Folge 100 „Jubiläumsfolge: Wie steht’s um Bremens Zukunft, Andreas Bovenschulte?"

Shownotes

In dieser runden Jubiläumsfolge feiern wir das hundertste Kapitel unseres Politik-Podcasts. Vielen Dank für die Treue, liebe Hörer*innen! Zum Jubiläum sind ausnahmsweise unsere beiden Hosts Stine Klapper und Christine Strotmann dabei und haben den Bremer Bürgermeister und Bundesratspräsidenten Andreas Bovenschulte (besser bekannt als „Bovi“) zu Gast. Gemeinsam mit ihm werfen sie einen Blick auf Bremen und Bremerhaven heute: die Häfen und die Luft Raumfahrt Szene, die anhaltenden sozialen Herausforderungen und die Visionen, die das Land für die nächsten Jahre prägen sollen. Bovenschulte schildert, wie das Land zwischen wirtschaftlicher Dynamik und sozialer Gerechtigkeit balanciert, welche Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden können und was er für die Zukunft plant – von neuen Investitionen und einem Aufschwung, der den Sozialstaat finanziert. Daneben teilt er persönliche Anekdoten aus seiner Kindheit und zeigt, dass hinter Politik nicht nur Zahlen, sondern auch Menschen und ihre Geschichten stehen. Wenn ihr zudem hören wollt, wie das kleine Bundesland im Norden große politische und wirtschaftliche Impulse setzen kann – hört rein!

Noch ein Veranstaltungstipp: Die nächste Flaschenpost nehmen wir live in Hamburg auf! Am 10. November diskutieren wir mit Gesine Schwan und Julia Reuschenbach folgende Frage: Wird Demokratie zur Dienstleistung? Seid dabei! https://www.fes.de/veranstaltungen/veranstaltungsdetail/292499

Transkript anzeigen

00:00:01: Friedrichs Flaschenpost, der Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:00:07: Herzlich willkommen zu Friedrichs Flaschenpost, dem Politik-Podcast aus Norddeutschland

00:00:11: von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:00:13: Vielen Dank, dass ihr eingeschaltet habt, sagen am Mikrofon Christine Strotmann

00:00:17: und Stine Klapper aus dem Regionalbüro Nord der FES.

00:00:20: Ja, heute sind wir beide dabei, Christine und Stine, und das hat auch einen Grund.

00:00:24: Wir nehmen nämlich heute eine ganz besondere Folge auf, die hundertste Flaschenpost.

00:00:28: Juhu! Und das wollen wir uns beide nicht entgehen lassen.

00:00:33: Friedrichs Flaschenpost gibt es nämlich schon seit 2019, als noch Dietmar Molthagen

00:00:38: als erster Moderator auf Sendung gegangen ist. Liebe Grüße an dieser Stelle.

00:00:42: Wir haben in den Jahren mit vielen spannenden Menschen aus und zu Norddeutschland gesprochen.

00:00:47: Es ging um politische Probleme und Ideen, um die Vergangenheit,

00:00:51: um die Gegenwart, um die Zukunft.

00:00:53: Darum, wie viel Engagement bei uns in Norddeutschland stattfindet.

00:00:57: Und einmal ging es sogar um Fußball, oder Christine? Exakt.

00:01:00: Wir merken immer wieder, wie viele tolle Leute es hier im Norden gibt und freuen

00:01:04: uns jetzt schon auf die nächsten 100 Gäste.

00:01:07: Und heute zum 100. freuen wir uns sehr über unseren Jubiläumsgast.

00:01:11: Genau, und zwar auf den Bürgermeister und Präsidenten des Bremer Senats und

00:01:15: Bundesratspräsidenten Andreas Bovenschulte. Moin, Bovi.

00:01:20: Moin, Christine, moin, Stine. Toll, dass ihr mich zu den bedeutenden und interessanten

00:01:24: Leuten im Norden zählt. Das freut mich. Ich bin gerne in eurer Show.

00:01:28: Vielen Dank, dass du heute unser Special Guest bist.

00:01:30: Bis beziehungsweise dass wir bei dir im Bremer Rathaus zu Gast sein dürfen.

00:01:34: Ja, das ist total nett, dass ihr hier seid. Ich freue mich immer,

00:01:37: wenn ich Besuch kriege hier.

00:01:39: Ja, und wir sind ja auch nicht das erste Mal da. Also zumindest Friedrichs Flaschenpost

00:01:43: ist nicht zum ersten Mal da. Die ganz treuen Hörerinnen, die wissen das natürlich,

00:01:46: dass du schon in Folge 4 zu Gast warst. Das ist schon ein paar Jährchen her.

00:01:51: Also haben wir heute noch ein paar andere Dinge zu besprechen.

00:01:54: Aber für die, die dich vielleicht doch noch nicht so gut kennen,

00:01:56: noch mal eine klitzekleine Vorstellung.

00:01:58: Bovi, du stammst eigentlich aus Niedersachsen und bist aber schon zum Studium

00:02:02: hier nach Bremen gekommen, hast dann Jura studiert, bist also Jurist geworden

00:02:06: und vor deiner Amtszeit in Bremen warst du auch schon einmal Bürgermeister und zwar in Weyhe.

00:02:11: Seit 2019 bist du nicht nur einer der Podcast-Gäste von Friedrichs Flaschenpost,

00:02:15: sondern eben auch Bremer Bürgermeister und als Ministerpräsident des Bundeslandes

00:02:20: bist du gerade noch bis Ende Oktober auch der Bundesratspräsident.

00:02:23: Viele kennen das vielleicht schon von dir. Du spielst Gitarre.

00:02:27: Und was die meisten wahrscheinlich auch wissen ist, du bist relativ groß.

00:02:30: Ich glaube so an die zwei Meter, ne?

00:02:32: Ja, 1,99. Obwohl gut, wenn man jetzt etwas älter wird, dann schrumpft man vielleicht.

00:02:36: Aber ich glaube, es war nach der letzten Messung immer noch 1,99.

00:02:39: Ja, dann wollen wir auch mal loslegen hier. Und wir fangen einfach mal hier in Bremen an.

00:02:44: Und zwar unsere erste Frage ist, wenn du auf Reisen jemanden treffen solltest,

00:02:48: was ja ab und zu vielleicht passiert, der oder die noch nicht in Bremen war.

00:02:52: Wie beschreibst du denn dein Bundesland?

00:02:55: Wir sind ein ganz wunderbares, tolles, herausragendes Bundesland.

00:03:00: Was sich unbedingt lohnt zu besuchen und natürlich auch hier zu leben.

00:03:03: Aus zwei Städten mit ganz eigener Charakteristik und eigenem Charakter.

00:03:09: Sehr weltoffen, muss man sagen, hier ist die Welt zu Gast.

00:03:13: Ganz, ganz vielfältige Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.

00:03:18: Wir sind natürlich die Stadt und das Land, wo Zusammenhalt groß geschrieben

00:03:22: wird, weil wir sind die Stadt der Stadtmusikanten und bei denen weiß man ja,

00:03:26: die haben die Räuber nicht alleine verjagt, sondern nur, weil sie zusammengehalten haben.

00:03:32: Und was viele nicht wissen, ist, wir sind auch einer der größten deutschen Autostandorte.

00:03:37: Wir haben eine herausragende Uni.

00:03:39: Wir sind die Stadt der Luft- und Raumfahrt.

00:03:42: Hier werden Raketen und Satelliten hergestellt.

00:03:45: Natürlich lebenslang grün-weiß. Also es gibt so viel, merkt ihr.

00:03:49: Und eigentlich kann man nur sagen, wir sind echt ein cooles Land, in dem man gerne ist.

00:03:55: Und wie ist so das Regieren dieses Bundeslands, vor allem dieses Zwei-Städte-Staats,

00:03:59: das ist ja schon was Besonderes.

00:04:01: Ja, das ist was Besonderes und sagen wir mal, Regieren in den heutigen Zeiten.

00:04:06: Ist ja nicht die leichteste Aufgabe, war es wahrscheinlich noch nie.

00:04:09: Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen, aber es macht natürlich grundsätzlich

00:04:14: viel Spaß, was das Tolle in unserem Land ist, der direkte Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern.

00:04:19: Ich mache regelmäßig Bürgerversammlungen, da laden wir breit so ein und die

00:04:24: stehen unter dem inoffiziellen Titel Schlag den Bürgermeister.

00:04:27: Und da wird dann drei bis vier Stunden so lange diskutiert, bis wirklich jede Frage gestellt wurde.

00:04:35: Und das macht schon richtig Spaß, weil das ganz niedrigschwellig ist und die

00:04:39: Leute kommen mit allem, was ihnen auf dem Herzen liegt.

00:04:41: Und da denke ich immer, das hast du möglicherweise in einem Flächenland nicht so.

00:04:46: Das macht den besonderen Reiz und den besonderen Charme im Land wie Bremen aus.

00:04:51: Du hast ja schon sehr viele der Stärken des Bundeslandes benannt.

00:04:55: Ich glaube, da müssen wir der Vollständigkeit halber aber doch auch einmal nachfragen,

00:04:59: wo siehst du denn vielleicht die Schwächen in Bremen und Bremerhaven?

00:05:02: Naja, wenn man mal in die Vergangenheit guckt, dann hat sich Bremen ja bis Mitte

00:05:07: der 70er Jahre total wirtschaftlich und sozial im Einklang mit der sonstigen

00:05:13: Bundesrepublik entwickelt.

00:05:15: Und dann ist es zum Urknall in negativer Hinsicht gekommen, sage ich immer.

00:05:20: Innerhalb von ein paar Jahren sind rund 30.000 Jobs in Industrie und Baugewerbe

00:05:25: weggefallen, fast jede vierte Stelle.

00:05:29: Und das hat dann dazu geführt, dass wir seit Anfang der 80er Jahre oder seit

00:05:34: Mitte der 80er Jahre plötzlich eine viel, viel höhere Arbeitslosenquote als

00:05:39: im Bundesdurchschnitt hatten.

00:05:40: Und das war im Prinzip der Beginn vieler sozialer und struktureller Probleme in Bremen.

00:05:46: Und das hat sich dann auf unsere Sozialstruktur ausgewirkt, auf die Armutsquote,

00:05:49: auf die Frage, wie viele Steuereinnahmen haben wir, auf unsere Finanzsituation

00:05:54: und so weiter und so fort.

00:05:55: Insofern muss man ganz klar sagen, die Schwäche Bremens ist, dass wir ein starker

00:06:00: Wirtschafts- und Industriestandort sind, aber gleichzeitig

00:06:04: immer noch eine schwierige Sozialstruktur haben, hohe Arbeitslosigkeit, eine hohe Armutsquote.

00:06:11: Und das sozusagen zusammenzubringen oder umgekehrt formuliert,

00:06:15: unsere große wirtschaftliche Stärke dann auch in ein gutes Leben für alle Bremerinnen

00:06:21: und Bremer in Bremen und in Bremerhaven umzusetzen.

00:06:24: Das ist die Herausforderung und dass uns das bisher nicht vollständig gelungen

00:06:29: ist, sondern bis hin die Schwäche.

00:06:31: Du hast es ja schon ein paar Mal verglichen mit anderen Bundesländern.

00:06:35: Es ist sicherlich ganz anders da zu regieren zum Beispiel oder eben auch sowas

00:06:39: wie einen Haushalt aufzustellen und anzuwenden.

00:06:42: Du guckst jetzt fast auf ein Jahr Bundesratspräsidentschaft schon zurück,

00:06:47: aber bist natürlich auch vorher als Ministerpräsident im Bundesrat aktiv.

00:06:51: Wie ist das da eigentlich so, wenn man so ein kleines Bundesland wie Bremen vertritt?

00:06:55: Also wie müssen wir uns das vorstellen? So ein Bundesratstreffen kommen dann

00:06:58: so NRW und Bayern und sind dann so, weil die so besonders groß sind,

00:07:01: besonders dominant und die Kleinen müssen sich dann eher zusammentun oder wie

00:07:04: läuft das so ab? Aber es ist immer gut, wenn sich die Kleinen zusammentun.

00:07:08: Der Starke ist am stärksten allein. Vereint sind auch die Kleinen mächtig,

00:07:12: hieß es ja bei Wilhelm Tell.

00:07:14: So ähnlich jedenfalls. Nein, das Schöne ist ja, dass wir einen Föderalismus

00:07:18: haben, der zwar, nimmt man den Bundesrat, eine gewisse Differenzierung vorsieht.

00:07:23: Drei Stimmen und sieben Stimmen das Größte.

00:07:27: Aber natürlich letztendlich von der Kommunikation auf Augenhöhe ausgeht.

00:07:31: Das ist in der Ministerpräsidentin- und Ministerpräsidentenkonferenz genauso.

00:07:35: Also da ist es nicht so, dass man sich klein machen muss, aber machen wir uns

00:07:40: nichts vor. Der faktische politische Einfluss Bremens lässt sich mit dem Nordrhein-Westfalens

00:07:45: und Bayerns natürlich nicht vergleichen. Da würde man sich was vormachen.

00:07:49: Das ist schon eine Frage auch der Verwaltungspotenz, wo bei uns eine Viertelstelle

00:07:55: für eine Aufgabe zuständig ist, haben die großen Länder zwei Referate und können

00:08:00: das natürlich ganz anders bearbeiten.

00:08:01: Ja, also der Fairness halber vertreten die natürlich auch viel mehr Bürgerinnen und Bürger.

00:08:06: Insofern hat das vielleicht ja auch eine Berechtigung.

00:08:11: Apropos Bundesratspräsidentschaft, wir erwischen dich ja jetzt hier in deinen letzten Tagen im Amt.

00:08:16: Ihr habt vor einigen Tagen, auch Wochen, den Tag der Deutschen Einheit ausgerichtet.

00:08:21: Was hat das für das Bundesland Bremen bedeutet?

00:08:24: Ich denke, das war eine richtig gelungene Veranstaltung. Also ich habe praktisch

00:08:28: niemanden getroffen, der uns das nicht zurückgespiegelt hat.

00:08:31: Und die Menschen, die ich während des Tages der Deutschen Einheit getroffen

00:08:34: habe, also ganz normale Bürgerinnen und Bürger, haben das auch alle so gesagt,

00:08:38: das war richtig eine tolle Feier inhaltlich.

00:08:42: Und von der Stimmung her, vom Gottesdienst über den Festtag bis hin zum Bürgerfest,

00:08:47: da haben wir gezeigt, dass man,

00:08:50: den Tag der Deutschen Einheit in all seiner Vielfältigkeit sehr freudig und

00:08:55: positiv und entspannt, piecig feiern kann.

00:09:00: Und damit tatsächlich das umgesetzt hat, was wir in unserem Slogan gesagt haben.

00:09:04: Viele stärken ein Land. Und man hat also den Tag der Einheit gefeiert,

00:09:09: ohne irgendeine Form von nationalistischer Besoffenheit oder Ausgrenzung zu

00:09:13: haben, sondern man war stolz darauf und,

00:09:16: man war stolz auf Einigkeit und Recht und Freiheit und hat es eben verknüpft,

00:09:22: mit Vielfalt, die zusammenkommt.

00:09:23: Und das hat mir sehr, sehr gut gefallen. Na gut, das gute Wetter hat auch dazu

00:09:27: beigetragen. Das will ich jetzt nicht.

00:09:30: Das ist ja hier immer so. Das ist natürlich immer so.

00:09:34: Also es hat geregnet, dann waren drei Tage Sonne, danach hat es wieder geregnet.

00:09:38: Das war richtig gut. Also insofern denke ich, haben wir da eine gute Visitenkarte hinterlassen.

00:09:43: Haben Bremen toll repräsentiert. Mein Nachfolger, Hendrik Wüst,

00:09:48: hat gesagt, ihr seid das kleinste Land, aber ihr wart der großartigste Gastgeber

00:09:52: bei der Übergabe des Staffelstabs.

00:09:54: Ich habe gesagt, dem habe ich nichts hinzuzufügen.

00:09:56: Und dabei bleibt es. Mal gucken, was das größte Land dann macht.

00:10:00: Ja, ich denke, NRW wird das auch superklasse machen in Düsseldorf.

00:10:04: Ich weiß gar nicht, wo sie es machen.

00:10:06: Aber ich freue mich eben, dass man genau das zum Ausdruck gebracht hat,

00:10:10: dass 500.000 oder mehr als 500.000 Leute hier in Bremen dabei waren.

00:10:15: Ein bisschen ist das ja auch immer die Selbstbehauptung eines kleinen Bundeslandes

00:10:20: im Föderalismus. Und die muss dann natürlich auch funktionieren.

00:10:27: Vielen Dank, Bovi, bis hierher. Wir würden jetzt einen kleinen Cut machen und

00:10:31: das kennst du vielleicht oder erinnerst du vielleicht auch noch.

00:10:34: In unserem Podcast ist es ja üblich, dass wir zwischendurch auch ein kleines

00:10:37: Spiel spielen. Friedrich fragt.

00:10:39: Die Regeln sind wirklich sehr einfach. Wir spielen das klassische Entweder-oder-Fragen-Spiel

00:10:43: bitte spontan und mit einer Antwort antworten.

00:10:48: Alles klar? Okay, los geht's. Wenn du nicht Jurist und Politiker geworden wärst,

00:10:53: wärst du lieber Geigen- oder Schiffsbauer geworden?

00:10:56: Schiffsbauer. Nehmen wir an, Wiedergeburt wäre eine Option. Wärest du lieber

00:11:01: ein Vogel oder ein Fisch? Vogel.

00:11:04: Wir können es hier sehen, die HörerInnen aber natürlich nicht.

00:11:07: Aufgeräumter Schreibtisch oder produktives Chaos?

00:11:10: Produktives Chaos. Alles andere wäre gelogen. Wir können es bestätigen.

00:11:16: Fährst du durch Bremen lieber mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn? Ich gehe zu Fuß.

00:11:21: Im Flugzeug lieber neben Friedrich Merz oder Markus Söder sitzen.

00:11:26: Das ist eine gute Frage. Ich habe ja mehr mit Friedrich Merz zu tun.

00:11:30: Okay, ist auch eine Antwort.

00:11:33: Lieber ein Fischbrötchen an der Schlachte oder ein Kaffee im Viertel?

00:11:37: Fischbrötchen. Wenn du sprichst, lieber mit Redemanuskript oder frei sprechen?

00:11:43: Auch je nachdem, aber lieber frei. In einer idealen Fußballwelt würde da Werder

00:11:48: knapp in der Nachspielzeit gewinnen oder souverän mit 3 zu 0?

00:11:52: Knapp in der Nachspielzeit, das sind die Wunder von der Weser.

00:11:59: Vielen Dank für deine sehr spontanen Antworten und ein bisschen kennen wir jetzt

00:12:04: Andreas Bovenschulte dadurch schon, aber wir wollen natürlich noch mehr wissen

00:12:06: und haben noch ein paar Fragen zu dir und zu deinem Weg mitgebracht.

00:12:10: Und als erstes möchten wir gerne wissen, seit wann wirst du eigentlich Bovi genannt?

00:12:15: Also alle kennen dich unter diesem Spitznamen und wir haben uns gefragt,

00:12:18: ob du auch als Kind schon so hießt oder hießt du auch mal Andi oder wie haben

00:12:21: dich deine Eltern genannt?

00:12:22: Das ist ganz interessant. Also mein Großvater wurde auch schon Bovi genannt

00:12:27: und mein Vater wurde auch Bovi genannt und ich habe es dann als Ältester übernommen.

00:12:33: Also erst schon, solange ich denken kann.

00:12:36: Andi wurde ich eigentlich nie genannt. Es gibt einen einzigen,

00:12:39: der immer zwischendurch mal Andi gesagt hat während der ganzen Corona-Diskussion an der MPK.

00:12:44: Stephan Weil, ehemaliger niedersächsischer Ministerpräsident,

00:12:47: der sagte immer, Andi, fand ich interessant und irgendwann ist er dann auch

00:12:50: umgeschwenkt, aber das kenne ich sonst eigentlich nicht.

00:12:52: Und wenn wir dann wirklich zurückgucken, so in deine Kindheit und Jugend vielleicht,

00:12:56: hättest du dir damals schon vorstellen können, dass du mal Bremer Bürgermeister

00:13:00: oder ein ähnliches Amt einnehmen würdest?

00:13:02: Natürlich, was glaubt ihr? Da ist man fünf Jahre und dann denkt man nichts anderes,

00:13:07: als dass man Bremer Bürgermeister wird.

00:13:10: Nee, ich glaube, irgendwie habe ich da an andere Sachen gedacht.

00:13:14: Was denkt man, wenn man fünf ist, wo das nächste Eis herkommt oder so?

00:13:18: Wahrscheinlich wolltest du Pilot werden. Nee, Pilot wollte ich nicht werden.

00:13:21: Ich habe interessanterweise, obwohl ich dann hinterher auch Zivildienstleister

00:13:25: geworden bin, haben meine Eltern gesagt, ich habe als Kind irgendwelche Kompanien

00:13:29: gemalt mit irgendwelchen Marinesoldaten oder Ähnliches.

00:13:34: Ich habe die Bilder nie wiedergefunden, aber ich soll das gemacht haben.

00:13:38: Aber meine Mutter sagt, die sahen alle aus wie Oberförster. Deshalb war das

00:13:41: auch irgendwie dann doch ganz pazifistisch orientiert.

00:13:46: Gut, dass das nochmal klargestellt wird. Ich wollte aber Kapitän werden und

00:13:50: ich wollte tatsächlich in der Marine Kapitän werden.

00:13:54: Und als ich dann etwas älter wurde, hatte ich auch so eine klare Vorstellung.

00:13:57: Ich weiß nicht, manchmal haben Kinder sowas. Ich wollte Kapitän zur See werden.

00:14:01: Das ist ja ein bestimmter Dienstgrad.

00:14:03: Im Heer wäre das Oberst, aber aus irgendeinem Grund wollte ich Kapitän zur

00:14:07: See, weil ich mitgekriegt habe, das sind diejenigen, die die dicken Pötte fahren.

00:14:11: Also was da drunter ist, musste die kleinen Schiffe fahren. Und was da drüber

00:14:15: ist, so stellte ich mir vor, hat nur rumgesessen im Büro, also Admiral und hat irgendwelche...

00:14:21: Irgendwas gemacht, das konnte man sich als Kind nicht vorstellen,

00:14:23: aber die, die die großen Schiffe gefahren haben, Kapitän zur See,

00:14:27: und da hat sich bei mir eingeprägt, Kapitän zur See, das ist das, was ich werden will.

00:14:31: Na gut, also ich glaube, ich habe damals nicht so richtig verstanden.

00:14:36: Die Ordnung von Dienstgraden, aber manchmal sind Kinder ja so, die schnappen was auf.

00:14:40: Bis zum Wasser hast du es ja geschafft, aber dann nicht ganz rauf.

00:14:44: Aber was hat dich denn dann schlussendlich politisiert? Also sicherlich nicht

00:14:48: als Fünfjähriger, aber irgendwann kam doch wahrscheinlich so ein Moment,

00:14:51: wo du dich dann mehr interessiert hast und in diese Richtung eingeschlagen hast.

00:14:55: Ich komme aus einer sozialdemokratischen Familie. Mein Vater war 40 Jahre lang

00:15:00: Mitglied im Rat der Stadt Elze.

00:15:02: Und ich habe noch frühe Erinnerungen in den 70er Jahren, ich bin ja Jahrgang

00:15:07: 65, wo dann bei uns zu Hause bei Geburtstagen oder sonstigen Sachen kamen die

00:15:13: Herren damals. Das waren ausschließlich Herren.

00:15:15: Und zu Geburtstagen oder sonstigen Sachen von meinem Vater. Und dann wurde politisiert

00:15:20: und wurde da gesessen. Und damals wurde auch furchtbar viel geraucht und auch Zigarre.

00:15:24: Das fand ich nicht so schön, aber ich fand es faszinierend, obwohl ich das ja

00:15:28: nicht verstanden habe, wie wir über die redeten, dass da offensichtlich wichtige

00:15:33: Dinge waren und besprochen wurden.

00:15:35: Und das hat mich dann begonnen mit, und das ist ganz interessant,

00:15:41: ich habe mit elf oder mit zwölf, weil wir den abonniert hatten,

00:15:44: regelmäßig begonnen, den Spiegel zu lesen.

00:15:47: Fand ich auch ungewöhnlich im Rückblick. Und habe mich dann so in der Schule,

00:15:51: in der Schülerzeitung engagiert.

00:15:54: Das war auch Politisierung, war die Zeit der Friedensbewegung.

00:15:58: Und habe dann irgendwann angefangen, bei den Jusos aktiv zu werden.

00:16:01: In Elze, im Landkreis Hildesheim und dann auch im Landkreis selber.

00:16:05: Das war im Prinzip meine Politisierung.

00:16:09: Du bist ja jetzt schon eine Weile Bürgermeister und deine Partei hat dich auch

00:16:13: wieder zum Spitzenkandidaten aufgestellt. Das heißt, du willst es anscheinend bleiben.

00:16:18: Machst du es immer noch richtig gerne? Ja, absolut. Es ist ganz hervorragende

00:16:24: Tätigkeit. Also nicht immer.

00:16:27: Manchmal sitzt man auch zu Hause und denkt, warum tust du dir das an,

00:16:31: wenn man gerade wieder mal volle Breitseite von Kritik von allen Seiten gekriegt

00:16:34: hat und das bleibt ja nicht aus.

00:16:37: Dann ist es aber auch so, dass man denkt, boah, was für ein tolles Land,

00:16:42: was für tolle Städte, was für Möglichkeiten hat man dann doch auch der Gestaltung.

00:16:48: Und wenn dann solche Sachen wie der Tag der Deutschen Einheit klappen,

00:16:50: dann ist man natürlich ganz beseelt, aber auch, wenn man merkt.

00:16:54: Mann, der Bund investiert jetzt 1,35 Milliarden in die Häfen und im März und

00:16:59: Euro geht nochmal eine Milliarde.

00:17:01: Vielleicht kriegen wir jetzt tatsächlich den Turnaround wieder hin,

00:17:04: nachdem Bremerhaven so viel abgekriegt hat,

00:17:08: dass mit den ganzen Investitionen das, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten

00:17:12: auch schon wieder erreicht wurde im Bereich Tourismus und anderen Sachen, dass wir da nochmal,

00:17:16: mit den Häfen weiter nach vorne pushen.

00:17:18: Und das sind dann die Sachen, die mich begeistern. Und wenn ich mal abends,

00:17:22: wenn keine Veranstaltung ist, in der oberen Halle stehe, alles ist ganz ruhig,

00:17:26: 21.30 Uhr, man hat ja noch lange was im Büro zu tun.

00:17:29: Und dann guckt man sich um und steht da voller Ehrfurcht in diesem 600 Jahre

00:17:34: alten Gebäude oder 620 Jahre alten Gebäude und denkt man, boah,

00:17:39: ist schon ein super, super Job.

00:17:42: Ich sage jetzt nicht der schönste nach Papst, weiß gar nicht,

00:17:44: ob Papst so ein schöner Job ist.

00:17:45: Das finden wir heute nicht mehr raus. Du machst den Job hier in Bremen ja jetzt

00:17:49: auch schon seit 2019, haben wir vorhin ja schon gesagt.

00:17:52: Was hat sich seitdem verändert in deiner Wahrnehmung?

00:17:55: Da hat sich natürlich ganz viel verändert. Ich war ja am Anfang voll davon geprägt,

00:17:58: die Situation, man tritt an, August 2019 und dann ab März 2020 war ja alles ganz anders.

00:18:07: The world turned upside down mit Corona.

00:18:10: Und da muss man sich vorstellen, dann war ja anderthalb Jahre eigentlich Corona

00:18:14: das absolut dominierende Thema.

00:18:16: Und das war wie in so einer Zeit, dass alle anderen Themen, die wichtig sind,

00:18:20: von Wirtschaft über Bildung, über innere Sicherheit, die jetzt schon bearbeitet wurden.

00:18:25: Aber es war immer Corona, was im Vordergrund stand und das hat sich zum Glück

00:18:31: verändert. Also die Politik in ihrer ganzen Breite hat dann ja seit 2022 wieder

00:18:37: ihr Recht eingefordert.

00:18:39: So und dann kam natürlich eins nach dem anderen, dann kam der Ukraine-Krieg

00:18:43: und dann kam die Energiepreiskrise und dann kam die Inflation und die konjunkturelle

00:18:49: Schwäche und der Angriff auf den Iran und dann denkt man immer, oh man.

00:18:55: Kommen wir irgendwann aus der Polykrise auch nochmal raus, sodass man tatsächlich

00:19:01: wieder ordentlichen Wirtschaftsaufschwung hat und sich sozial alles verbessert.

00:19:05: Das hat sich schon verändert, aber gerade jetzt in den letzten Monaten sehe

00:19:10: ich einfach auch die positiven Anzeichen und ich bin voller Hoffnung und auch

00:19:15: optimistisch, dass doch jetzt wieder eine längere Aufschwungperiode vor uns liegt.

00:19:20: Und nun muss man natürlich hart für arbeiten, aber das können wir auch hinkriegen.

00:19:24: Das hoffen wir alle. Du hast ja beschrieben, was für wilde Zeiten es sind und

00:19:28: wie viel sich verändert hat in der Zeit, in der du auch jetzt schon Bürgermeister bist.

00:19:32: Hast du dich dann auch verändert, so ganz persönlich? Ja, ich glaube,

00:19:36: die Haare sind noch grauer und weniger geworden.

00:19:39: Und ja, man lernt ja auch dazu, das würde ich schon sagen.

00:19:43: Bevor ich angefangen habe, war mir die Härte der Bundespolitik nur aus der Zuschauerrolle

00:19:51: bekannt. Und jetzt als Ministerpräsident oder Präsident des Senats ist da

00:19:56: schon was anderes. Und das macht was mit einem.

00:19:59: Allerdings auch, kann man fast sagen, in positiver Hinsicht.

00:20:02: Also eine Schlagzeile, ein schlechter Kommentar, eine üble Beschimpfung auf

00:20:09: Social Media, die mir früher dann noch den Nachtschlaf geraubt hätten.

00:20:14: Och, das nehme ich jetzt zur Kenntnis. Dann gehe ich ins Bett,

00:20:17: drehe mich zur Seite und kann dann trotzdem unproblematisch pennen.

00:20:20: Also da verändert man sich schon, man ist nicht ganz frei davon,

00:20:24: dass einen das belastet,

00:20:26: aber man lernt natürlich auch, dass man Sachen einfach aushalten muss und nicht

00:20:32: so hart nehmen darf, wie man das vielleicht früher gemacht hat.

00:20:37: Und meine Frau sagt immer, ihr seid da ja trainiert. Wenn ich einmal so durch

00:20:40: die Öffentlichkeit gezogen würde, wie das bei dir der Fall ist,

00:20:43: dann würde ich mich aber bedanken.

00:20:45: Und ich kann das nachvollziehen, weil 2019 hatte ich diese Erfahrung auch noch nicht.

00:20:53: Die braucht man wahrscheinlich wirklich, um diesen Job auszuüben.

00:20:57: Kommen wir jetzt wieder zurück zu Bremen und Bremerhaven, wo wir vorhin ja schon mit begonnen haben.

00:21:02: Wir haben ja schon darüber gesprochen, über die Stärken und Schwächen des Bundeslands,

00:21:06: wo du sie siehst. Und wir wollen auch noch ein bisschen nach vorne blicken.

00:21:09: Und wenn man heutzutage nach vorne blickt, ist das sicherlich ein Thema,

00:21:12: was viele Menschen umtreibt, uns auf jeden Fall, dich sicherlich auch,

00:21:16: und zwar in der ganzen Republik.

00:21:17: Aber es ist die Frage, wie es um unsere Demokratie steht. Also unsere Demokratie

00:21:22: steht unter Druck, das wissen wir alle.

00:21:24: Wie ist das hier in Bremen? Wie empfindest du das? Wie ist die Situation?

00:21:29: Die Grundsituation in Bremen ist natürlich nicht völlig anders als die in Deutschland insgesamt.

00:21:34: Wir haben ja eine merkwürdige Situation.

00:21:39: Also wir haben in der Vergangenheit Situationen in Gesellschaften erlebt.

00:21:44: Da gab es furchtbare Krisen, Einbruch der Wirtschaft um 20 Prozent,

00:21:48: Massenarbeitslosigkeit von 20, 25 Prozent.

00:21:52: Und das hat Gesellschaften zerrissen, also Beispiel Weimarer Republik und der

00:21:56: Aufstieg des Nationalsozialismus.

00:21:58: Jetzt sind wir in einer Gesellschaft, wo man sagt, naja, das ist nicht gut gelaufen,

00:22:03: seit 2019, aber eine fundamentale Verschlechterung der Lebensverhältnisse,

00:22:09: hat es ja jetzt auch nicht gegeben, ausweislich aller objektiven Daten für die

00:22:13: Mehrheit der Bevölkerung.

00:22:14: Das ist immer für bestimmte Gruppen anders.

00:22:18: Aber wir haben ja nicht jetzt eine Verdopplung der Arbeitslosigkeit gehabt.

00:22:22: Wir haben nicht einen riesigen Wirtschaftseinbruch. Also ich habe mir nochmal

00:22:26: die Zahlen angeguckt. Und kann man sagen, seit 2019 ist die Stimmung der Menschen,

00:22:32: ist die Zahl der Menschen in Bremen, die Grundsicherung beziehen,

00:22:36: nach SGB II, also früher Bürgergeld, ist um ein paar tausend zurückgegangen im Land.

00:22:40: Zurückgegangen, nicht gestiegen, obwohl wir jede, also auf hohem Niveau, aber zurückgegangen.

00:22:46: Und trotzdem haben wir eine Stimmung im Land, die glaubt oder die Leute sind

00:22:52: davon überzeugt oder viele, es ist alles furchtbar und es wird alles noch viel furchtbarer.

00:22:56: Und aus dieser Verunsicherung und aus dieser Deutung der Realität ziehen sie

00:23:01: dann den Schluss, es muss alles ganz anders werden.

00:23:03: Und die Demokratie und die Eliten, die es da gibt und die ganz vielen Migrantinnen

00:23:09: und Migranten, die sind schuld daran, dass das Leben sich so verschlechtert

00:23:12: hat und deshalb unterstützen wir Parteien wie die AfD. So ein bisschen holzschnittartig formuliert.

00:23:18: Und das gibt es natürlich in der Tendenz genauso in Bremen. Ich würde sagen,

00:23:22: weniger ausgeprägt als in vielen ostdeutschen Ländern.

00:23:24: Dazu ist Bremen zu sehr eine liberale Großstadt und auch geprägt von Menschen

00:23:30: mit Migrationshintergrund.

00:23:31: Aber ich würde nicht bestreiten, dass es das hier auch gibt und das sieht man

00:23:34: ja auch an Wahlumfragen, dass wir uns damit auch rumplagen müssen.

00:23:37: Also ja, Demokratie steht unter Druck und deshalb müssen wir auch ganz klar

00:23:43: eine Doppelstrategie anwenden, damit wir uns dem erwehren können.

00:23:49: Harte politische Auseinandersetzung und harte juristische Auseinandersetzung.

00:23:53: Auch nochmal zum Phänomen insgesamt. Klar, es ist nicht nur Bremen,

00:23:57: was vor dieser Herausforderung steht.

00:23:59: Es ist tatsächlich auch hier nicht nur Deutschland, was vor dieser Herausforderung steht.

00:24:02: Es ist in ganz Europa und weltweit ja ein Problem.

00:24:05: So ist das. Einen globalen Rechtsruck haben wir. Denkst du, dass du und ihr

00:24:09: auf der Ebene, hier eben auf der Bremer Ebene, auf der Bundeslandebene,

00:24:13: als Regierung oder überhaupt aus der Politik, aus der Elite,

00:24:16: wie du das ja beschrieben hast, was sind da Dinge, die ihr machen könnt,

00:24:20: um eben auch vor Ort vielleicht was an diesem Phänomen zu drehen?

00:24:24: Es gibt immer zwei Wege, die Welt zu betrachten. Strukturalistisch und handlungsorientiert.

00:24:29: Und die Strukturalisten sagen, die langen Linien, die gesellschaftlichen Wirkkräfte,

00:24:33: und wenn man sich das anhört, dann kann man im Prinzip nie etwas machen.

00:24:37: Dann beschreibt man, dass seit Anfang der 80er Jahre mit Beginn der neoliberalen

00:24:42: Revolution von Thatcher und Reagan sich die Dinge so fundamental verändert haben

00:24:47: für progressive Kräfte.

00:24:48: Niedergang des gewerkschaftlichen Organisationsgrades, Entfesselung der Marktkräfte,

00:24:54: Schwächung staatlicher Regulierung, Zunahme sozialer Ungleichheit.

00:24:59: Wenn ich die strukturellen Bedingungen und Veränderungen mir angucke,

00:25:03: dann sage ich, ja, nach dem langen Zyklus seit 1945, wo es bis Ende der 70er

00:25:10: Jahre ein Aufschwung ist.

00:25:11: Global der politischen Linken gab, sind wir seit Anfang der 80er Jahre in einem

00:25:17: langen Zyklus des politischen Niedergangs der gesellschaftlichen Linken im weiteren Sinne.

00:25:22: Immer mal mit Ausschlägen und Verzögerung, Retardierung, also was man alles kennt.

00:25:27: Tendenzen sind ja nie durchgängig. So das ist die strukturalistische Sichtweise,

00:25:30: in dem Zyklus befinden wir uns jetzt noch, des globalen Niedergangs progressiver

00:25:35: Kräfte. Und wenn ich das strukturalistisch sehen würde, würde ich sagen,

00:25:38: kann man ja gar nichts gegen machen.

00:25:39: Sind ja alles überwältigende gesellschaftliche Basistendenzen.

00:25:43: Und jetzt kommt die Erfahrung, dass ja nichts in der Geschichte vorherbestimmt

00:25:48: ist, dass ja immer wieder deutlich wurde, in den letzten tausend Jahren,

00:25:52: in den letzten hundert Jahren, was auch immer,

00:25:55: dass es immer wieder gesellschaftliche Brüche gibt, weil in der Tiefe der Gesellschaft

00:25:59: durch das Handeln vor Ort, durch das Handeln konkreter Menschen,

00:26:03: plötzlich wieder andere Perspektiven deutlich wurden, andere Konstellationen

00:26:07: sich herausgebildet haben, andere Werte sich durchgesetzt haben.

00:26:12: Und das ist natürlich jederzeit möglich. Und deshalb lohnt es sich,

00:26:16: immer vor Ort ganz konkret für die eigenen Werte und Sichtweisen einzustimmen,

00:26:21: weil die Geschichte eben nicht determiniert ist, sondern man kann fünf Jahre,

00:26:26: zehn Jahre daran arbeiten und denkt, um Gottes Willen, passiert ja gar nichts.

00:26:30: Und dann plötzlich merkt man, dass in den Tiefen der Gesellschaft sich andere

00:26:33: Dinge durchgesetzt haben und man kriegt wieder eine andere Richtung in die Entwicklung.

00:26:37: Also ist meine Antwort ja, wir haben vom gesellschaftlichen Basistrend eine

00:26:43: globale Rechtsentwicklung, die im Moment alles wegspült, aber...

00:26:47: die muss nicht so bleiben in der Zukunft. Und damit man die irgendwann wieder

00:26:52: umgedreht kriegt, muss man vor Ort, in der Kommune, im Land,

00:26:56: wo auch immer, in der Politik, im Verein, in der Gewerkschaft,

00:27:01: in der Sozialorganisation, muss man arbeiten für Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Wow, ja.

00:27:08: Jetzt habe ich euch mal mein theoretisches Framework aufgelegt.

00:27:10: Genau, jetzt kommen wir zur konkreten Nachfrage.

00:27:12: Ja, das war jetzt, da sind alle jetzt alle Hörerinnen und Hörer ausgestiegen,

00:27:16: war mir jetzt aber mal ein Anliegen.

00:27:18: Nee, also ich finde, es wird ja auch gerade der Sozialdemokratie häufig vorgeworfen,

00:27:23: dass nur noch verwaltet wird. Also insofern darf man gerne auch mal darlegen,

00:27:27: warum bestimmte sozialdemokratische Politiken aus Sicht der Sozialdemokratinnen Sinn machen.

00:27:33: Aber jetzt nagel ich dich nochmal fest, dass wir ein bisschen konkreter werden.

00:27:36: Absolut, das habe ich befürchtet.

00:27:39: Vor diesem Hintergrund, was sind denn da deine Zukunftspläne,

00:27:42: Zukunftsvisionen für Bremen ganz konkret?

00:27:45: Meine Zukunftsvision ist schon, obwohl wir ja nicht in der tiefsten Krise sind,

00:27:50: wir müssen eine vernünftige wirtschaftliche Entwicklung hinkriegen.

00:27:54: Das ist im Prinzip so ein bisschen eine Reise mit 80 Phrasen um die Welt,

00:27:58: aber sie ist trotzdem richtig. Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.

00:28:03: Ich bin schon kritisiert worden, weil Willy Brandt gesagt hat,

00:28:06: Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

00:28:08: Und das wäre zu kleine Münze mit der Wirtschaft.

00:28:12: Also insofern könnte ich vorausschicken, ja, die Friedensfrage ist natürlich

00:28:16: noch entscheidender, sich dafür einzusetzen.

00:28:18: Das schicke ich jetzt auch voraus, aber das ist ja nicht das primäre Wirkungsfeld

00:28:23: einer Landesregierung, sondern da ist die Frage, wirtschaftliche Entwicklung,

00:28:27: Beschäftigung, gut bezahlte Arbeit als Voraussetzung dafür.

00:28:32: Dass wir einen Sozialstaat haben, in dem jeder mitgenommen wird und als Voraussetzung

00:28:38: dafür, dass wir ein Gemeinwesen finanzieren können, was dann im weitesten Sinne inklusive,

00:28:44: gerechtigkeitsorientierte Politik, sozialdemokratische Politik auch finanzieren und umsetzen kann.

00:28:51: Und dazu brauchen wir eine entsprechende wirtschaftliche Entwicklung.

00:28:56: Und Keynes hätte jetzt gesagt, das ist falsch, was ich sage.

00:29:00: Aber ich sage, in the long run, auf lange Sicht, bedeutet das,

00:29:03: wir müssen die Produktivität steigern.

00:29:05: Und ja, da wir ja auf lange Sicht alle tot sind, heißt das auch,

00:29:08: wir müssen auch eine kluge andere Konjunkturpolitik machen.

00:29:11: Das ist aber schon der Kern der Sache.

00:29:16: Ohne die materielle Basis einer gelingenden Wirtschaftsstruktur und Zukunftspolitik

00:29:22: haben wir nicht die Grundlage, dann auch eine gute sozialdemokratische Verteilungs-

00:29:27: und Sozialpolitik durchzusetzen.

00:29:30: In welchen Wirtschaftsbereichen siehst du denn da auch vor dem Hintergrund der

00:29:33: verschiedenen Transformationen, durch die wir ja gerade gehen,

00:29:36: Bremen Stärke? Also wo denkst du,

00:29:40: kann es hingehen, damit eben diese Wirtschaftsstärke auch mehr erfolgt?

00:29:43: In Zukunft aus sich noch mehr ausstabiert. Ich will es einmal.

00:29:48: Also so würde ich es nicht formulieren bei einer Wahlkampfveranstaltung,

00:29:51: aber hier darf ich das. Ich darf es einmal systematisch sagen.

00:29:53: Wir sind ja nur zu dritt hier. Natürlich ist mittlerweile die Industrie der

00:29:56: kleinere Teil der Gesamtwirtschaft und trotzdem an der Industrie hängt so viel

00:30:02: an Dienstleistungen, an Forschung und Entwicklung und an Zukunftsorientierung.

00:30:07: Und dass für Bremen die Industrie der Kern bleibt, auch wenn der gesamte Anteil

00:30:13: an der Gesamtwirtschaft eher, keine Ahnung, bei 20, 25 Prozent liegt und 75

00:30:18: Prozent andere Dinge sind so.

00:30:20: Aber wir brauchen das. Wir brauchen Industrie und Häfen im Land.

00:30:24: Und beide Sachen müssen sich stark entwickeln. Und bei der Industrie geht es

00:30:28: darum, unsere klassischen Stärken zu erhalten und durch die Transformation zu

00:30:33: retten und zukunftstauglich zu machen. Nahrungs- und Genussmittel, ganz wichtige Branche.

00:30:38: Auto, schwierige Branche, wo wir in Bremen uns im Moment gut halten mit dem

00:30:43: Erfolg der Elektromodelle von Mercedes.

00:30:46: Aber Mercedes ist einfach mit Abstand der größte private Arbeitgeber.

00:30:50: Stahlwerk, Frage der grünen Transformation, wo ArcelorMittal ja gesagt hat,

00:30:55: da stoppen wir erstmal, weil sie sich aus Sicht des Unternehmens nicht lohnt.

00:30:59: Andererseits steht im Moment die Hütte gut da und ist voll ausgelastet.

00:31:01: Also das ist der Bereich Stabilisierung der Industrie. Und dann kommen die Boom-Branchen im Moment.

00:31:08: Luft, Raumfahrt, Verteidigung. Das sind die drei

00:31:12: Sachen, wo im Moment hunderte von Stellen für Ingenieurinnen und Ingenieure

00:31:16: ausgeschrieben sind, wo sich richtig ganz viel entwickelt, wo natürlich dann

00:31:21: auch Forschung und Entwicklung und Technologieaufbau stattfindet.

00:31:24: Und ja, das wird möglicherweise nicht die nächsten 50 Jahre tragen oder auch

00:31:29: nicht die nächsten 25 Jahre.

00:31:31: Also bei Luft- und Raumfahrt schon, aber bei Verteidigung möglicherweise nicht,

00:31:35: weil das ja auch Zyklen sind. Aber wir werden das nutzen müssen,

00:31:38: um tatsächlich, was Zukunftsbranchen angeht, richtig ganz weit nach vorne kommen.

00:31:45: Satelliten, Raketen, Unterwasser, Robotik, was auch immer.

00:31:50: Da liegt die große Chance Bremens drin. Und der zweite Bereich ist unsere Häfen,

00:31:55: die ja immer mal auch, wenn man über die Jahrzehnte guckt, im Auf und Ab sind,

00:31:58: die aber jetzt mit den massiven Investitionen, die anstehen,

00:32:02: ich habe das eben schon erwähnt, ungefähr zweieinhalb Milliarden,

00:32:06: in den nächsten fünf, sechs Jahren, das ist schon eine Hausnummer.

00:32:09: Und da hoffe ich, dass wir in der Kombination Industrie,

00:32:15: da wo sie boomt nach vorne treiben, Häfen nach vorne treiben,

00:32:18: zentrale Branchen stabilisieren und damit den großen anderen Bereich Handel,

00:32:23: Logistik, Dienstleistung mitziehen.

00:32:26: Das ist die wirtschaftspolitische Strategie. Und wie gesagt,

00:32:29: auf dieser Grundlage dann ordentliche Steuereinnahmen, geringere Arbeitslosigkeit,

00:32:35: geringere Sozialausgaben.

00:32:37: Und dann können wir Bremen und Bremerhaven in eine gute Zukunft führen.

00:32:42: Wenn wir, also nicht ausschließlich vielleicht aus dem Wirtschaftsbereich,

00:32:45: ich weiß, du bist ja auch relativ viel unterwegs und es gehört ja auch ein bisschen

00:32:48: dazu, mal links und rechts zu gucken. Gibt es Städte oder Regionen,

00:32:51: wo du so Vorbilder für Bremen siehst, in einzelnen Bereichen zum Beispiel?

00:32:56: Ja, was man von Bayern lernen kann, ist brachiale Lobby- und Akquisepolitik.

00:33:00: Die machen ja keine Gefangenen, wenn es darum geht, auf allen Ebenen seid,

00:33:04: das ist ja ein Teil des bayerischen Erfolges.

00:33:06: Auch in der Verteidigungsindustrie und allen seit den 60er Jahren möglichst

00:33:11: alles nach Bayern zu holen. Das ist ja da auch nicht automatisch entstanden,

00:33:14: sondern auch mit ganz, ganz vielen staatlichen Aufträgen, wie gesagt,

00:33:18: in der Verteidigungsindustrie, in der Luftfahrt und so weiter und so fort.

00:33:22: Und was man da lernen kann ist, wir müssen uns da als Bremen zeigen.

00:33:25: Und deshalb habe ich jetzt auch zwei Tage auf der Deutschland-Investiert-Konferenz,

00:33:30: verbracht als Bürgermeister.

00:33:32: Von morgens bis abends war die gesamte Zeit da, ganz viele Gespräche geführt.

00:33:36: Ich sehe schon meine Aufgabe auch darin, möglichst viel Unternehmenserweiterung,

00:33:41: Ansiedlung, insbesondere im Bereich Luft- und Raumfahrt und Verteidigung im

00:33:45: Moment bin ich ganz offen zu machen.

00:33:48: Da denkt man manchmal auch, dass man als Cheflobbyist seines Bundeslandes unterwegs

00:33:53: ist, aber das ist halt meine Aufgabe.

00:33:55: Und wie gesagt, da kann man lernen von den Bayern, wie man das mit einer gnadenlosen

00:34:03: Konsequenz machen kann.

00:34:05: Die ist uns Norddeutschen manchmal ein bisschen fremd. Aber wie gesagt,

00:34:09: Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr.

00:34:12: Da glaube ich, müssen wir hier im Norden unser Fähnchen ganz klar schwenken

00:34:16: und unsere Ansprüche deutlich machen.

00:34:18: Okay, aber du willst es nicht, Markus Söder, im Flieger fragen.

00:34:21: Du hast offensichtlich die Strategie auch schon so durchleuchtet.

00:34:24: Ja, wobei Markus Söder und ich, wenn es um Raumfahrt geht, das muss ich auch

00:34:27: mal sagen, also wir schätzen uns,

00:34:30: an ganz vielen Punkten, aber wenn es um Raumfahrt geht, also gibt es auch Standortkonkurrenz,

00:34:35: aber wir sind ein Herz und eine Seele, wenn es darum geht, Raumfahrt insgesamt in Deutschland,

00:34:40: zu fördern und uns dafür einzusetzen.

00:34:42: Da passt zwischen Bremen, Bayern und Baden-Württemberg und anderen gar kein Blatt Papier.

00:34:46: Da sind wir immer 100 Prozent dabei zu sagen, das ist für Deutschland wichtig.

00:34:50: Also insofern, mal ist es so, mal ist es so.

00:34:55: Und wenn es um Raumfahrt geht, jedenfalls gemeinsame Interessenvertretung gegenüber

00:34:59: dem Bund, da sind wir die dicksten Kumpel.

00:35:03: Bovi, wir haben dir noch Bonusfragen mitgebracht, weil es ja die hundertste

00:35:06: Folge ist und dann haben wir gedacht, wir fragen dich auch mal was von dir an

00:35:11: uns sozusagen. Was würdest du dir von der Friedrich-Ebert-Stiftung wünschen?

00:35:16: Aus meiner Sicht, das muss ich einmal vorweg sagen, als Lob macht die Friedrich-Ebert-Stiftung

00:35:21: eine ganz hervorragende Arbeit.

00:35:22: Ich lese gerne eure Publikationen und gehört immer zu meinen Standardsachen,

00:35:27: mal auf die Publikationsliste zu gucken. Ehrlich gesagt, früher,

00:35:30: weil ich mehr Zeit hatte, noch mehr.

00:35:32: Ja, und ich bin so ein Wirtschaftspolitik-Freak, da habe ich mir immer alle

00:35:35: Publikationen zu Wirtschaftspolitik vor allen Dingen auch in unterschiedlichen Ländern angeguckt.

00:35:39: Das mache ich aber immer noch gerne und ich denke dann jedes Mal,

00:35:42: boah, wie wichtig ist das, in der heutigen Zeit Diskurse zu organisieren und

00:35:48: übrigens auch nicht dem nachzugeben.

00:35:50: Also wenn man Politiker ist, wird mir immer gesagt, du musst alles in 30

00:35:53: Sekunden sagen können und es muss Instagram-tauglich sein und emotionalisiere

00:35:58: die Themen und wähle die Sprache so, dass es sofort jeder versteht.

00:36:01: Das finde ich total richtig, bin ich kein bisschen dagegen.

00:36:05: Aber kriegen wir eigentlich komplexe Gesellschaften ohne jede Theorie,

00:36:10: ohne jede Empirie, ohne jede Forschung, ohne jede anspruchsvolle Diskurse organisiert?

00:36:17: Da glaube ich ja auch nicht dran. Und dafür brauchen wir die Friedrich-Ebert-Stiftung

00:36:21: unter anderem, die ja so ein bisschen widerständiger ist und nicht nur dazu

00:36:26: da ist, 30 Sekunden Aussagen zu machen.

00:36:29: Und das würde ich mir, kann ich jetzt sagen, natürlich noch viel mehr wünschen.

00:36:33: Aber ich weiß, die Mittel sind begrenzt und ihr habt auch eure Einschränkungen.

00:36:39: Aber bleibt tapfer dabei, auch Diskurse gegen den Strich zu bürsten und so ein

00:36:47: bisschen widerständiges Denken für die soziale Demokratie zu haben,

00:36:51: weil das ist ja Flaschenpost.

00:36:53: Die wirkliche Sache der Flaschenpost ist ja, dass man in Zeiten,

00:36:58: wo man politisch nicht so viel zu melden hat und die Sachen schwierig sind,

00:37:03: dass man die Werte und die Botschaften weitertransportiert.

00:37:06: Und dann werden sie ein paar Jahre später von Leuten gefunden,

00:37:10: aufgemacht und die sagen,

00:37:12: Da wäre ich alleine gar nicht drauf gekommen ohne die Flaschenpost.

00:37:15: Und insofern finde ich auch den Titel gut gewählt, obwohl er ja eher ein Instrument,

00:37:20: die Flaschenpost, in politisch defensiven Zeiten ist, das muss man sagen.

00:37:26: Für das Schmuggeln der Antworten und der Fragen in die Zukunft.

00:37:31: Mir gefällt es trotzdem mit der Flaschenpost. Sehr gut, aber vielleicht sollten

00:37:34: wir dann tatsächlich für die politisch offensiveren Zeiten uns nochmal überlegen,

00:37:38: welches Kommunikationsmittel da besser gewählt wäre. Ich weiß,

00:37:40: ich habe ihr doch wahrscheinlich genau dieses Flaschenpostbild genau aus diesem Grunde gewählt.

00:37:44: Das ist ja ein klassisches linkes Motiv in politisch defensiven Zeiten.

00:37:51: Aber als Podcast ja hoffentlich breit ausstrahlend. Insofern kommt da beides

00:37:55: zusammen. Aber vielleicht sollten wir uns für die nächsten 100 Folgen tatsächlich

00:37:57: nochmal was Offensiveres überlegen, in die Zeiten der Zuversicht zu gehen.

00:38:03: Aber auf die Flaschenpost bezogen, gibt es dann vielleicht einen Gast,

00:38:06: den du uns vorschlagen würdest?

00:38:08: Da habt ihr eigentlich auch Leute von der anderen politischen Seite,

00:38:11: zum Beispiel mein ganz wunderbarer Kollege Daniel Günther, den könnte man nehmen,

00:38:16: aber gut, der hat jetzt gerade Wahlkampf in Schleswig-Holstein,

00:38:18: Daniel, also okay, ich sage das für dann.

00:38:22: Das wäre ja eine sehr, das wäre mal eine interessante Sache,

00:38:25: wenn man ihn grillt, was er eigentlich von der sozialen Demokratie hält und

00:38:28: da möglicherweise gar nicht so viele Unterschiede hat.

00:38:32: Habt ihr schon Hape Kerkeling gehabt?

00:38:41: Den finde ich ja richtig gut. Und ich bin ja auch ein großer Freund von Sven

00:38:44: Regener und seinen Romanen. Aber das ist... Noch mehr Kulturwagen hören wir.

00:38:48: Fragen wir beide an und verweisen dann auf deine Empfehlung.

00:38:51: Du könntest auf meine Empfehlung oder ihr könnt auf meine Empfehlung verweisen.

00:38:55: Das wäre eine interessante Sache. Naja, Jan Böhmermann dann auch.

00:38:58: Aber Jan Böhmermann hat immer seinen eigenen Podcast mit riesig viel Reichweite.

00:39:03: Und der ist natürlich auch, immer wenn wir miteinander reden,

00:39:06: denke ich immer, wow, ein scharfsinniger, wenn auch provokanter Geist.

00:39:10: Braucht schon auch. Riecht sich nicht aus, genau. Deine Frage.

00:39:14: Ja, danke, dass du uns auch noch ein paar Tipps für die kommenden Folgen auf

00:39:18: die... Ja, aber Ratschläge sind ja auch Schläge.

00:39:20: Wir haben gefragt. Wir nehmen sie mit, wir nehmen sie mit auf jeden Fall.

00:39:24: Genau, Richtung Ende der Folge. Jetzt habe ich nur drei Männer benannt,

00:39:28: das ist natürlich recht. Aber okay. Du hast jetzt noch die Chance.

00:39:31: Ja, ich finde ja zum Beispiel Isabella Weber, die jetzt gerade antifaschistische

00:39:36: Wirtschaftspolitik, das Buch, was ich mir jetzt gerade gekauft habe,

00:39:40: wenn ihr das gerade jetzt einfällt, als es noch nicht gelesen habe,

00:39:43: aber es liegt auf dem Nachttisch und dachte,

00:39:46: das fand ich schon erstmal, finde ich sowieso immer gut, lese ich in dem Surplus-Magazin,

00:39:50: was ich auch abonniert habe. Aber ich

00:39:54: wollte ein Geschenk kaufen und da habe ich es wieder gekauft,

00:39:56: obwohl es sich neben meinem Nachttisch türmt an nicht gelesenen Büchern.

00:40:00: Da habe ich das aber nach oben gelegt.

00:40:03: Isabella Weber würde ich sagen, wäre auch hochgradig interessant.

00:40:06: Zum Beispiel so, das habe ich jetzt ein bisschen ausgeglichen,

00:40:09: dass ich jetzt nur drei Typen genannt habe.

00:40:11: Ja, aber dafür, genau, legen wir sie auch ganz oben auf unseren Anfragestand. So ist das.

00:40:19: Du kennst es ja vielleicht noch, am Ende der Folge kommt immer Friedrichs Flaschenpost

00:40:23: an die Zukunft und du hast uns ja vorhin schon ein bisschen in dein Geschichtsbild

00:40:26: blicken lassen. Jetzt wollen wir in dein Zukunftsbild blicken.

00:40:30: Was denkst du denn, wie stehen Bremen und Bremerhaven in zehn Jahren da?

00:40:34: Wir haben Arbeitslosigkeit und Armut echt vermindert, weil wir einen richtigen

00:40:40: Wirtschaftsaufschwung erlebt haben.

00:40:42: Wir sind nach wie vor Space City Nummer 1 in Deutschland mit München auf dem guten zweiten Platz.

00:40:50: Und unser Hafen brummt, sodass wir die Grundlage haben, so eine richtig weltoffene,

00:40:58: vielfältige Stadt weiterhin zu sein, wo die Menschen zusammenhalten und sich

00:41:04: einfach freuen, dass man gemeinsam das gut hinkriegt.

00:41:08: Wo keiner ausgegrenzt ist und wo Leute, die sich dagegen wenden und lieber eine

00:41:14: ethnisch-homogene Volksgemeinschaft haben wollen, einfach nichts zu melden haben. Auch weiterhin.

00:41:20: Das wäre mein positives Bild. Und da glaube ich auch dran.

00:41:24: Super. Das kommt in die Flaschenpost und vielleicht öffnen wir sie dann gemeinsam

00:41:28: in zehn Jahren, wenn das alles eingetreten ist.

00:41:32: Und damit sind wir wirklich am Ende der Jubiläumsfolge, Folge Nummer 100 von

00:41:37: Friedrichs Flaschenpost, dem Politik-Podcast aus Norddeutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:41:42: Danke euch, liebe Hörerinnen und Hörer, und danke dir, lieber Bovi.

00:41:46: Ganz lieben Dank, liebe Stine, liebe Christine.

00:41:50: Wir sprachen heute mit Andreas Bovenschulte, Bürgermeister und Präsident des

00:41:53: Bremer Senats und gerade noch Bundesratspräsident.

00:41:57: Und noch zwei Hinweise. Den nächsten Podcast, also Ausgabe 101,

00:42:02: nehmen wir live in Hamburg auf, das heißt mit Publikum.

00:42:04: Am Abend des 10.11. spricht Christine mit Gesine Schwan und Julia Reuschenbach

00:42:09: darüber, ob Demokratie zur Dienstleistung wird.

00:42:12: Das wird spannend. Seid gerne dabei. Und am 23.11.

00:42:17: Sprechen wir wieder mit Andreas Bovenschulte, dann mit weiteren Gästen,

00:42:21: wenn wir die FES-Studie Volle Kraft voraus oder Fahren auf Sicht über die politische

00:42:25: Stimmung und Einstellung in Bremen vorstellen.

00:42:28: Auch da könnt ihr alle live dabei sein und eure Fragen auch direkt an Bovi richten.

00:42:32: Es moderiert Stine und auch hierzu eine herzliche Einladung.

00:42:36: Tschüss aus dem Bremer Rathaus und bis zur nächsten Folge sagen Stine Klapper

00:42:40: und Christine Strotmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

00:42:43: Macht es gut und natürlich bleibt politisch.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.