also ich glaube, wenn man über Weimarer nachdenkt, über die Weimarer Republik,

00:10:43: es geht uns einfach ab, uns die

00:10:45: Gewalt im öffentlichen Raum heute noch vorzustellen, wie das gewesen ist.

00:10:49: Also sie haben sich bis, ich weiß nicht, nachts um drei, haben sie sich in die

00:10:54: Redaktionsstuben zurückgezogen und dann ist er mit zwei Reichsbanner Sozialdemokraten,

00:11:00: also Reichsbanner auch eine wichtige Institution in der Weimarer Republik,

00:11:04: dass sich die Sozialdemokraten entschlossen haben,

00:11:07: sich wehrhaft zu machen gegen rechte Übergriffe.

00:11:10: Die haben ihn nach Hause begleiten wollen. Sie sind gestoppt worden auf der Straße.

00:11:14: Es kommt zu einem Handgemenge, eigentlich mehr als Handgemenge,

00:11:18: weil Julius Leber auch schwer verletzt wurde. Und einer der Nationalsozialisten...

00:11:22: Also das weiß ich jetzt nicht so genau, verstirbt entweder noch am Ort oder

00:11:27: erliegt dann seinen Verletzungen.

00:11:29: Daraufhin wird Leber natürlich sofort verhaftet, die anderen beiden auch.

00:11:32: Leber wird dann gegen Kaution entlassen, auch weil es hier eben,

00:11:37: ich hatte es eben schon kurz erwähnt, es ist zu Streiks gekommen,

00:11:40: es ist zu einem Generalstreik hier in Lübeck gekommen.

00:11:43: Es hat auch viel Intervention gegeben auf politischer Ebene für ihn.

00:11:46: Er wird also entlassen und dann steht nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933,

00:11:52: dann gegen Ende März, das sogenannte Ermächtigungsgesetz.

00:11:56: Der Reichstag tagt inzwischen in der Kroll-Oper, der Reichstag ist ja abgebrannt

00:12:00: und auf dem Weg zum Reichstag wird er verhaftet,

00:12:05: weil die Nationalsozialisten sich an drei Fingern abrechnen konnten,

00:12:08: dass er natürlich dagegen stimmen würde, wie letztendlich auch die SPD geschlossen

00:12:13: gegen dieses Gesetz gestimmt hat.

00:12:16: Aber man hatte ihn irgendwie besonders im Blick. Man hatte ihn besonders im Blick.

00:12:21: Also man muss eigentlich schon sagen, dass er jetzt hier als Lübecker Abgeordneter

00:12:25: im Deutschen Reichstag eher so ein Sozialdemokrat.

00:12:27: Naja, das klingt jetzt ein bisschen hart, aber er war doch eher so ein bisschen zweite Reihe.

00:12:31: Er war auch jünger als die anderen großen reichsweiten SPD-Politiker.

00:12:37: Aber man hatte ihn auf jeden Fall auf dem Schirm. Deshalb auch diese schnelle

00:12:41: Verhaftung und was eben folgt, sind letztendlich vier Jahre Inhaftierung,

00:12:46: zwei Jahre davon in Strafanstalten und Gefängnissen.

00:12:50: Er wird dann entlassen. Seine Frau setzt sich wahnsinnig für ihn ein,

00:12:53: dass er früher entlassen wird.

00:12:54: Es kommt dann zur Entlassung und kaum ist durch die Gefängnistür hinaus,

00:13:00: wird er eben wieder verhaftet und in Schutzhaft genommen. Und muss dann zwei

00:13:04: Jahre in Konzentrationslagern verbringen.

00:13:07: Zunächst im Konzentrationslager Esterwegen. Das ist im Emsland.

00:13:11: Das sagt einem vielleicht was wegen der Moorsoldaten. Also dieses Lager wird

00:13:16: wirklich als Hölle bezeichnet.

00:13:18: Und dann geht es weiter nach Sachsenhausen.

00:13:21: Er selber hat...

00:13:23: Zumindest, dass wir an Quellen vorliegen haben oder was wir auch aus der Familie,

00:13:27: aus den Berichten wissen, relativ wenig über die Haftzeit gesprochen.

00:13:31: Aber wir wissen aus Berichten anderer Mithäftlinge, insbesondere in Esterwegen.

00:13:38: Also das ist eine sehr, sehr große Qual gewesen.

00:13:42: Das ist, die Nationalsozialisten haben es darauf angelegt, ihre Internierten,

00:13:47: ihre Konzentrationshäftlinge zu entwürdigen, sie zu brechen.

00:13:53: Das ist das Ziel dieser Haft gewesen.

00:13:55: Also da gibt es Berichte von, dass auch auf Julius Leber die Notdurf verrichtet

00:14:00: wurde. Also es sind wirklich Sachen, die darauf angelegt sind,

00:14:04: gewalttätige Gräueltaten, die darauf angelegt sind, jemanden zu brechen.

00:14:08: Was wir aber wissen aus Berichten eben von Bekannten und Freunden von ihm,

00:14:13: sie alle haben Julius Leber so wahrgenommen, dass er nach seiner Entlastung

00:14:17: 1937 nicht gebrochen war.

00:14:20: Und also wenn man sich dann die Frage stellt, wenn jemand vier Jahre in dieser

00:14:25: Hölle verbracht hat, warum macht er dann eigentlich weiter mit dem Widerstand,

00:14:29: dann ist das eigentlich eher Trotz und nicht Wegen.

00:14:33: Genau das wäre nämlich jetzt meine Frage auch gewesen, haben Sie schon richtig erahnt sozusagen.

00:14:39: Er war jahrelang in Haft und Sie haben es beschrieben, man hat wirklich versucht

00:14:44: ihn zu demütigen, zu brechen und kaum ist er aus Haft, macht er eigentlich weiter.

00:14:48: Also er organisiert sich neu, er geht bewusst nicht ins Ausland,

00:14:52: er geht bewusst nicht ins Exil, sondern organisiert sich direkt weiter.

00:14:56: Die Frage, ob er ins Exil gehen würde, die hatte sich schon vorher gestellt,

00:15:00: also gleich nach der ersten Verhaftung.

00:15:02: Er hat das abgelehnt, immer mit Bezug auf die Arbeiterschaft.

00:15:06: Also er hat gesagt, meine Arbeiter sind für mich auf die Straße gegangen,

00:15:09: ich kann die nicht alleine lassen.

00:15:11: Es gibt keine Hinweise darauf, dass er diese Entscheidung durchführt.

00:15:14: Bereut hätte, man kann es sich vielleicht vorstellen, aber wie auch immer.

00:15:19: Und ja, er wird entlassen.

00:15:21: Seine Frau Anne-Durgo Leber, auch eine Person, über die man gerne viel reden

00:15:25: kann und muss, finde ich eigentlich.

00:15:27: Die nächste Folge dann des Podcasts. Die ist inzwischen nach Berlin gegangen

00:15:32: und hat dort auch die Familie versorgt mit einer kleinen Schneiderei,

00:15:36: hat sich sehr für ihren Mann eingesetzt und ihm hat sich dann die Möglichkeit

00:15:41: geboten, eine Kohlenhandlung aufzumachen.

00:15:44: Also auch hier sehen wir, da hat sich jemand aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet,

00:15:49: hatte eine Familie, eine Frau.

00:15:51: Als er das erste Mal verhaftet wurde, waren seine Kinder, weiß ich nicht,

00:15:54: drei und fünf Jahre oder vielleicht auch vier und sechs Jahre alt.

00:15:57: Und er verbiegt sich nicht. Er verbiegt sich einfach nicht.

00:16:00: Und diese Kohlenhandlung wird zu einem klandestinen Treffpunkt.

00:16:04: In der Literatur heißt es immer, sie hatte zwei Ausgänge, das wäre vorteilhaft gewesen.

00:16:09: Aber was eben besonders vorteilhaft ist, Kohlen musste jeder kaufen.

00:16:14: Also das heißt, es ist ein Ort, es ist wie ein Umschlagsort.

00:16:17: Über kurz oder lang muss jeder dorthin und Kohlen einkaufen und das war natürlich ein gutes Cover-up.

00:16:26: Es macht einen nicht verdächtig, wenn man da hingeht. Das kann es gar nicht.

00:16:30: Also es ist wirklich, jeder muss dahin.

00:16:32: Zunächst an sich bis weit in den Krieg hinein ist es eher eine Form des Widerstandes.

00:16:39: Also es ist kein, ich würde mal ich sagen, es ist kein wirklicher aktiver Widerstand,

00:16:43: sondern man baut Freundeskreise auf, man knüpft an alte Verbindungen wieder

00:16:49: an, primär innerhalb der Sozialdemokratie.

00:16:53: Einfach um herauszufinden, wer steht wo und wie könnte man eigentlich vielleicht,

00:16:59: aber ist es eher auch in gewisser Weise so eine Art der Selbstversicherung,

00:17:03: denke ich, dass man eben nicht alleine ist in diesem Regime.

00:17:07: Und die wirklich aktive Widerstandszeit beginnt dann in den 40er Jahren, so ab 1941, 1942.

00:17:17: Und interessanterweise, also er organisiert sich in sozialdemokratischen Kreisen,

00:17:21: aber knüpft dann eben auch Kontakte in andere Kreise.

00:17:24: Ganz bekannt ist ja, er knüpft Kontakte in den bürgerlichen Widerstand,

00:17:28: um Klaus Schenk-Graf zu Stauffenberg, aber er hatte zugleich dann auch Kontakt

00:17:32: aufgenommen zum kommunistischen Untergrund.

00:17:35: Wie lief das ab? Wie ging das überhaupt in der Zeit, in der auch ja Kommunikationsmittel

00:17:39: nochmal ganz anders, es nur ganz anders gab, also nicht die gleichen zur Verfügung

00:17:43: standen wie heute zum Beispiel?

00:17:45: Also ich finde, das ist eine wirklich gute Frage, weil die ist auch total naheliegend,

00:17:50: wie überhaupt solche Verbindungen geknüpft wurden und ich kann es zumindest

00:17:55: nur erklären über Vertrauensbasis.

00:17:58: Also man kennt jemanden, der jemanden kennt und dann kommt man miteinander vorsichtig ins Gespräch.

00:18:03: Und es ist auch nachvollziehbar, dass als Leber dann für ihn die Kontakte in

00:18:10: den bürgerlichen Widerstand hergestellt wurden, dass er zunächst auch sehr zurückhaltend war.

00:18:14: Also man kann jetzt nicht behaupten, dass er sich in den Überlegungen,

00:18:18: da kommt auch wieder dieses Theoretische hinein, dass dort erst einmal in Extensio

00:18:25: ausdiskutiert wurde, dass er doch eher der Pragmatiker war.

00:18:29: Aber also wir befinden uns dann, also seine Verbindung in den Goerdeler-Kreis

00:18:34: hinein, seine Verbindung in den Kreisauer-Kreis hinein, sind,

00:18:38: ich würde sagen, eher nochmal ein bisschen suchend gewesen.

00:18:41: Was wirklich die Situation verändert hat, war das persönliche Zusammentreffen

00:18:45: mit Klaus Graf Stauffenberg.

00:18:48: Die beiden hatten ein Draht zueinander.

00:18:51: Die beiden konnten sich erstens über das Militär reden, aber die waren auch

00:18:54: eher Macher, würde ich mal sagen. und dass ein Tyrannenmord.

00:19:00: Auch ein legitimes Mittel sein kann. Ich glaube, die beiden waren sich darin

00:19:04: sehr, sehr schnell einig oder die sind eigentlich schon mit diesem Bewusstsein

00:19:08: und auch dem Willen dafür in die Gespräche miteinander gegangen.

00:19:12: Und dadurch hat sich das eigentlich entwickelt.

00:19:14: Für den bürgerlichen Widerstand war es also in dieser Situation,

00:19:19: in der wir uns befinden und erst recht natürlich nach Stalingrad.

00:19:23: Es ging darum, einen Bürgerkrieg zu verhindern und dafür brauchte man die Arbeiterschaft.

00:19:28: Und dafür war Julius Leber einfach der Garant.

00:19:32: Als Pragmatiker und als jemand, der wirklich mit der Arbeiterschaft,

00:19:37: der konnte deren Sprache und das konnte der bürgerliche Widerstand nicht.

00:19:42: Weil nun aber nach Stalingrad auch klar war, dass Deutschland besetzt werden

00:19:48: würde und dass die Rote Armee auf dem Vormarsch war, ist natürlich zeitgleich

00:19:53: auch der kommunistische Widerstand stärker geworden.

00:19:56: Und wieder immer noch die Gefahr eines Bürgerkrieges, das wurde eben antizipiert.

00:20:01: Deshalb haben Julius Leber und auch Stauffenberg vorgeschlagen,

00:20:06: dass man Kontakte zu kommunistischen Widerstandskämpfern aufnimmt.

00:20:10: Das war hoch umstritten in den jeweiligen Kreisen, aber immer unter der Voraussetzung,

00:20:16: dass man so viel wie möglich von dem Deutschen Reich, damals Deutsches Reich,

00:20:21: auch retten wollte als solches.

00:20:24: Da hat man sich zu einer Zusammenarbeit entschieden und von Julius Leber gibt

00:20:27: es auch ein Zitat, das ich jetzt natürlich nicht in Gänze im Kopf habe,

00:20:31: aber sinngemäß hat er gesagt, es gibt Situationen, in denen muss man auch mit

00:20:36: dem Teufel zusammenarbeiten.

00:20:38: Also er selber ist kein Freund der Kommunisten gewesen,

00:20:42: eigentlich nie, aber in dieser konkreten Situation,

00:20:46: in der eigentlich die letzte Möglichkeit zu einem großen Widerstandsakt situativ gegeben war,

00:20:54: um eben auch, wusste man natürlich erst hinterher, aber die ganzen Kriegsendverbrechen

00:20:59: und die ganzen Verluste und alles, was dann, ich meine, in den letzten Monaten

00:21:03: des Krieges sind mehr Menschen ums Leben gekommen als in allen Jahren bis dahin.

00:21:07: Das war irgendwie Spitz auf Knopf. Das war der letzte Moment,

00:21:10: wo es sein konnte. Oder hätte klappen sollen.

00:21:14: Hätte Klappen sollen, genau. Aber Sie haben darüber gesprochen,

00:21:17: wie das funktioniert, Kontakte aufzubauen.

00:21:21: Und ganz abgesehen von eben den ideologischen Differenzen und ja auch den sehr

00:21:26: unterschiedlichen Gesellschaftsvorstellungen.

00:21:28: Also es wurde ja sicherlich auch diskutiert, wie geht es danach weiter.

00:21:32: Und so unabhängig davon war ja eben die Kontaktaufnahme auch nicht ungefährlich.

00:21:38: Und das ist eben dann ja auch zum Verhängnis geworden. Also das ist alles nicht

00:21:43: ungefährlich gewesen, gerade wenn man irgendwie als Person bekannt war,

00:21:48: der das Regime nicht trauen konnte.

00:21:51: Und mit jeder Verhaftung innerhalb der Widerstandsbewegung und der Widerstandskreise

00:21:56: stieg ja auch immer die Möglichkeit, dass Namen in Verhöre streichen,

00:22:02: Folter in Folter erpresst werden.

00:22:04: Also das war auf gar keinen Fall ungefährlich in dieser Situation.

00:22:08: Es kam ja auch zu Verhaftungen im Nahfeld der Widerstandsbewegung und es stand

00:22:13: immer im Raum, dass durch Folter Namen erpresst werden, also dass man gar nicht

00:22:17: wusste, wie lange man eigentlich noch würde aktiv sein können.

00:22:21: Die Gefahr war gegeben und sie war groß. Und man wusste auch oder man ahnte

00:22:26: vielleicht eher, dass der kommunistische Widerstand besonders stark durch nationalsozialistische

00:22:32: Geheimdienstmitarbeiter durchsetzt wäre.

00:22:34: Also man war sich auch dieses Risikos bewusst.

00:22:37: Aber auch da gab es wieder persönliche Verbindungen, von denen man meinte,

00:22:41: dass man sich auf sie würde verlassen können.

00:22:43: Und beim ersten Treffen war das auch so.

00:22:47: Aber beim zweiten Treffen war es nicht mehr so und Julius Leber und Reichwein,

00:22:52: also Reichwein ist sogar noch zu dem Treffen gegangen, zu diesem einberaumten

00:22:55: Treffen, das dort verhaftet wurde und Julius Leber ist schon gar nicht mehr

00:22:59: zu dem Treffen gegangen,

00:23:00: sondern ist am Tag später verhaftet worden.

00:23:02: Die Verhaftung, das war am 5.

00:23:05: Juli 1944, hat Stauffenberg noch einmal stärker davon überzeugt,

00:23:12: dass sie möglichst bald zuschlagen müssten, also nicht noch mehr Zeit verlieren,

00:23:16: nicht noch mehr über alle Möglichkeiten und Eventualitäten diskutieren,

00:23:22: sondern wirklich zuschlagen, weil,

00:23:24: naja, man musste eben auch befürchten, dass Julius Eber unter Folternahmen würde preisgeben.

00:23:30: Hat er nicht getan, das weiß man aufgrund der Protokolle dieser Verhöre.

00:23:35: Ja, und dann kam der 20. Juli und es hat eben nicht geklappt und die Art und

00:23:42: Weise, wie dieser Widerstand niedergeschlagen wurde, glaube ich.

00:23:46: Müssen wir hier nicht erzählen.

00:23:48: Also es ist, ich weiß gar nicht, in wie vielen Todesurteilen geendet.

00:23:52: Julius Leber, interessanterweise der Prozess gegen ihn, findet erst ein kleines

00:23:56: bisschen Zeitversetzt statt. Er wird am 20.

00:23:59: Oktober dann zum Tode verurteilt und am 5.

00:24:03: Januar 1945 in Berlin Plötzensee hingerichtet wird.

00:24:09: Vielen Dank für die Eindrücke zum Leben von Julius Leber. Es ist jetzt ein bisschen

00:24:12: schwierig, einen Cut zu machen.

00:24:15: Müssen wir jetzt aber. Wir wollen später auch noch weiter über Julius Lebers

00:24:18: Leben sprechen und auch darum, warum es wichtig ist, an Menschen wie Julius Leber zu erinnern.

00:24:24: Aber wie in unserem Podcast üblich, möchten wir auch mehr über unseren Gast erfahren.

00:24:29: Und einen ersten Eindruck bekommen wir da immer mit Friedrich Fragt.

00:24:32: Friedrich Fragt heißt, ich stelle Ihnen ein paar Entweder-oder-Fragen,

00:24:36: zwischen denen überhaupt kein Zusammenhang besteht.

00:24:39: Und meine Bitte an Sie ist, antworten Sie einfach spontan.

00:24:42: Und wir fangen an mit einem, einfach

00:24:44: zum Aufwärmen mit einem norddeutschen Klassiker, Nordsee oder Ostsee.

00:24:48: Nordsee. Läuft bei Ihnen im Fernsehen eher ein Spielfilm oder eine politische Talkshow? Spielfilm.

00:24:54: Glühwein auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt oder Eis an der Trave im Sommer?

00:24:59: Heiße Schokolade mit Schuss.

00:25:01: Ja, alles gut. Okay, sind Sie Eule oder Lerche? Lerche.

00:25:06: Weihnachtsessen. Raclette oder Kartoffelsalat mit Würstchen?

00:25:10: Reh. Wenn Sie nicht Historikerin geworden wären, wären Sie lieber Journalistin

00:25:15: oder Bootsbauerin geworden?

00:25:17: Oh, ganz spontan, ganz spontan. Bootsbauerin.

00:25:22: Urlaub lieber in den Bergen oder am Meer? Und da dürfen Sie auch hier in Norddeutschland

00:25:25: ganz ehrlich sein. Am Meer. Richtige Antwort.

00:25:29: Lübeck am Marzipan oder Schweizer Schokolade? Lübeck am Marzipan.

00:25:33: Auch die richtige Antwort natürlich hier.

00:25:35: Vielen Dank für die spontane Antwort. Ach, das war es schon? Das war es schon.

00:25:39: Da haben wir schon einiges über Bettina Greiner erfahren, aber gerne möchte

00:25:43: ich noch ein bisschen mehr wissen.

00:25:45: Sie haben gar keinen direkten Einstieg in die Geschichtswissenschaft genommen,

00:25:48: sondern erst einmal eine Ausbildung

00:25:50: zur Speditionskauffrau gemacht und im Logistikbereich gearbeitet.

00:25:54: Also etwas ganz anderes erst einmal. Wie kam es dann dazu, dass Sie doch ein

00:25:58: Geschichtsstudium aufgenommen haben?

00:26:00: Ich habe eigentlich immer Geschichte studieren wollen, schon in der 9. oder 10. Klasse.

00:26:03: Ich hatte einfach großartige Geschichtslehrer, denen ich, grüße ich mal von hier aus.

00:26:09: Aber ich hatte dann, weiß ich nicht, also irgendwann wurde es der Wunsch einfach

00:26:14: stärker, dass ich auf eigenen Füßen stehe und dass ich mein eigenes Geld verdiene.

00:26:18: Und habe dann ein Praktikum in einer Spedition gemacht, daraus wurde dann eine

00:26:22: kaufmännische Ausbildung. Und als ich die fertig gemacht hatte,

00:26:26: hatte ich ein Jobangebot am Frankfurter

00:26:28: Flughafen, für ein amerikanisches Kurierunternehmen tätig zu werden.

00:26:34: Und ich bin eben nicht nur Wissenschaftlerin, ich habe so, deshalb die Bootsbauerin

00:26:40: eben, ich habe so zwei Seelen an meiner Brust, also Logistik,

00:26:43: das macht mir einfach Spaß, das macht mir große Freude.

00:26:46: Und am Frankfurter Flughafen zu arbeiten, war auch ziemlich super cool.

00:26:50: Das hat schon sehr viel Spaß gemacht.

00:26:53: Damals war man aber, also wir reden hier über die frühen 1990er Jahre,

00:26:58: damals war man als Frau und Abiturientin in diesem Beruf rar gesät mit dem Ergebnis,

00:27:04: dass ich, als ich 25 wurde,

00:27:07: sämtliche Beförderungen hatte,

00:27:09: die man kriegen konnte in diesem Unternehmen. Und daraufhin habe ich eine solche

00:27:14: Panik geschoben, dass ich das jetzt noch würde 40 Jahre lang machen müssen,

00:27:18: dass ich geschmissen habe und an die Frankfurter Uni gegangen bin,

00:27:21: um Geschichte zu studieren.

00:27:23: Also eigentlich meinen eigentlichen Wunsch zu erfüllen.

00:27:26: Also der Beruf hatte mich nicht auf die Universität vorbereitet.

00:27:30: Ich war sehr unglücklich an der Universität.

00:27:32: Ich habe in dem Beruf sogenannte Life and Death Shipments gehandelt,

00:27:37: Das heißt Blutkonserven, Organe.

00:27:40: Also da hat man morgens ein Herz verschickt und abends kam der Anruf, der Patient lebt.

00:27:45: Das ist was anderes, als an der Universität darauf zu warten,

00:27:48: dass man sich, weiß ich nicht, neun Wochen später eine Hausarbeit abholt,

00:27:52: von der man nicht weiß, ob sie gelesen wurde.

00:27:55: Also ich habe sehr gehadert und weil ich so viel gehadert habe,

00:27:58: habe ich wahnsinnig lange studiert, weil ich unglaublich viele andere Sachen gemacht habe.

00:28:04: Und dieses richtige Gefühl, dass ich das mache, was ich wirklich machen möchte,

00:28:09: das kam erst sehr spät im Studium.

00:28:10: Beziehungsweise als es dann da war, habe ich gesagt, jetzt muss ich auch mal fertig studieren.

00:28:14: Und zwar letztendlich dann durch das Thema meiner damals noch Magisterarbeit.

00:28:19: Und das ist dann auch das Thema meiner Promotion geworden, nämlich mich mit

00:28:24: den sowjetischen Speziallagern, also den Töten.

00:28:29: Nachkriegslagern in der sowjetischen Besatzungszone auseinanderzusetzen und zu beschäftigen.

00:28:34: Und das ist dann auch so ein bisschen die Tür in die Themen gewesen,

00:28:39: die mich dann weiterhin beschäftigt haben, nämlich politische Haft und Verfolgung.

00:28:43: Genau, das heißt, es ist politische Haft und Verfolgung, Ihre Themen,

00:28:46: die haben Sie schon im Studium gefunden.

00:28:49: Erinnern Sie sich daran, wie das kam? Also klar, wenn man Geschichte studiert,

00:28:54: da gibt es ja einfach wahnsinnig viel, was man machen kann.

00:28:57: Einige Menschen finden dann so ihr Thema, nicht alle, aber es kommt ja ganz

00:29:03: unterschiedlich zu den Menschen.

00:29:04: Das Herzensthema oder das Schwerpunktthema, wie war das bei Ihnen?

00:29:08: Also Sie haben gerade was ganz Wichtiges gesagt, das Thema kommt zu einem.

00:29:12: Also das, was ich so toll finde, sich mit Geschichte zu beschäftigen,

00:29:16: ist einfach, also man steht nicht morgens auf und sagt, ich kümmere mich jetzt

00:29:20: um das und das Thema, sondern die Themen kommen zu einem.

00:29:24: Und in meinem Fall ist das Thema ganz handfest zu mir gekommen.

00:29:28: Meine Großmutter ist verstorben, wir haben ihre Wohnung aufgeräumt und ich habe

00:29:32: einen großen Karton, so einen alten Weinkarton, ich habe den noch vor meinen

00:29:35: Augen, mit Briefen mit nach Hause genommen.

00:29:38: Das waren Briefe der Familie von Januar 1945 bis Anfang der 1950er Jahre.

00:29:47: Flüchtlingsfamilie, man schreibt sich also und man schreibt um eine Person herum,

00:29:51: die fehlt und das war eben mein Großvater, der in Sachsenhausen in einem dieser

00:29:56: Nachkriegslager fünf Jahre gesessen hat. Und damit war das Thema da.

00:30:01: Das Thema hatte mich gefunden. Interessant.

00:30:05: Und da sind Sie lange dabei geblieben und dann aber 2018 zur Bundeskanzlerin

00:30:11: Willy-Brandt-Stiftung gekommen. Mein großes Glück, muss ich sagen.

00:30:15: Mein ganz großes Glück. Also ich habe immer tolle Sachen machen dürfen.

00:30:19: Ich war auch sehr glücklich am Hamburger Institut für Sozialforschung,

00:30:22: für die ich eher so im weitesten Sinne im Veranstaltungsbereich tätig war.

00:30:27: Also ich habe eine große Tagungsreihe organisiert, 25 Tagungen in fünf Jahren

00:30:32: und wir haben das Berliner Kolleg Kalter Krieg in Berlin aufgebaut.

00:30:36: Also ich weiß nicht, ob die Hamburger das so wahnsinnig gerne hören,

00:30:40: wenn ich es so formuliere, aber es war so ein kleines bisschen das Büro des Instituts in Berlin.

00:30:45: Das klingt jetzt viel größer, als es war, aber da habe ich eben auch wahnsinnig

00:30:50: viel gelernt, was eben auch organisatorische Fragen angeht, aber eben auch ganz

00:30:55: besonders Themensetzung und Themenfindung.

00:30:58: Und das ist auch für hier am Haus natürlich wichtig. Ja, sicherlich.

00:31:02: Das vielleicht sogar in Kombination mit Ihrer Logistikerfahrung.

00:31:05: Die ist ja auch nicht schlecht wahrscheinlich, um so ein Haus zu leiten,

00:31:09: vor allem im Umbau, wo es sich ja gerade befindet.

00:31:12: Können Sie uns noch ein bisschen was zum Billy-Brandt-Haus sagen?

00:31:16: Was ist das Ziel der Arbeit hier

00:31:17: und vielleicht auch, was Sie persönlich besonders spannend daran finden?

00:31:20: Also wir sind eine der insgesamt sieben überparteilichen Politiker-Gedenkstiftungen

00:31:28: des Bundes und das mit dem überparteilich ist nicht nur mir,

00:31:31: sondern uns allen wirklich sehr, sehr wichtig und daraus ergibt sich ein wichtiger Auftrag,

00:31:36: nämlich an das politische Wirken, das politische Leben.

00:31:40: Die politischen Visionen Willy Brandts zu erinnern.

00:31:43: Und wir machen das auf ganz vielfältige Art und Weise.

00:31:46: An den drei Standorten der Bundeskanzler Willy Brandt Stiftung gibt es jeweils

00:31:50: Ausstellungshäuser, so wie auch hier in Lübeck.

00:31:53: Und dazu gibt es historisch-politische Bildungsformate an sich für alle Altersgruppen, also als

00:32:00: Lernort, nicht nur ein außerschulischer Lernort, sondern eben auch als Lernort

00:32:04: der Demokratiegeschichte.

00:32:06: Und hier in Lübeck ist einer unserer Schwerpunkte, liegt eben ganz besonders

00:32:11: stark auf den Menschenrechten.

00:32:12: Und was wir mit unserer Arbeit gerne erreichen wollen oder ich sollte vielleicht sagen,

00:32:17: was wir versuchen zu erreichen, ist eben Menschen für die Demokratie zu begeistern

00:32:23: durch Mitbestimmung und durch die Übernahme von Mitverantwortung.

00:32:27: Und das versuchen wir mit den unterschiedlichsten Formaten, ob das nun Menschenrechtsworkshops

00:32:33: sind oder ob wir mit Schulklassen Kampagnen entwickeln, wie man Politik bewegen

00:32:39: kann oder mit unseren Abendveranstaltungen,

00:32:42: die sich in der Regel an ein etwas älteres Publikum richten.

00:32:45: Das liegt in der Natur der Sache.

00:32:47: Es muss für uns immer so ein Konnex zu Willy Brandt haben und das ist das,

00:32:52: was die Arbeit für dieses Haus, für diese Stiftung so wahnsinnig interessant und spannend macht.

00:32:57: Und ich glaube, da spreche ich für die gesamte Stiftung, für alle Mitarbeiter.

00:33:01: Das ist eben, dass die Themen Willy Brandts so unglaublich zeitgemäß sind.

00:33:06: Also sie sind so nah an der Lebenswirklichkeit von uns allen,

00:33:11: ob wir über Flucht und Exil reden, ob wir, damals sagte man Umweltschutz,

00:33:14: heute reden wir über Klima.

00:33:16: Ob wir über Fragen der Mitbestimmung diskutieren, bis hin zu BAföG,

00:33:21: Frauenrechte, Abtreibung.

00:33:23: Also ich könnte unendlich darüber weiterreden, dass diese Themen uns nicht nur

00:33:28: die vergangenen 50 Jahre immer weiter begleitet haben, sondern wir können davon

00:33:32: ausgehen, dass sie uns auch noch sehr, sehr lange, leider sehr,

00:33:36: sehr lange begleiten werden.

00:33:38: Wenn es darum geht, um Themen, die bleiben oder auch wie man Themen aus der

00:33:42: Vergangenheit auf die Gegenwart bezieht und warum sie auch vielleicht wegen

00:33:46: bleibender Bedeutung, aber auch wegen übertragener Bedeutung wichtig für uns sind.

00:33:52: Da würde ich gerne an dem Gedanken ein bisschen dranbleiben und auch nochmal

00:33:55: mit Blick auf Julius Leber darüber sprechen, was und warum man an Menschen wie ihn erinnern sollte.

00:34:02: Und da möchte ich als erstes so einen Punkt ansprechen, der mich beschäftigt

00:34:06: und ich glaube auch andere Leute immer wieder beschäftigt.

00:34:09: Wir haben gerade darüber gesprochen, vor Ihrer Zeit im Willy-Brandt-Haus haben

00:34:13: Sie eben viel zu politischer Verfolgung gearbeitet und trotz der natürlich unterschiedlichen

00:34:18: historischen Umstände.

00:34:20: Gibt es in Ihren Augen etwas, was WiderstandskämpferInnen und andere demokratische

00:34:24: DissidentInnen verbindet?

00:34:26: Also Jujus Leber hat ja zum Beispiel, darüber haben wir gesprochen,

00:34:30: bewusst sich gegen das Exil entschieden und hat auch nach massiven Repressionen

00:34:34: nach seiner Zeit in Haft weitergemacht und am Ende mit dem Leben bezahlt.

00:34:39: Und man muss ja davon ausgehen, dass er sich den Gefahren wahrscheinlich bewusst

00:34:42: war. Und es gab und gibt immer wieder Menschen weltweit, also auch heutzutage,

00:34:47: die sich trotz großer Bedrohung einsetzen für Demokratie, für Freiheit oder

00:34:51: eben auch für Menschenrechte.

00:34:53: Was bringt Menschen dazu, sich aktiv gegen ein Regime zu stellen oder gegen

00:34:57: die Zustände und damit im Zweifelsfall alles, also ihr Leben zu riskieren?

00:35:01: Also ich finde das eine unglaublich schwierige Frage.

00:35:06: Also das beschäftigt uns alle, denke ich, diese Frage.

00:35:10: Und ich höre so ein kleines bisschen hinten so im Echo die Frage nach der Resilienz,

00:35:15: ob sowas eigentlich vielleicht lernbar ist oder lernbar sein könnte.

00:35:20: Und über Resilienz wird zurzeit ja sehr viel gesprochen.

00:35:24: Ich gehöre da jetzt nicht unbedingt zu den großen Vertretern.

00:35:28: Ich habe natürlich auch noch eine vorläufige Antwort.

00:35:31: Ich bin selber in einer Suchbewegung. Aber ich würde doch sagen,

00:35:37: das sind individuelle Entscheidungen,

00:35:42: aufgrund von Unfairness, Ungerechtigkeitserfahrung, aber eben nicht im individuellen Sinne,

00:35:49: sondern es geht um die Beobachtung oder die Erfahrung von Ungerechtigkeit,

00:35:54: Gegen ein Gemeinwohl, also gegen die Idee, die man davon hat,

00:35:58: wie man als Gesellschaft leben möchte.

00:36:00: Es geht nicht darum, dass mein persönliches Recht XY verletzt wird und das muss

00:36:06: aber partout durchgesetzt werden im Gegensatz zu den Rechten von anderen,

00:36:09: sondern es geht um Rechte,

00:36:11: die uns als Ganzes betreffen mit Blick auf die Gesellschaft, in der wir leben wollen.

00:36:16: Ein ganz starkes, zum Beispiel Rechtsstaatlichkeit, also wenn ich an Julius

00:36:19: Leber denke, Freiheit, Julius Leber, Willy Brandt, also es gibt so diese übergeordneten.

00:36:28: Gemeinwohlinteressen, wenn die verletzt werden und dann glaube ich,

00:36:33: das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung, dann glaube ich,

00:36:35: ist das eine Affäre von Sekunden.

00:36:37: Das ist nicht so, darüber man lange nachdenkt, sondern das passiert in dem Moment,

00:36:42: und wenn man diesen Gedanken annimmt, dass das in diesem Moment passiert,

00:36:45: muss man ja nicht, Aber nehmen wir mal an,

00:36:48: dann muss einem eben auch klar sein, dass wenn man sich dagegen entscheidet

00:36:52: oder wenn man sich zum Wegschauen entscheidet, dass damit nichts geholfen ist.

00:36:56: Also es geht dann wirklich um die Aktion.

00:37:00: Und dann muss man für sich selber immer entscheiden, wie weit man geht.

00:37:04: Und es gibt tatsächlich Menschen wie Julius Leber, das hätte auch sippenhaft

00:37:08: für die Familie oder was da alles hätte dranhängen können.

00:37:12: Ich glaube tatsächlich, bei Julius Leber kann man sagen, der konnte nicht raus

00:37:15: aus seiner Haut. Und er hatte eine Frau an seiner Seite, die das verstanden hat.

00:37:20: Da ist eben Überzeugung und Haltung wahnsinnig wichtige Punkte,

00:37:26: die natürlich auch irgendwo herkommen.

00:37:28: Und da wäre meine daran anschließende Frage, ob in diesem Zusammenhang,

00:37:35: die Erinnerungsarbeit wichtig sein kann für uns, für uns heute,

00:37:39: also an Personen wie Jules Leber.

00:37:40: Aber es gibt ja viele, bei denen man in dem Zusammenhang sprechen kann.

00:37:45: Die diesjährige Mittelstudie der FES zeigt nämlich, dass auch in der Mitte der

00:37:49: Gesellschaft mittlerweile es eine Normalisierung gibt von bestimmten antidemokratischen,

00:37:55: aber auch menschenfeindlichen Aussagen.

00:37:57: Glauben Sie, dass so Erinnerungsarbeit und eben an solche Personen und deren

00:38:00: Haltung und Überzeugung zu erinnern, da helfen kann, auch demokratische Einstellungen

00:38:05: in der Gesellschaft zu stützen?

00:38:07: Ja, ich glaube das schon, solange das nicht als Heldengeschichten erzählt und vermittelt wird.

00:38:12: Ich persönlich hadere sogar ein bisschen mit dem Begriff des Vorbilds.

00:38:16: Ich finde das schwierig, das kann auch eine Überfrachtung sein oder werden.

00:38:21: Aber als Inspiration definitiv.

00:38:25: Mir wäre dabei sehr, sehr wichtig, dass auch die Ambivalenzen,

00:38:28: die sich in einer solchen Person befinden oder die eine solche Person ausmachen,

00:38:34: dass die mit wahrgenommen werden, dass über Eigensinn nachgedacht wird,

00:38:38: über Opposition, über Widerstand.

00:38:40: Also es ist auch nicht immer alles gleich Widerstand.

00:38:43: Also da gibt es eine ganze Bandbreite an Reaktionsmöglichkeiten.

00:38:47: Handlungsspielräume halte ich für unglaublich wichtig. Was kann man eigentlich

00:38:50: in welcher Situation machen?

00:38:52: Oder warum hat die Person, über die wir nachdenken, in dieser Person so und

00:38:56: nicht anders gehandelt? Und es gibt keine Zwangsläufigkeit in diesen Situationen.

00:39:01: Und ich denke, das muss klargemacht werden, damit man eben auch über das Gegenteil

00:39:06: nimmt, durch zum Beispiel Opportunismus nachdenken kann.

00:39:09: Also es gibt ja eine ganze Bandbreite an Handlungsmöglichkeiten dabei.

00:39:13: Mit Bezug auf die Mittelstudie muss ich, also ich lese die ja immer,

00:39:18: das ist bestürzend und das muss uns alle umtreiben, das muss uns alle bewegen,

00:39:22: das ist wichtig. Und trotzdem...

00:39:26: Die Beschäftigung und die Auseinandersetzung mit historischen Rollenmodellen

00:39:31: kann nur ein Mosaikstein, was sage ich, ein Mosaiksteinchen sein.

00:39:38: Ich fände es viel wichtiger, Möglichkeiten und Handlungsräume zu schaffen,

00:39:42: in denen positive Erfahrungen mit der Demokratie gemacht werden können.

00:39:47: Im vorpolitischen Raum zum Beispiel.

00:39:50: Also das ist eine Frage, die ich gerade bei unserer Bildungs- und Vermittlungsarbeit

00:39:54: mit mir selber rumtrage. Es ist jetzt nicht so, dass ich sie schon groß ausgebreitet

00:39:57: hätte, aber es kommen meistens dann eben Schülerinnen und Schüler zu uns ins Haus.

00:40:02: Die kommen für eine Stunde, die kommen für einen Tag, die kommen manchmal für eine Woche.

00:40:05: Aber wir wissen nichts über sie. Wir wissen nicht, welche anderen Erfahrungen

00:40:09: sie gesellschaftlich mit Demokratie schon gemacht haben.

00:40:12: Sind sie im Bus gedisst worden, weil sie angeblich die falsche Hautfarbe haben?

00:40:16: Wie steht es um Mitspracherechte in der Familie, in der Schule und so weiter und so fort?

00:40:21: Also ich würde, ohne dass ich da jetzt eine konkrete, richtig feste Antwort

00:40:24: drauf geben kann, würde ich immer sagen, es sind ganz viele kleine Dinge,

00:40:29: kleinere Dinge, einige sind vielleicht auch ein bisschen größer,

00:40:32: aber es kann nicht reichen,

00:40:34: immer die großen Vorbilder hinzustellen.

00:40:37: Das ist nicht anschlussfähig.

00:40:40: In der Bildung ist die Frage, was hat das mit mir zu tun? Da müssen wir hin.

00:40:45: Und das tut weh. Ja, vielen Dank. Ein wichtiger Ansatz und auch einen,

00:40:49: den man wahrscheinlich in einem Museum oder einem Begegnungsort,

00:40:54: einem Lernort, einem Wissensort, wie den Willy Brandhaus gut adressieren kann

00:40:58: und der nicht weniger wichtig wird, sondern eben eine zunehmende Wichtigkeit hat.

00:41:03: Und damit, mit dem Blick auf die Zukunft, möchten wir auch, wie immer am Ende

00:41:08: unserer Sendung, eine Flaschenpost in die Zukunft senden.

00:41:11: Sozusagen Ihre Nachricht an die Zukunft.

00:41:14: Und jetzt ist die Frage, was schreiben Sie rein? Was würden Sie zukünftigen

00:41:17: Generationen sagen, warum sollten Sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen?

00:41:23: Weil Geschichte menschengemacht ist. Und das heißt, Politik ist menschengemacht.

00:41:29: Demokratie ist menschengemacht.

00:41:31: Diktatur ist menschengemacht. Wir sind keine Opfer irgendwelcher größeren Mächte

00:41:39: oder Eliten oder was weiß ich nicht, sondern wir machen das selbst.

00:41:43: Und weil wir das selber machen, machen wir auch unsere Zukunft selbst.

00:41:47: Und das wäre meine Botschaft.

00:41:50: Sehr schön, vielen Dank. Und damit sind wir am Ende der 92.

00:41:54: Folge von Friedrichs Flaschenpost, dem Politik-Podcast aus Norddeutschland von

00:41:58: der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:41:59: Danke euch, liebe Hörerinnen und Hörer, und danke Ihnen, liebe Frau Greiner.

00:42:03: Ich bedanke mich. Wir sprachen heute mit der Historikerin Frau Dr.

00:42:07: Bettina Greiner, der Leiterin des Willy-Brandt-Hauses in Lübeck.

00:42:10: Und das Haus ist übrigens immer geöffnet, von 11 bis 18 Uhr jeden Tag.

00:42:15: Der Eintritt ist frei, also kommt doch gerne mal vorbei.

00:42:19: Tschüss und bis zur nächsten Folge, sagt Stine Klapper von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:42:22: Macht es gut, auch in 2026 und natürlich bleibt politisch.

00:42:29: Friedrichs Flaschenpost, der Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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